Bewerbung & Interview

Hallo, ist da jemand? – Über das Warten auf Antworten im Bewerbungsprozess

Regelstudienzeit, Quelle: PublicDomainPictures/pixabay.com
Geschrieben von Anna

Viele Bewerbungen laufen heute über das Internet. Schnell und kostengünstig kann der Bewerber seine Unterlagen an ein Unternehmen senden. Dieses hat die Dokumente gleich in digitalisierter Form und kann sie platzsparend und umweltfreundlich archivieren. Vor allem kann auch zeitnah und ohne Portokosten eine Antwort und zuvor vielleicht sogar eine Eingangsbestätigung gesendet werden. Hach, das Leben kann so einfach sein. Oder nicht?!

Es ist zwar jedem klar, dass nur eine Person den Platz der ausgeschrieben Stellen besetzten kann, aber eine Absage ist dennoch nichts Schönes. Weiterer Wehmutstropfen: aus standardisierten Absagen erkennt man auch nicht, woran es letztlich lag. Aber, und das ist das Entscheidende, man weiß wenigstens woran man ist und checkt nicht permanent seine Mails.

In der Realität hört man meistens jedoch gar nichts vom Unternehmen und muss sich fragen, ob überhaupt jemand das Geschrieben gelesen hat. Ich sehe ein, eine Eingangsbestätigung an jeden Bewerber zu schicken, nimmt auch Zeit in Anspruch und gerade in kleineren Betrieben, die keine eigenen Personaler haben, ist diese meist knappt. Nach ein paar Wochen ist es aber schon eine Sache des Respektes, einen kurzen Zweizeiler zum Eingang und zur weiteren Zeit, die noch zur Bearbeitung benötigt wird, zu verfassen. Das Tagesgeschäft muss laufen, schon klar. Man möchte doch nur wissen, ob alles angekommen ist.

Was mich daran am meisten stört, man findet überall, was der Bewerber zu beachten hat – Bücher, Webseiten, Checkhefte und, und, und – für Unternehmen zum Umgang mit Bewerbern aber eher  wenig. Ich verstehe auch, jetzt wo ich das Recruiting direkt miterlebe, dass es manchmal für die Gegenpartei frustrierend sein muss. Zwar belächelt man selbst manchen Hinweis im Rahmen von Ratgebern, aber es passieren trotzdem wirklich viele und oft unnötige Fehler. Dennoch, eine kurze Rückmeldung zum Eingang und Bearbeitungsstatus hat jeder verdient.

Nach meiner Erfahrung ist das Nicht-reagieren außerdem unabhängig von der Unternehmensgröße. Am Anfang meiner Bewerbungsphase war dies sehr beklemmend für mich. Man gibt in seiner Bewerbung so viel von sich Preis. Gerade auch bei den nicht digitalen Varianten, hoffe ich heute noch, Monate später, dass diese wenigstens richtig entsorgt wurden und nicht als Schmierpapier dienen. (Bevor sich jetzt jemand angegriffen fühlt, das ist übertrieben, ich weiß. Aber, jeder der lange geschrieben und gewartet hat, wird mir sicher recht geben, dass auch mal seltsame Gedanken aufkommen 😉 )

Was Unternehmen diesbezüglich vielleicht wissen sollten: ausbleibende Reaktionen führen zu Frust und dieser spricht sich rum. Laut einer Studie von stepstone.de werden Unternehmen, die nicht antworten von fast 80% der Befragten als unsympathisch empfunden. Dies wirkt sich auf künftige Bewerbungen aus: in jenen Unternehmen würden sich über die Hälfte der Befragungsteilnehmer  nicht noch einmal bewerben.

Offensichtlich ist dieses Reagieren auf Bewerbung also auch eine Form von Marketing. Zwar eine zeitaufwändige, aber eine effektive. Und zudem auch noch völlig kostengünstig…

Über den Autor

Anna

Anna ist unsere „Frau fürs Schöne“ und war bis November 2016 verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtete sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schrieb mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgte Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

5 Kommentare

  • Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es nicht zu viel verlangt ist, eine Eingangsbestätigung und auch eine Absage zu verschicken. Das kostet doch wirklich kaum Aufwand. Schließlich muss ja nicht extra eine Brieftaubenzucht begonnen werden. 😉
    Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass Unternehmen, die nicht oder vollkommen unzureichend abgesagt haben, einen wirklich schlechten Eindruck bei mir hinterließen.
    LG

  • Am besten sind die Unternehmen, von den man einen Monat nichts hört und wenn man dann anruft auch noch dumm angemacht wird. Von mir gibts dann öfter eine Bewertung bei kununu.

  • Vielen Dank für den tollen Artikel! Ich finde es auch eine Unverschämtheit, wenn sich Unternehmen gar nicht zurückmelde. Aber mittlerweile gehe ich gelassener an meine Bewerbungen. Außerdem gibts ja kununu.e oder auch dabego.de oder andere Portale, wo Bewerber iher Erfahrungen dokumentieren. Da kann man seine Erwartungshaltung schon vorab runterschrauben

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