Bewerbung & Interview

Na mal sehen, wieviel ich eigentlich wert bin

Quelle: Tim Reckmann/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Neulich in einem Vorstellungsgespräch:

Ich: Und jetzt sind Sie bei Firma XY. Seit wann arbeiten Sie denn dort?
Bewerberin: Seit gut 5 Monaten. Die Probezeit ist auch vorbei.
Ich: Und wieso würden Sie nun wechseln wollen?
Bewerberin: Wer sagt denn, dass ich wechseln will?
Ich: Aber weshalb sind Sie dann hier?
Bewerberin: Na, ich wollte mal sehen, was Sie mir so erzählen. Meine Firma hat mir sogar eine Gehaltserhöhung angeboten, für den Fall, dass ich zum Gespräch gehe und Interesse habe.

So kanns auch gehen. Dass Softwareentwickler sich quasi den Job aussuchen können, wird ja vielerorts diskutiert. Auch wir haben das schon das eine oder andere Mal erfahren dürfen. Dass aber tatsächlich jemand in ein Gespräch kommt, zu dem er zuvor am Telefon eingewilligt hat, und dann eigentlich nur testen will, wieviel er/sie wert ist, ist schon eine Rarität.

Ich kann es grundsätzlich verstehen, dass man vielleicht nicht aktiv wechselwillig ist, sich aber ein gutes Angebot lieber mal anhört, bevor man entscheidet, ob es was für einen ist oder nicht. In diesem Fall allerdings war das doch sehr eindeutig. Der Kandidatin ging es lediglich darum, zu sehen wie viel wir ihr bieten und sie hat auch aus ihrem eigentlichen Desinteresse keinen Hehl gemacht. Das war dann schon fast dreist und unhöflich. Da das schnell geklärt war, konnten wir das Gespräch dann auch schnell abkürzen, lagen die Vorstellungen des Kunden doch weit neben denen der Kandidatin. So haben wir dem Kunden wenigstens den Freitagsfeierabend nicht unnötig verzögert. Ein komisches Gefühl des ausgetrickst seins blieb doch.

Ich kann sehr gut verstehen, dass man als Mitarbeiter eine gewisse Loyalität gegenüber seiner Firma hat. Ich sehe es auch gern ein, wenn jemand beispielsweise über einen Headhunter angesprochen wird und dabei sagt: Ich habe kein Interesse. Das ist nur fair und richtig. Aber sich einladen lassen, obwohl man überhaupt kein Interesse hat (mal abgesehen von der Zeit und den Investitionen, die auf beiden Seiten dabei anfallen), ist unschön. Diese Kandidatin jedenfalls wird in unserem Umfeld wohl so schnell nicht mehr eingeladen.

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1 Kommentar

  • Wieso, ist doch gut, dass sie offen war. Es gibt bestimmt noch mehr Kandidaten, die nur mal schauen wollen, was sie wert sind. Würde ich auch so machen *hüstel*

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