(Neue) Arbeitswelt

Ich arbeite, also bin ich?!

Quelle: Finy/pixabay.com
Geschrieben von Anna

Warum wir auch mal abschalten sollten

In Sachen Selbstbeobachtung und -deutung bin ich an vorderster Front dabei. Der ein oder andere mag unterstellen: „typisch Frau oder typisch Psychologiestudent“, aber darauf möchte ich nicht hinaus. Mir ist in der letzten Zeit etwas an mir aufgefallen, was mir nicht gefällt: Ich spreche über meine Arbeit und den Berufsalltag. Oft. Mit Jedem. Egal zu welchem Anlass man sich trifft, am Ende geht es grob um dieses Thema. Doch es geht nicht nur mir so. Die meisten meiner Gegenüber steigen sofort ein. Schnell sind ein, zwei Stunden rum, man schneidet thematisch alles mal an, oberflächlich, so richtig in die Tiefe geht es meist nur, wenn es sich um den Joballtag dreht. Als würde man sich nur darüber definieren können. Ich arbeite, also bin ich?

Zeit – kostbar und oft verschwendet

Einen Job zu haben ist wichtig, keine Frage. Schließlich zahlen sich Wohnung, Essen und die Kleinigkeiten, die sich jeder für sich gönnt, nicht von allein. Zu Studiumszeiten dachte ich immer, ein Job stellt später mal eine massive Einschränkung der eigenen Zeit, sogar Lebensqualität, dar. Mal hochgerechnet, abzüglich Schlaf, verbringt ein Vollbeschäftigter hier auch die meiste Zeit in der Woche. Mein Wunsch war früher immer, in der freien Zeit etwas für mich tun zu können, unabhängig von den Menschen und Aufgaben meines Jobs. Irgendwie kontraproduktiv, wenn man auch dann das Thema mit sich rumträgt bzw. mit anderen teilt?!

Über berufliche Themen zu sprechen, ist zu meiner Komfortzone geworden. Irgendwas gibt es immer, was ich oder mein Gegenüber gelernt haben oder was (mit) einem Kollegen „passiert“ ist. Ein neues Tool, welches entdeckt und ausprobiert wurde, eine zwischenmenschliche Begebenheit, die einem wiederfahren ist oder schlicht und einfach eine Situation, die ärgerlich war. Ist das immer so berichtenswert? Nein. Ist das alles, was in meinem Leben geschieht? Um Himmelswillen, nein! Was ist mit den Filmen, die ich gesehen habe, mit den Städten, die ich besucht oder interessanten Artikeln, die ich gelesen habe? Wären das und noch mehr nicht viel spannendere Themen, die es zu bereden gibt? Irgendwie schon. Eines haben alle gemeinsam: eine eigene Meinung. Und mehr noch benötigen alle eines: Zeit. Zeit, die man sich dafür nehmen muss und Zeit zu reflektieren. Zeit, die wir oft nicht bereit sind wahrzunehmen.

Beruf als Definition

Lernt man neue Menschen kennen, kommt die Frage nach dem Job meist relativ am Anfang. Die Berufswahl sagt viel über einen Menschen aus, bietet sie uns doch die Möglichkeit, schnell und einfach etwas (hinein) zu interpretieren. Sag mir, womit du dein Geld verdienst und ich sage dir, wer du bist – schnell erhalten wir einen Einblick darin, wie kommunikativ jemand ist bzw. sein muss, in welche Richtung seine Interessen gehen und wie viel Zeit er mit Arbeit verbringt. Mich selbst beispielsweise nervt das Klischee des taffen Marketing-Hipsters, Entschuldigung Yuccies, einfach nur und ich identifiziere mich in keinster Weise mit diesem. Ich glaube zu wissen, dass mich mehr ausmacht, als einer, wie gern angenommen, rein kreativen Tätigkeit nachzugehen, die nicht viel Wissen erfordert.

