Bewerbung & Interview

Die 3. Seite mal anders

Über den Nutzen und die Notwendigkeit der 3. Seite in der Bewerbung haben wir uns schon des öfteren ausgelassen. Auch haben wir immer wieder betont, dass es beispielsweise zum Anschreiben kein Motivationsschreiben zusätzlich braucht. Das ist vertane Zeit und Papierverschwendung. (Ander verhält es sich, wenn so eines ausdrücklich gefordert wird). Ich bin großer Verfechter von knackig und präzise halten auch wenn das Studenten oft sehr schwer fällt. Der Lebenslauf passt für gewöhnlich auf maximal zwei Seiten, ist ein Anschreiben länger als eine Seite, ertappe ich mich dabei nur noch quer zu lesen. Und kommt dann noch eine 3. Seite hinzu, auf der scheinbar nur eine Aufreihung von den üblichen Softskills steht, dann ist mir persönlich das dann doch zuviel. Wichtig finde ich: eine 3. Seite nur dann zu schicken, wenn ein wirklicher Mehrwert drin steht. Dazu kann dann zum Beispiel die Beschreibung eines für die Stelle wichtigen Projektes aufgeführt werden, dessen Inhalt und Bedeutung im Lebenslauf nicht herauskommt (gerade wenn dazu vielleicht noch kein Arbeitszeugnis vorliegt).

Man sollte jedenfalls genauestens überlegen, wofür man diese 3. Seite nutzen sollte. Aufreihungen von Dingen wie: Teamfähigkeit, Kommunikation oder Flexibilität gehören für mich nicht dazu. Was mich allerdings positiv überrascht hat, war die 3. Seite einer Bewerberin, die darin beschrieb, weshalb ihr Studium sehr viel länger dauerte, als laut Studienordnung vorgesehen:

Beim Lesen meiner Unterlagen ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass ich mein Studium erst nach XX Fachsemestern beendet habe, da ich kein BAföG erhielt und mein Studium fast ausschließlich selber finanziert habe.

Inhaltlich ging der Text noch etwas weiter, machte für mich aber das Nachfragen, warum das Studium so lang dauerte, überflüssig. Sicherlich habe ich dennoch das Thema im Gespräch weiter mit der Kandidatin besprochen, dennoch wusste ich somit sofort, dass ich es nicht mit dem typischen (und das sage ich jetzt platt und Vorurteile aufgreifend, ich habe nämlich selbst sowas komisches studiert) Soziologie- oder Kulturgeschichte-Studenten zu tun habe, der zwei Veranstaltungen im Semester besucht und den Rest der Zeit die Füße hochzulegen scheint. Nein, in besagtem Fall fand ich eine äußerst fleißige Person vor mir, die sich von Job zu Job gehangelt hat, damit sie sich den Wunsch zu studieren erfüllen konnte. Und das verdient schon Respekt und darf dann gern auch auf die 3. Seite der Bewerbung.

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