(Neue) Arbeitswelt

Der Netzwerkeffekt

Netzwerkeffekt, Quelle: OpenClipart-Vectors/pixabay.com
Geschrieben von Niklas

Warum man grade mit Software steinreich werden kann

Kaum eine Branche besitzt so viele Monopole wie die IKT-Branche. Doch woran liegt das eigentlich? Die Antwort lautet „Netzwerkeffekt“. Was darunter zu verstehen ist, wisst ihr spätestens am Ende dieses Beitrags.

Der Kunde gibt dem Produkt seinen Wert

Der Netzwerkeffekt bezeichnet, dass ein Produkt an Wert gewinnt, je mehr Nutzer es hat bzw. je weniger Alternativen es dazu gibt. Er lässt sich sowohl bei Unternehmen, als auch ganzen Technologien beobachten. Das Telefon zum Beispiel ist ein simples Beispiel. Wer kauft sich ein Telefon, wenn niemand anderes eins hat? Kaum jemand, schließlich kann er damit niemanden anrufen. Es hat ja keiner ein Telefon. Je mehr Menschen sich nun aber doch eines kaufen, desto mehr Nutzen hat das Produkt. Schließlich wächst die Zahl möglicher Verbindungen mit jedem neuen Telefon überproportional an. Also kaufen sich noch mehr Menschen ein Telefon und nutzen es. Der Wert steigt weiter. Die E-Mail ist ein anderes Beispiel. Auch Facebook, Whatsapp, Microsoft oder ebay sind genau durch diesen Effekt so groß geworden, wie sie es sind.  Myspace hingegen wurde derselbe Effekt zum Verhängnis, weil niemand verschiedene Netzwerke nutzen möchte, um alle Freunde beisammen zu haben.

Standards setzen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Netzwerkeffekte entstehen können. Nehmen wir zum Beispiel Microsoft. Bill Gates hat es geschafft, mit Windows einen Standard zu setzen. Für Software bietet es sich schließlich an, dass jede dasselbe Betriebssystem nutzt, da ansonsten auf jedem Rechner mehrere Betriebssysteme installiert sein müssten. Die meisten Menschen nutzen heute Windows, weshalb vor allem für dieses System neue Software entwickelt wird. Und davon profitiert wiederum Microsoft mit Windows. Gut zu beobachten war der Kampf um den Netzwerkeffekt auch in der Beanspruchung um die Nachfolge der DVD. Die Bluray Disc setzte sich schließlich 2008 gegen die HD DVD durch. Nachdem Time Warner bekannt gab, nur noch auf Bluray zu setzen, folgten viele weitere Rückschläge innerhalb kurzer Zeit, so dass mit Toshiba der wichtigste HD-DVD-Entwickler wenig später ausstieg und der Kampf entschieden war.

Kundengruppen voneinander profitieren lassen

Eine andere Ursache verdeutlicht Ebay. Ebay betreibt eine mehrseitige Plattform, auf der sich mehrere Kundengruppen auf einem Marktplatz treffen – Käufer und Verkäufer. Nun sucht sich jeder Käufer naturgemäß den Marktplatz aus, auf dem das Angebot am größten und die Preise durch den Wettbewerb (vermeintlich) am niedrigsten sind. Jeder Verkäufer will dagegen möglichst viele potentielle Kunden. Für beide Seiten ist das letztendlich Ebay geworden. Meist wird bloß von einer Seite eine Gebühr verlangt. Bei Ebay sind das die Verkäufer, bei Facebook die Werbekunden. Google besitzt sogar drei Kundengruppen: Websurfer, Webseitenbetreiber und Werbetreibende. Die ersten beiden Gruppen dürfen den Dienst kostenlos nutzen, die Werbetreibenden müssen bezahlen.

Auch indirekt profitieren

Doch auch der indirekte Netzwerkeffekt hat einen Einfluss. So gibt es bei Facebook neben den Nutzern und den Werbetreibenden noch die Entwickler von Spielen wie Farmville oder Webseitenbetreiber, die die Facebook-Registrierung nutzen. Obwohl sie nicht direkt Teil der Kernplattform sind, entwickeln sie immer mehr, je mehr Nutzer die Plattform hat. Auch dadurch steigt der Nutzen für die Kunden wiederum, wodurch sich noch mehr neue Nutzer anmelden.