Natürlich steht das „Überleben“ im Fokus, aber jeder kann wählen, für wen und als was er arbeiten will. Beruf gleich Berufung ist das Ideal. Unser Job ist Teil der Selbstverwirklichung. Klingt gut, nicht wahr? Hier sehen wir, dass wir etwas leisten (sei es nur am Monatsende das erarbeitete Gehalt). Glaubt man Medien, Coaches und Psychologen, in Zeiten von Überstunden und Burn-out, wohl eher nicht. Wer sich mehr oder zu sehr mit seinem Job identifiziert, tut sich schwerer, auch mal loszulassen. Klingt einleuchtend, wenn man an das Selbst und Selbstverwirklichung denkt. Stützt sich das eigene Dasein zu sehr auf Erfolg im Job, setzt man sich schnell unter Druck. Den eigenen Erwartungen gerecht zu werden, ist dann schwierig – zumal man ja nicht nur im Job funktionieren muss. Kreisen die eigenen Gedanken oft um dieses eine Thema, fällt das Abschalten schwer. Nur zu verständlich, dass man sich dann auch mal darüber austauschen muss.

Abschalten – ein Plädoyer

Aus meiner Sicht, definiere ich mich nicht nur über meinen Job. Es ist eine Tätigkeit, die mir Spaß macht, aber sicher nur ein kleiner Teil, der Einfluss auf meine Persönlichkeit nimmt. Offensichtlich müssen meine Umwelt und ich lernen, auch mal abzuschalten. Die Gedanken in andere Bahnen lenken, die sicher auch ein wenig positiver stimmen. Ein Mangel an Hobbies kann ein Grund sein, dass die Gedanken nur um den Beruf kreisen, muss es aber nicht. Manchmal ist man so eingespannt, dass es einfach schwer fällt, an etwas anderes zu denken. Mit ein paar Tricks kann man die eigenen Gedanken jedoch beeinflussen – und da kommt er nun doch durch, der ehemalige Psychologiestudent. 😉

  1. Abschalten erlaubt
    Manchmal hilft es schon, sich daran zu erinnern, dass Feierabend oder Wochenende ist und man diese Zeit gern nutzen darf, auch mal an was anderes zu denken.
  2. Gedankenstopp
    Es klingt im ersten Moment etwas lächerlich, aber es hilft. Laut Stopp sagen, wenn die Gendanken beginnen zu kreisen. Schon mal probiert?
  3. Gedanken aufschreiben
    Sobald man die eigenen Gedanken in Worte fasst, werden sie klarer. Das Aufschreiben hilft dabei und ist eine Art Prozess, Negatives aus dem Kopf „herauszubekommen“.
  4. Ist es sinnvoll zu grübeln?
    Sofern ein Thema so präsent ist, dass man es nicht einfach „bei Seite legen kann“, sollte man natürlich versuchen, eine Lösung dafür zu finden. Auch hier kann Aufschreiben hilfreich sein: Wer kann helfen? Was ist zu tun? Je konkreter, desto besser. Mit einem Lösungsweg vor Augen sollte es dann auch einfach sein, an etwas anderes zu denken.
  5. Bewegen
    Sei es durch ein Hobby oder schlicht und einfach ein bisschen Bewegung zur Lieblingsmusik – Bewegung hilft dabei, auf positive Gedanken zu kommen. Also einfach mal probieren. 😉

Seit ich versuche, meine Gedanken ein wenig zu kontrollieren bzw. bewusst positiv einzustimmen, fühle ich mich besser und bin vor allem auch für mich selbst mehr als nur der Kollegen X im Bereich Y. Schöne, positive Gedanken erzeugen eine positive Stimmung. Strahlt man diese aus, steckt das nicht zu letzte auch die Gesprächspartner an. Und was regt mehr zum Abschalten an, als ein angenehmer Plausch über die schönen Dinge des Lebens?

Über den Autor

Anna

Anna, unsere „Frau fürs Schöne“, war bis November 2016 verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtete sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schrieb mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgte Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

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