(Neue) Arbeitswelt

Work-Life-Verquickung

Quelle: Dieter Schütz/pixelio.de
Geschrieben von Anna

Früher hatten wir Freunde, heute haben wir Kollegen

Mit welchen Menschen verbringe ich aktuell die meiste Zeit? Mit meinen Kollegen. Kann ich alle meine privaten Sorgen/Belange immer von der Arbeit trennen? Nein, ich bin ja keine Maschine. Komme ich lieber zur Arbeit, wenn ich dort Menschen treffen, mit denen ich auch über berufliches hinaus sprechen kann? Ok, ja. Muss das aber zwangsläufig heißen, dass Work-Life-Balance heutzutage zur Work-Life-Verquickung wird? Weil die Grenzen nicht mehr gezielt gesetzt werden, sondern so sehr zu verschwimmen drohen, dass es Unternehmen gezielt auf die Vermischung anlegen? Und muss ich das gut finden?! Ich möchte eigentlich auch noch Freunde haben…

Mitarbeiterzufriedenheit

In Zeiten von Fachkräftemangel (ob die Klage diesbezüglich nun angebracht oder übertrieben ist, soll hier nicht zur Debatte stehen), Mobilität und Globalität ist Mitarbeiterzufriedenheit ein wichtiger Faktor für Unternehmen. Die Welt steht Arbeitnehmern offen und die Hemmschwelle für einen Job den Wohnort zu wechseln, sinkt mit der Attraktivität des in Aussicht stehenden Arbeitgebers. Unternehmen bewerben sich beim Bewerber, heißt es nun. Und hierfür gibt es verschiedene Konzepte.

Work-Life-Balance war früher…

Work-Life-Balance hat sich zu einem Schlagwort der letzten Jahre gewandelt, nach dem alle schreien. Zufriedene Mitarbeiter arbeiten besser. Und Zufriedenheit kann nur durch ein Gleichgewicht bzw. eine Harmonie zwischen Berufs- und Privatleben entstehen. Es bedarf laut diesem Modell einer klaren Trennung zwischen Arbeit und Privatleben bzw. feste Zeiten für beides. Wer Zeit für sein eigenes Leben bekommt, ist im Beruf ausgeglichen, nicht abgelenkt und damit produktiver. Immer mehr Unternehmen sind (oder waren?!) deshalb bemüht, ihren Mitarbeitern entgegenzukommen, beispielswiese durch flexible Arbeitszeitmodelle oder auch Teilzeitarbeit.

… Teambuilding ist heute

Ein neuer Ansatzpunkt ist, die Mitarbeiterzufriedenheit durch interne „Bespaßungsmaßnahmen“ zu erhöhen. Hierzu hat sich sogar ein neuer Berufszweig gebildet –  das Feel-Good-Management. Ob nun durch einen eigens dafür eingestellten Mitarbeiter oder allein durch freizeitlich geprägte, regelmäßig stattfinde Veranstaltungen: die Mitarbeiter sollen etwas zusammen erleben, dadurch mehr zusammenhalten und letztlich für ihre Arbeit motiviert werden. Wer während der Arbeitszeit oder regelmäßig nach Feierabend Erlebnisse mit den Kollegen hat, fühlt sich wohler und ist deshalb auch eher bereit Überstunden zu leisten, heißt es. Dieser Ansatz zielt also nicht auf eine klare Trennung sondern eine Verquickung zwischen Privat- und Berufsleben ab.

Verquickung?!

Funktioniert das Konzept, den Feierabend vom Büro aus zu organisieren und nach Feierabend dafür regelmäßig noch von zu Hause aus etwas zu erledigen? Es kann. Im Zeitalter von Smartphones und Tablets, die nicht nur eine ständige Erreichbarkeit ermöglichen sondern auch, dass die verschiedensten Dinge an fast jedem Ort erledigt werden können, ist es leicht, von der Couch aus noch eine Mail zu versenden oder eine Anfrage zu bearbeiten. Mit Spaß bei der Arbeit ist man hierfür auch motivierter. Gerade jüngere Generationen sind gern aktiv und freuen sich über Aktivitäten, die man in der Gruppe (nach Feierabend) unternehmen kann – warum das nicht auch mit den Kollegen, die stehen einem nach einiger Zeit im Beruf sowieso immer näher. Das großer ABER kommt (nicht immer erst) mit der Familienplanung. Wer Kinder hat braucht eine Trennung zwischen Beruf und Privatem und vor allem feste Zeiten, um für diese zu Sorgen. Wer sich selbst ausklinkt, z.B. um bei der Familie zu sein, grenzt sich aus und Teamaktivitäten werden schnell zur Verpflichtung. Ob sich das dann positiv auf die Motivation auswirkt sei mal dahin gestellt…

Meiner Meinung nach ist schön, wenn man sich mit seinen Kollegen gut versteht. Dinge, die man sich anvertraut oder Zeit, die man mit einander verbringt, sollten dennoch begrenzt sein. Natürlich wirkt es sich positiv auf die Arbeitsergebnisse aus, wenn man gern zur Arbeit kommt, weil man sich auch ein bisschen auf die Kollegen freut und mit diesen lachen kann. Zu persönlich sollte es dennoch nicht werden, da die Grenzen zwischen privat und beruflich schnell verwischen können und persönliche Probleme nicht die Arbeitsatmosphäre beeinträchtigen sollten. Gegen ein Feierabendbier habe ich nichts einzuwenden, die Kollegen dazu möchte ich mir dann aber selbst aussuchen.

Über den Autor

Anna

Anna, unsere „Frau fürs Schöne“, war bis November 2016 verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtete sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schrieb mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgte Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

1 Kommentar

  • Beim Thema Motivation ist oft vom „Flow“ die Rede, dem Idealzustand, in dem wir voll in einer Aufgabe versinken, Zeit und Raum um uns vergessen und am liebsten gar nicht wieder auftauchen möchten…
    Dass der normale Arbeitsalltag als Angestellter ausschließlich Tätigkeiten beinhaltet, für die wir diese mitbringen, ist eher unwahrscheinlich. Trotzdem können das Arbeitsumfeld und der Führungsstil unserer Vorgesetzten, vor allem aber auch wir selbst einigen Einfluss darauf nehmen, ob wir mit Freude und Elan bei der Sache sind – und auch bleiben. Mehr dazu auch unter

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