(Neue) Arbeitswelt

Sollte man seinen Job lieben?

Ich bin Mutter einer fast zweijährigen Tochter, die täglich in die Kita geht. Dort wird sie von gut ausgebildeten Erzieherinnen (ja, es sind alles Frauen) betreut. Im letzten Monat fand ein Erzieher-Wechsel statt und somit auch eine kleine Umgewöhnung für uns Eltern. An sich nichts dramatisches, aber mir ist aufgefallen, wie unterschiedlich die Erzieherinnen ihren Job ausüben. Die vorherigen Erzieherinnen haben morgens die Kleinen total herzlich begrüßt, sind auf sie zugegangen und haben ganz viele tolle „Projekte“ gemacht (die man eben so mit Einjährigen machen kann). Die neuen Erzieherinnen begrüßen die Kiddies am Morgen auch, aber oft nur aus der Ferne, weil sie grad mit was anderem beschäftigt sind und von „Projekten“ ist jetzt erstmal auch nichts zu sehen, zum 3. Mal in Folge im Garten spielen ist ja auch was… An dieser Stelle habe ich mich gefragt, wie sehr man seinen Job lieben muss, um ihn gut ausüben zu können?

Im Falle der Erzieherinnen machen beide Seiten ja das, was sie in der Ausbildung gelernt haben – auf die Kinder aufpassen. Nur machen es die einen so und die anderen so. Ich als Mutter bin natürlich dann nicht 100 Prozent zufrieden. So ähnlich verhält es sich ja auch in anderen Berufen. Man kann ihn gut oder eben auch sehr gut machen. Die Frage, die ich aber dahinter stelle, ist die, ob man seinen Job auch tatsächlich gern ausübt. Im Falle des Erzieher-Jobs macht für mich den Unterschied, den Kinder tatsächlich etwas beibringen zu wollen, sie zu fördern und als eigenständige Personen wahrzunehmen oder eben sie „nur zu verwalten“ (Essen geben, ins Bett bringen, auf sie aufpassen).

Ich habe mich dann gefragt, wie ich diese Frage beantworten würde. Und mir wurde klar, dass ich den Job hier gern mache, dass mir die Kunden wichtig sind und ich ein persönliches Interesse daran habe, was aus den Bewerbern wird. Wer diesen Anspruch nicht an seine Arbeit hat, sollte ernsthaft überlegen, ob er den richtigen Job hat. Ich könnte zumindest nicht damit leben, meine Arbeit nur zu verwalten und meine Zeit abzusitzen. Wie seht ihr das denn?

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6 Kommentare

  • Hallo Daniela,

    das! ist mal eine richtig interessante Frage.

    Ich persönlich mag meinen Job grundsätzlich sehr gern. An manchen Tagen vielleicht weniger, was aber dann mit der gesamten Verfassung zu tun hat. Aber ja, ich gestehe, ich bin ein „Gern-zur-Arbeit-Geher“.

    Die Qualität der Arbeit hängt meiner Meinung nach enorm von der Arbeitseinstellung ab. Wie Sie schon aufzeigen, bei Erzieherinnen merkt man dies deutlich.

    Ich selbst habe einen „Büro-Job“ und beobachte gern auch mal meine Kollegen. Man sieht in der Tat schnell, wer Zeit absitzt und wer sich mit dem Job identifiziert und dementsprechend Engagement einbringt.

    Da bleibt die Frage welche Motivation dahinter steht? Motivation oder so manches mal vielleicht auch Resignation? Oder Unzufriedenheit? Und sind die Menschen tatsächlich bereit darüber nachzudenken? Was sollen sie mit dem Ergebnis anfangen? Jobwechsel? Was für Perspektiven gibt es dabei?

    Diese eine Frage bringt so viele weitere Fragen mit sich.

    Ich bin gespannt, ob und wie sich hier der ein oder andere noch dazu äußert.

    Viele Grüße
    Christina

  • Ich könnte das nicht, Arbeit muss auch Spaß machen. Aber auf der anderen Seite bei dem Arbeitsmarkt heutzutage kann man auch die Leute verstehen die ihre Arbeit nur verwalten und die Zeit absitzen.

  • Ich denke auch, das man einen Job nur dann richtig gut machen kann, wenn man ihn gern macht und er einen ausfüllt. natürlich gibt es immer auch Tage, an denen man Aufgaben erledigen muss, die einem nicht so gefallen oder es gibt bestimmte Aspekte, die einem nicht liegen. Aber insgesamt sollte man schon gern zur Arbeit gehen. Sonst ist man auf lange sich mit sich selbst unzufrieden, weil man Monatgs schon ans nächste Wochenende denkt oder der Chef / die Kollegen oder Kunden sind unzufrieden, weil man sich nicht richtig einbringt. Mir persönlich macht meine Arbeit im großen und ganzen Spaß und ich gehe auch gern ins Büro. Wäre das nicht so, sollte ich mir besser was anderes suchen, da ich sonst die Unzufriedenheit auch mit nach Hause nehmen würde. Und das wäre auch gegenüber meiner Familie unfair.

  • @Marcel: Ich finde, dass das einfach nur eine billige Ausrede ist etwas auf den Arbeitsmarkt zu schieben. Jeder Mensch ist für sein eigenes Leben verantwortlich und wenn man im MOment beruflich nicht zufrieden ist, dann ändert man es eben. Und man wird Mittel und Wege finden.

  • Seinen Job lieben? Das hatte man mich auch mal gefragt.
    Die Antwort ist einfach: wie soll man es „lieben“ wenn man gezwungen wird, beim Adresshandel mitzumachen. Wenn man gezwungen wird Dinge zu tun, die in Deutschland illegal sind, mit der Begründung: „Unser Kunde ist Schweizer und in der Schweiz ist das in Ordnung“.
    Wie soll man es „lieben“, wenn man Werbung für die „Bank of America“ machen muss (das sind die, welche mit Steuergeld gerettet wurden und sich anschließend mit dem Geld der Steuerzahler einen Bonus für ihre Manager ausgezahlt haben). Oder wenn man für VW arbeitet und der Chef stolz verkündet, wie er den deutschen Steuerzahler ganz legal um Millionen Euro geprellt hat, während man selbst brav seine Steuern zahlt?
    Oder der Mitarbeiter von Siemens, dessen Boss gerade die Firma, welche den FCKW-freien Kühlschrank erfunden hat, mit miesen Tricks daran hindert, seine Produkte in den Handel zu bekommen.
    Wenn man für die Firma arbeitet, die gerade einen Mobilfunkkunden auf die Zahlung von 15.000 Euro verklagt hat für einen Download von 300 MB, welchen der Kunde vermutlich gar nicht selbst verschuldet hat?
    Oder wenn man in einer Versicherung arbeitet, wohl wissend, dass man alle (berechtigten) Anträge erstmal ablehnen muss, in der Hoffnung, das Problem löst sich „biologisch“?
    Der Mitarbeiter einer Discountkette, dessen Kollegen gefeuert werden um sie durch billigere Zeitarbeitskräfte zu ersetzen?
    Man soll seinen Job „lieben“? Glücklich ist der, wer entweder kein Gewissen, oder einen Job hat, der einem gesunden Rechtsempfinden standhält.

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