Bewerbung & Interview

Absage andersrum

Ein netter und aufmerksamer Leser unseres Blogs hat uns neulich eine Mail geschickt und gebeten, uns mit einem interessanten Thema auseinanderzusetzen: Der Absage an den potentiellen Arbeitgeber. Man mag es ein Luxusproblem nennen, wenn man sich vor lauter Jobangebote nicht retten kann, aber in IT-Kreisen kommt dieser Fall ja tatsächlich recht oft vor.

Man stelle sich folgende Situation vor: Der erfahrene Softwareentwickler aus Thüringen arbeitet seit 4 Jahren in Bayern und hat nun beschlossen wieder in seine alte Heimat zu ziehen und sucht einen Job. Bei einem „Heimaturlaub“ absolviert er mehrere Vorstellungsgespräche in unterschiedlichen Firmen der Umgebung. Bei dreien der Unternehmen erhält er ein annehmbares Angebot und muss sich nun entscheiden.

Mindestens zwei der Unternehmen kassieren nun eine Absage, wenn man so will. Als Bewerber sollte man in erster Linie fair sein und so schnell wie möglich Bescheid sagen. So etwas passiert recht häufig und es wird kein Chef oder Personalmensch direkt in Tränen ausbrechen. Sooo leergefegt ist der Arbeitsmarkt dann ja auch wieder nicht. Auf welchem Wege man das tut, ist nicht so wichtig, die Hauptsache ist, dass man sich meldet, sobald man sich entschieden hat. Denn das Unternehmen muss sich ja dann weiter nach Kandidaten umsehen und/oder weitere Kandidaten zu Gesprächen einladen.

Ein Anruf genügt im Grunde, auch eine E-Mail ist in Ordnung. Schön ist es, wenn man kurz begründet, warum man sich für den anderen Arbeitgeber entschieden hat. So kann das „abgelehnte“ Unternehmen eventuell Konsequenzen ziehen und an seinem Angebot arbeiten. Auch, wenn es sich um das Gehaltsangebot handelt. Hilfreich ist so ein Hinweis auf jeden Fall.

Klar, angenehm ist so ein Telefonat oder eine E-Mail nicht, aber man darf auch damit rechnen, dass sich die andere Seite wenigstens halbwegs professionell verhält und viel Erfolg im neuen Job wünscht. Ein positiver Abschluss eines solchen Bewerbungsprozess kann übirgens auch später hilfreich sein: Entscheidet man sich nach längerer Zeit doch noch, das Unternehmen zu wechseln, hat man direkt einen Ansprechpartner, der sich freuen wird, vom netten Bewerber von damals zu hören.

Ein bisschen verzwickter ist die Lage, wenn man sich schon auf eine Zusammenarbeit geeinigt hat und der Arbeitgeber schon fest mit dem neuen Mitarbeiter rechnet. Da werden Projekte organisiert, Schreibtische und Computer gekauft, Zutrittskarten bestellt. Und dann sagt der Mensch ab. Das ist natürlich sehr ärgerlich und wird dem einen oder anderen ein leises Fluchen entlocken. Aber auch hier sollte man fair sein, anrufen und die Situation kurz erklären. Dann sollte man mit Überzeugungsversuchen rechnen und sich entsprechend vorbereiten. Vielleicht ist so ein Gespräch ja auch eine Möglichkeit, ein besseres Angebot herauszuhandeln?

Eine „richtige“ Forumlierung gibt es nicht. Das kommt immer auf die Gesprächspartner und die Situation an. Wichtig ist es aber in jedem Fall, offen und ehrlich zu sein und nicht zu lange zu warten mit der Absage an den Arbeitgeber. Ihr könnt davon ausgehen, dass jeder Arbeitnehmer eine solche Situation schon einmal erlebt hat und damit umgehen kann.

Andere Artikel über Antworten bei der Bewerbung oder die Frage, wie lange man nach der Bewerbung warten soll, findet ihr nach den Klicks.

