Bewerbung & Interview

Floskeln in der Stellenanzeige

Wir haben uns in unserer Umfrage letztes Jahr bereits intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, was Bewerber in einer Stellenanzeige überhaupt lesen wollen.
Welche Infos sind relevant und welche total überflüssig? Als Verfasser von Stellenanzeigen ist es gar nicht so einfach eine Stelle attraktiv zu beschreiben, ohne dabei nach Geschwafel und Floskeln zu klingen. 

„Herausfordernde und spannende Aufgaben“ und  „Work-Life-Balance“  klingen aber mittlerweile leider mehr nach leerer Versprechung und standardisierter Phrase als nach einem verlockenden Argument für eine Bewerbung.  Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Stichpunkte in der Stellenanzeige ohnehin einfach überlesen und als Plattitüden abgetan werden.
Und das ist wirklich sehr schade, denn meistens entsprechen diese Formulierungen ja tatsächlich der Realität (hoffe ich…) Zumindest bin ich, wenn ich diese Formulierungen verwende, der Überzeugung die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu schreiben. Und wie soll ich denn bitte sagen, dass der beschriebene Job spannend und herausfordernd ist, wenn ich es so nicht formulieren darf?
Was soll denn nun die Moral von der Geschichte sein? Dem Leser nur noch die fachlichen Anforderungen und Aufgaben entgegenwerfen und auf alles weitere verzichten? Das kann es doch auch nicht sein, oder? Dann klingt die ganze Stellenanzeige doch gleich nach einem uniformen, strengen und völlig verstaubten Job bei dem man maschinenartig seine Arbeitsstunden ableisten soll.
Also was ist denn nun der richtige Weg? Mittlerweile bringe ich ja auch schon eine gewisse Betriebsblindheit mit und freue mich daher umso mehr auf neuen frischen Wind von außen – Genau genommen von Euch!
Wie steht Ihr zu „Floskeln“ in der Stellenanzeige? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

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4 Kommentare

  • Hallo Olga.

    > Was soll denn nun die Moral von der Geschichte sein? Dem Leser nur noch die fachlichen Anforderungen und Aufgaben
    > entgegenwerfen und auf alles weitere verzichten? Das kann es doch auch nicht sein, oder? Dann klingt die ganze Stellenanzeige
    > doch gleich nach einem uniformen, strengen und völlig verstaubten Job bei dem man maschinenartig seine Arbeitsstunden ableisten
    > soll.

    Ich bin lange genug überall vor die Wand gelaufen. Ich würde mich über einen uniformen, strengen und völlig verstaubten Job bei dem man maschinenartig seine Arbeitsstunden ableisten kann, wahnsinnig freuen.
    Ich bin ein einfacher Mensch, der sich für seine einfachen Fähigkeiten mal an einer Hochschule einen akademischen Grad erkämpft hat, der mir aber viel zu groß ist, an dem ich aber immer gemessen werde. Ja, früher hat mir Kreativität und Leistung mal Spass gemacht. Aber ich hatte jetzt zum zweitenmal einen burn out, habe eine kaputte Lendenwirbelsäule und diverse andere Probleme. Kollegen gehen mir inzwischen nur noch auf den Nerv. Ich will nicht mehr viel verdienen, ich will nur noch über die Runden kommen.

    Ich suche genau so einen job und finde ihn nicht. 🙁

    Achja, noch was: Wer in einer Stellenanzeige Leute sucht, die kreativ sind, und gleichzeitig mit seiner tollen ISO9002 Zertifizierung wirbt, macht sich eh lächerlich, weil Kreativität und ISO9002 halt nicht zusammenpassen.

    Schöne Woche noch.

    > soll.
    Also was ist denn nun der richtige Weg? Mittlerweile bringe ich ja auch schon eine gewisse Betriebsblindheit mit und freue mich daher umso mehr auf neuen frischen Wind von außen – Genau genommen von Euch!
    Wie steht Ihr zu „Floskeln“ in der Stellenanzeige? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

  • Hallo Nasenbär,
    danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich kann dein Problem nachvollziehen. Jeder Mensch stellt andere Ansprüche an seinen Traumjob und ich kann mir gut vorstellen, dass ein hohes Maß an Kreativität nicht unbedingt jedermanns Sache ist.
    Wahrscheinlich wird es dir auch nicht einfacher gemacht, da man in der Regel von einem Hochschulabsolventen erwartet, dass er nach Leistung und hohen Ansprüchen strebt.
    Vielleicht könntest du nochmal über eine Umschulung nachdenken, um einen Job zu finden, der eher deinen Wünschen entspricht.

  • Hallo Olga,

    ohne die Diskussion um die Leistungsbereitschaft von HochschulabsolventInnen zu stark vertiefen zu wollen: Ich habe gerade meine Dissertation abgegeben und fühle mich auch extrem ausgebrannt. Am liebsten würde ich ein halbes Jahr durch Europa tingeln und neue Kraft schöpfen. Aber das macht sich a) schlecht im Lebenslauf und b) habe ich gar nicht das nötige Geld dazu, weil man als Doktorand ja heutzutage standardmäßig nur eine halbe Stelle bekommt – unabhängig von der realen Arbeitszeit und -belastung.

    Um auf deine Frage nach Plattitüden zu antworten: Begriffe wie „Work-Life-Balance“ verstehe ich schlichtweg nicht. Was soll das genau heißen? Wenn ich so etwas lese, denke ich nur: „Oh mein Gott, wieder dieses BWLer-Geschwafel“ und suche nach meiner Bullshit-Bingo-Karte. Anscheinend wissen viele dieser Personal-BWLer aber auch selbst nicht, was Work-Life-Balance bedeuten soll, denn bislang konnte es mir keiner erklären.
    Warum gibt heutzutage keiner mehr an, wieviele Stunden pro Woche man arbeiten soll und ob unbezahlte Überstunden erwartet werden (wie z.B. bei Unternehmensberatungen, Banken und im Lebensmitteleinzelhandel)? Faire Arbeitgeber könnten z.B. durch die Angabe „40-Stunden-Woche, projektbezogene Überstunden werden in Freizeit abgegolten“ signalisieren, dass man zwar vielleicht auch mal 80 Stunden pro Woche arbeiten muss, dafür dann aber auch eine Woche daheim bleiben kann.

    Ich hoffe, das hilft dir weiter.

    • Hallo Chris,
      danke für Deinen Kommentar. Ich verstehe Deine Ansicht, aber in der Regel ist es nicht unbedingt üblich in der Stellenazeige so ins Detail zu gehen, was die Stundenanzehl oder die Entlohnung betrifft. Und genau deswegen sind Signalworte wie Work-Life-Balance eigentlich aus meiner Sicht sehr praktisch. Wenn ich diese Formulierung verwende, möchte ich eigentlich kurz und knapp sagen: In dieser Firma wird auf ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit Wet gelegt. Das heißt: keine 80-Stunden-Woche wenn man für 40 Stunden einen Vertrag unterschreibt oder eben, dass Überstunden im Fall der Fälle abgegolten werden. Work-Life-Balance bedeutet für mich, dass der Arbeitgeber sich zwar Einsatzbereitschaft von seinem Mitarbeiter wünscht, sich jedoch bewusst ist, dass die Arbeit nicht den einzigen Lebensinhalt des Menschen darstellt und das auch akzeptiert.

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