Bewerbung & Interview

So selbstbewusst bin ich nicht…

… sagte mir neulich ein sehr guter Freund, der sich ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen wollte und nun die Ausformulierung selbst in die Hand nehmen muss. Wir als Personaler lesen immer wieder Arbeitszeugnisse und schreiben natürlich auch welche für andere Leute, auch wenn nicht in der Regelmäßigkeit, wie wir sie in Bewerbungen zu lesen kriegen. Und da gibt es immer wieder gravierende Unterschiede. Manchen Zeugnissen sieht man sofort an, dass sie von einem Personaler erstellt wurden. Anderen wiederum nicht, beziehungsweise lesen sich manche Zeugnisse wirklich so, als hätte sie mal eben jemand nebenher zusammengeklimpert.

Was in einem Zeugnis unbedingt drin stehen und wie es formuliert sein muss, dass es rechtliche Gültigkeit hat, habe ich hier schon des öfteren diskutiert. Was mich dieses Mal aber beschäftigt, ist die Tatsache, dass man sich selbst in den seltensten Fällen als überdurchschnittlich gut darstellen würde. Und genau das meinte mein Bekannter auch. Man hat sicherlich eine gesunde Einschätzung der eigenen Arbeitsweise, aber man weiß in den wenigsten Fällen, was diese für das Unternehmen und dessen Erfolg bedeutet. Wenn also mein Bekannter immer sehr viel länger und auch an eigentlich freien Tagen (ich denke da an Feiertage und Wochenenden) arbeitet und den Geschäftsführer direkt vertritt, wenn dieser nicht da ist, dann hat seine Arbeit doch einen enormen Wert und sollte dementsprechend geschätzt werden. Und das dann selbst schreiben zu müssen, finde ich nicht gut.

Ein ganz wichtiger Punkt ist zudem, dass man als Otto-Normal-Arbeitnehmer (und das meine ich nicht abwertend oder negativ) einfach keine Übung oder Erfahrung im Schreiben von Arbeitszeugnissen hat und dadurch die Gefahr Fehler zu machen sehr viel höher ist. Da können dann schonmal solche Sachen wie: Frau XY ist immer pünktlich auftauchen, die zwar positiv gemeint sind, aber auch sehr negativ verstanden werden können (ich denke da an: Aha kommt pünktlich, Feierabend wird dann aber auch auf die Minute genau gemacht). Von diesen typischen Floskeln à la stets, sehr, besonders. vollste mal ganz abgesehen.

Als Übung und zur Selbstreflexion ist ein Entwurf eines eigenen Arbeitszeugnisses sicher gut. Vor allem lernt man sich dabei mit sich selbst und den eigenen Aufgaben auseinanderzusetzen und sieht erst einmal, was man eigentlich alles macht. Aber die Ausformulierung der Wertschätzung und die Einschätzung und Bedeutung des Arbeitnehmers für das Unternehmen sollte doch bitte vom Vorgesetzten erfolgen. Und ist der nicht in der Lage oder hat keine Lust, die Einschätzung selbst zu formulieren, dann finde ich, kann man auch auf den Putz hauen und sich selbst ein sehr gutes Zeugnis verfassen (im Zweifel könnt Ihr Euch auch gern an uns wenden und wir geben Euch Tipps, was im Zeugnis noch fehlt oder wo Hervorhebungsbedarf ist), welches der Vorgesetzte oder Chef dann nur noch unterschreibt.

Wichtig ist ja am Ende, dass der Inhalt richtig, wahrheitsgemäß und wohlwollend ist und false modesty ist gerade in diesem Fall nicht zielführend.

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