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4 Kommentare

  • Also da kann ich inzwischen ne Lied von singen. Studentenjobs im IT-Bereich sind hier bei mir in Hülle und Fülle vorhanden, Möglichkeiten gibt es da genug. Kürzlich musste ich einen Job absagen, den ich unheimlich gern gemacht hätte. Entsprechend schwer viel es mir und entsprechend hartnäckig war die AG auch mit ihren Überzeugungsversuchen. Da ich das ganze aber zeitlich einfach nicht mehr schaffen würde musste ich abermals absagen. Für die AG bedeutete dies:
    Statt 3 guter Mitarbeiter für das Projekt sind es nun nur noch 2…. und benötigt würden etwa 6-7. Leider Gottes ist das heute normal:
    Dank Bachelor-System (Bologna) hat kaum ein Student mehr Zeit mehr als 5-6 Stunden in der Woche neben dem Studium zu arbeiten, viele trauen sich nicht einmal mehr das. Ich selbst muss mein Studium bereits etwas „schleifen“ lassen, da ich finanziell auf die Zusatzeinkunft angewiesen bin – 100% fürs Studium geht da leider nicht mehr.

    Absagen an interessierte Unternehmen sind nie wirklich leicht, wenn man sich jedoch erklärt und die Situation schildert wird wohl jeder Personaler dies verstehen können bzw. nachvollziehen. Bisher sind meine Erfahrungen eher positiv:
    Oftmals kamen Unternehmen im nachhinein auf mich zu und fragten erneut an, ob ich Zeit hätte und/oder auch mal kurzfristig in Projekten mitarbeiten kann.

  • „Klar, angenehm ist so ein Telefonat oder eine E-Mail nicht, aber man darf auch damit rechnen, dass sich die andere Seite wenigstens halbwegs professionell verhält und viel Erfolg im neuen Job wünscht.“

    Hmm. Naja.

    Also ich kenne diese Situation. Und ich traue mir auch zu, eine Absage halbwegs solide und fair zu schreiben. Und ich hatte auch einen verdammt guten Grund, abzusagen. Zudem habe ich nicht direkt bei der Konkurrenz angeheuert, sondern mache erst einmal etwas anderes. So hat man nach gewisser Zeit wirklich die Chance, mich einzustellen. Nur dass ich dann hoffentlich noch mehr kann und schlauer geworden bin.

    Aaaaaber: von einem Unternehmen, Typ Internationaler Großkonzern, kam dann Bedauern und der Wunsch, ich solle mich unbedingt wieder melden, damit die mich gleich vom Haupttor abholen können und an den zukünftigen Schreibtisch fahren. Und auf keinen Fall vergessen anzurufen, egal wann, egal wie. Daneben noch ein paar andere Unternehmen, Typ Mittelständler. Die hatten eigentlich interessantere Projekte, haben es aber nicht hingekriegt, irgendwas zurückzumailen.

    Und nun die Frage für das Publikum: Wen von denen werde ich wieder anrufen, und wer kann bleiben, wo er außer Sichtweite ist?

    Für diesen Fall, dass der Bewerber absagt, ist offensichtlich noch nicht jeder gerüstet.

  • Sehr guter Artikel 🙂

    Absagen von Bewerbern sind für Personaler normal.
    Als Bewerber kann man auch im Vorstellungsgespräch schon sagen, dass man noch andere „Eisen im Feuer“ hat. Kein Unternehmen erwartet ernsthaft, dass ein Bewerber sich nur auf eine Stelle bewirbt. Das ist meist kein Nachteil, sondern wird oft eher als Zeichen von Ernsthaftigkeit und Engagement gewertet. Entscheidet man sich für eine andere Stelle, ist allerdings eine schnelle Information an das Unternehmen angesagt.
    In einem Punkt würde ich aber widersprechen:
    Hat man den Arbeitsvertrag schon unterschrieben, wird es mit der Absage schon schwieriger und man sollte sehr gute Gründe haben. Kaum ein Arbeitgeber wird in solchen Fällen ein besseres Angebot machen, schließlich ist das keine gute Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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