Bewerbung & Interview

Gehaltsangabe in der Stellenanzeige

Ab März 2012 ist es in Österreich Pflicht, in der Stellenanzeige Angaben zum Gehalt zu machen (Danke für den Hinweis, Eva). Dabei geht es darum, ein Mindestentgeld anzugeben, also zum Beispiel den Hinweis „Brutto-Monatslohn ab 1500€“. Klingt irgendwie heikel, oder? Andererweits haben wir in unserer Umfrage herausgefunden, dass sich viele Bewerber solche Gehaltsangaben in der Stellenanzeige wünschen würden. Ist es nun also ein Fortschritt, wenn man den Mindestlohn schon vor der Bewerbung kennt? Vermutlich schon, vor allem in Berufen, die chronisch unterbezahlt werden und wo sich der Bewerber nicht sicher sein kann, dass er von dem Gehalt auch leben kann. Solchen Unternehmen würde es dann sicher deutlich schwerer fallen, an Mitarbeiter zu kommen. Zu recht.

In Branchen aber, wo die Gehälter je nach Region, Ausbildung und Erfahrung so stark schwanken wie in der IT, könnte eine solche Regelung eher Schwierigkeiten bringen. Denn: Das angegebene Mindestgehalt könnte des SAP-Spezi davon abhalten, sich zu bewerben, obwohl das tatsächliche Budget des Arbeitgebers noch deutlich mehr Verhandlungsspielraum zulässt. Ich glaube deshalb nicht, dass so eine Angabe flächendeckend auch in Deutschland Pflicht werden wird.

Eine Einschränkung des Gesetzes in Österreich (hier die Vorschriften der Wirtschaftskammer Österreich) zeigt dann auch, die tatsächliche Absicht: Lohnangaben müssen nur diejenigen Unternehmen machen, die eine „lohngestaltende Vorschrift“, also einen Tarifvertrag oder ähnliches haben.

Was haltet ihr von Gehaltsangaben in der Stellenanzeige?

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6 Kommentare

  • Auf jeden Fall würde ich es gut finden, da würde endlich eine gleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen näher rücken. Auch wären die Arbeitgeber gezwungen, zuerst eine Zahl zu nennen. Denn die Arbeitgeber haben die deutlich stärkere Stellung, kennen Sie doch das Budget. Außerdem erspart es unsinnige Bewerbungen auf mies bezahlte Stellen.

  • Ich finde das trotzdem sehr heikel in unserem Bereich. Wie oft habe ich erlebt, dass man von einem Bewerber so derart überzeugt ist, dass man ihm weit mehr bezahlt, als eigentlich üblich. Die Gehälter sind so unterschiedlich wie die Bewerber. Man würde vorher die wirklich guten Leute mit zu geringen Gehaltsangaben verschrecken und die Schlechteren könnte man nicht angemessen tiefer bezahlen. Der Arbeitsmarkt ist doch auch nur ein Markt, bei dem sich der Preis nach dem Angebot und der Nachfrage bestimmt. Aus meiner Sicht ist das auch richtig so.

  • Ich stimme Claudia nur zu, es erspart Bewerbungen auf Stellen, die aufgrund schlechter Bezahlung am Ende nicht in Frage kommen.
    Und die Angabe eines Mindestgehaltes ist doch eine gute Lösung – für Super-Spezis heisst es, ab da geht es los und heisst eben nicht: soviel würdest du verdienen.
    Und warum sollte ein Unternehmen „schlechtere“ Bewerber überhaupt einstellen? Also stellt sich die Frage von Sandra ja eigentlich nicht …

  • Aus „internationaler“ Sicht ist das gar nicht unüblich. In Großbritannien enthalten 90% der Stellenanzeigen Angaben zum Gehalt, z.B. £35.000 – £40.000. Das ist sehr praktisch, da es meistens auch an die Stellenanforderungen angepasst ist und man sich bei der Jobsuche auch gut daran orientieren kann.
    Ich sehe darin die Möglichkeit als Bewerber, die Angebote besser zu selektieren und/oder mir für künftige Bewerbungen einen Überblick über den Markt oder die Branche zu machen. Ebenso kann ich für Gehaltsforderungen Vergleich ziehen. Unternehmen werden dadurch auch mehr dem Wettbewerb um Fachkräfte ausgesetzt und müssen ggf. mit dem Markt gleichziehen.

    Außerdem kann man dadurch viel über das Unternehmen/Unternehmenskultur selbst erfahren: eine zu besetzende, toll formulierte Senior-Position mit einem Juniorgehalt bedeutet meistens viel Verantwortung, viele Überstunden und Schinderei aber kaum monetären Ausgleich. Genau so etwas kann man dann doch rauslesen.

  • Ich finde, dass es richtig ist, für den Bewerber den zukünftigen Lohn zu kennen. Es ist ausserdem für die Firma eine Sache der Trasparenz, den Lohn in der Anzeige zu veröffentlichen. Im englischen Arbeitsmarkt ist das schon lange üblich.

  • Ob nun in der Stellenbeschreibung direkt ein Mindestgehalt steht oder eher wie bisher manchmal leistungsgerechte bzw. branchenübliche Vergütung steht, ist mir eigentlich egal. Viel schlimmer finde ich bei den Gehaltsverhandlungen, dass der Arbeitgeber enorm im Vorteil ist und diesen auch ausnutzt. Besser fände ich hier ein System wie folgendes: beide schreiben Wunschgehalt auf einen verdeckten Zettel o.ä. und tauschen den dann aus. Und danach drüber sprechen. Ich bin ja verhandlungsbereit, wenn mich der Arbeitgeber davon überzeugt, dass ich nicht so viel wert bin, aber ich habe auch gute Begründungen, warum ich mit meiner Summe in die Verhandlungen gehe. Schlimm ist immer, wenn die vom Stuhl kippen oder nur schnell eine unpersönliche Standardabsage schreiben und man weiß nicht, ob es nur am Gehalt liegt (worüber ja nicht einmal verhandelt wurde) oder ob man sich unprofessionell verhalten hat bzw. nicht ins Team passt. Bietet der Arbeitgeber unerwarteter Weise mehr als der Bewerber fordert, trifft man sich halt in der Mitte und beide sind glücklich.

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