Wie gewonnen, so zerronnen

Allerdings gibt es auch eine Schattenseite, denn der Netzwerkeffekt kann genauso zu einem Fluch werden. So kann es für eine Plattform auch in die andere Richtung gehen, wenn ein anderer Anbieter das eigene Angebot qualitativ überholt. So beschleunigt sich der Niedergang, je mehr Mitglieder ein Angebot verlassen. Allerdings können durch den Netzwerkeffekt qualitative Nachteile auch ausgeglichen werden. Je größer der bisher erzielte Netzwerkeffekt ausfällt, desto größer auch der Ausgleich. So gibt es ggü. Facebook viel Kritik wegen dem Datenschutz. Doch andere kleine und unter Umständen neue Anbieter, die soziale Netzwerke mit besserem Datenschutz anbieten, haben dennoch kaum eine Chance.

Was Pinguine damit zu tun haben

Ein Bereich, der ganz entscheidend diesem Effekt unterliegt, ist neben sozialen Netzwerken und virtuellen Marktplätzen der Bereich Multiplayer-Spiele. Denn wie schon im Namen deutlich geschrieben steht, stehen und fallen diese mit der Zahl der Spieler. Deshalb ist es wichtig, eine gewisse Mindestmenge an Nutzern für das eigene Produkt zu begeistern. Hier lässt sich auch der sogenannte Pinguin-Effekt besonders gut verdeutlichen. Angelehnt ist er an Pinguinen, die auf Eisschollen stehen und sich wegen der Angst vor Fressfeinden nicht ins Wasser trauen. Erst wenn einer sich trotz des höheren Risikos überwindet und als Erster ins Wasser springt folgen die anderen. Übertragen beschreibt der Effekt, dass die ersten Nutzer einer neuen Sache (hier eines neuen Spiels) besonders wenig Nutzen daraus ziehen, solange es nicht mehr Nutzer gibt. Erst wenn die ersten Nutzer sich dennoch dazu entschließen, einen Dienst in Anspruch zu nehmen folgen die Anderen und der Nutzen steigt für alle. Trauen sich aber nicht genügend Personen, kann ein Angebot scheitern. Steht nun in den ersten Kritiken zu einem Multiplayer-Spiel, dass es kaum andere Spieler auf den Servern gibt, mit denen man spielen könnte, kaufen sich besonders wenig Menschen dieses Spiel. Es gilt also, grade am Anfang eine sogenannte kritische Masse an Nutzern zu erreichen, ab der der Netzwerkeffekt einsetzt. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Gutes Monopol, schlechtes Monopol

Im Netzwerkeffekt liegt auch der Grund für so einige Wettbewerbsverbote. So kritisierten die EU-Wächter bereits Microsoft wegen seines Internet Explorers. Schließlich sind Monopole grundsätzlich nicht gewollt. Allerdings gibt es auch Nutzen in manchen Monopolen. Für den Nutzer ist es schließlich viel einfacher, wenn er alle Kontakte in einem Netzwerk bündeln oder technische Standart-Infrastruktur nutzen kann. Hier müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, um nicht die Entstehung, sondern die Ausnutzung eines Monopols zu verhindern. Das ist auch wegen dem sogenannten Lock-In-Effekt wichtig. Dieser bezeichnet die Tatsache, dass der Wechsel mancher Angebote mit hohen Kosten einhergeht, wodurch der Netzwerkeffekt gestärkt wird.

„Es sind die Wechselkosten, die den Kunden die Geduld gaben bei Windows zu bleiben trotz all unseren Fehlern, unseren fehlerhaften Treibern, unseren hohen Gesamtbetriebskosten, unserem Mangel an einer sexy Vision hin und wieder und vielen anderen Schwierigkeiten … Kunden probieren ständig andere Desktopplattformen, aber es würde so viel Arbeit machen, zu wechseln, dass sie hoffen, dass wir einfach Windows verbessern anstatt sie zu zwingen zu wechseln.“ Aaron Contorer, ehemaliger Microsoft Manager für C++-Entwicklung

Es liegt also in der Natur der Sache, dass sowohl im Hardware- als auch im Software-Bereich so viele Monopole entstehen. Deswegen bietet diese Branche ein so hohes Potential reich zu werden, doch nur wenn man es schafft, den Netzwerkeffekt für sich nutzen zu können. Andernfalls geht es ganz schnell in die andere Richtung.

Über den Autor

Niklas

Niklas ist unser Neuer im Team. Er studiert Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing und wird uns im Rahmen seines Pflichtpraktikums für 3 Monate vor allem im Bereich Personalmarketing unterstützen. Zum Glück bringt er ein technisches Verständnis mit, damit wir künftig auch die Rubrik IT & Technik mit interessanten Artikeln füllen können... ;)

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