(Neue) Arbeitswelt

Die Arbeitswelt im Wandel der Zeit

Arbeitswelt
Geschrieben von Sarah

Möchte ich mich für eine neue Arbeitsstelle entscheiden, stehe ich vor der Qual der Wahl. Die verschiedenen Arbeitskonzepte sind schier ungreifbar. Von klassischen Arbeitsplätzen bis hin zu hochmodernen Arbeitsplätzen wie bei Google und Facebook ist alles zu finden. Heutzutage ist die Arbeit nicht einfach nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, sondern dient vielmehr der Selbstverwirklichung. Viele Menschen definieren sich heutzutage über ihre Arbeit. Allerdings war das nicht immer so. Unsere Arbeitswelt hat in relativ kurzer Zeit einen erstaunlichen Wandel erlebt. Dabei ist die Entwicklung des Arbeitsmarktes eng mit verschiedenen Menschenbildern verknüpft, die Unternehmen zu den Zeiten von ihren Mitarbeitern hatten.

Economic Man

Anfang des 20. Jahrhunderts begann das Zeitalter der Massenproduktion. Der Mensch musste nun nicht mehr alle Arbeiten alleine ausführen, sondern konnte in großen Teilen von Maschinenarbeit unterstützt werden, wodurch Arbeit schneller und effektiver ausgeführt werden konnte. Gleichzeitig stellte sich die Frage, wie die Arbeit des Menschen optimiert werden könne, um die Produktivität weiter zu steigern. Der Mensch wurde als Economic Man, ökonomischer Mensch, angesehen. Er sei grundsätzlich verantwortungsscheu und nur durch monetäre Reize, wie Bezahlung, motivierbar. Um die Produktivität zu erhöhen, sollte der Mensch so gut wie möglich an den Betrieb angepasst werden. Dazu führte Winston Taylor 1911 Zeit- und Bewegungsstudien in handwerklichen Massenbetrieben durch. Er maß die Zeit für einzelne Tätigkeiten, um zu schauen, auf welche Art und Weise sich die schnellste Tätigkeit ausführen ließe. Daraufhin wurde jede Arbeitsaufgabe in einzelne Elemente gegliedert, wobei jeder Einzelne nur für einen kleinen Teil der Gesamtaufgabe zuständig war. Nutzlose und zeitraubende Tätigkeiten wurden komplett weggelassen. Zudem trennte er den Arbeitsprozess strikt in Kopf- und Handarbeit: Nur das Management war für die Planung und Überwachung der Arbeit zuständig. Der Arbeiter war nur der ausführende Teil. Henry Ford entwickelte dieses Modell 1922 weiter, indem er die ersten Fließbandarbeiten einführte. Eine allgemeine Taktung der Arbeit sollte Überwachung überflüssig machen und Kosten reduzieren. Die Folge war, dass die Produktivität deutlich stieg und Produkte billiger hergestellt werden konnte.
Gleichzeitig stiegen die Löhne, um die große Unzufriedenheit und Fluktuation der Arbeiter zu kompensieren.

Social Man

In den 1930er Jahren rückte vermehrt das Bild des sozialen Menschen (Social Man) in den Fokus, ausgelöst durch die Hawthorne Studien. In den Studien wurde der Einfluss unterschiedlicher Umweltbedingungen auf die Arbeitsleistung geprüft. Dabei wurde unter anderem die Beleuchtung oder die Arbeitszeit variiert. Überraschenderweise führte jegliche Veränderung zu einer Verbesserung der Arbeitsleistung, auch wenn die Veränderung wieder rückgängig gemacht wurde. Die Verbesserungen ließen sich nur dadurch erklären, dass das Arbeitsverhalten der Arbeiter durch andere Personen beeinflusst wurde. Demzufolge können Beziehungen und Kommunikation die Produktivität beeinflussen. Aufgrund dieser Studien entstand in den 1940er Jahren die Human-Bewegung. In ihr wurde die soziale Motivation der Menschen in den Vordergrund gestellt und angenommen, dass das Arbeitsverhalten des Menschen hauptsächlich von den Normen seiner Arbeitsgruppe bestimmt wird. Als Folge dieser Bewegung wurde Teamarbeit stärker gefördert und Arbeitszufriedenheit größere Bedeutung beigemessen, um die Produktivität zu steigern. Außerdem wurden Fließbandarbeiten in vielen Fabriken halbkreisförmig angeordnet, damit die Arbeiter miteinander sprechen konnten.

 

Self-actualizing Man

In den 1950er Jahren stieg die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, was zu hohen Fluktuationen, Streiks und Fehlzeiten führte. Das Menschenbild des Self-actualizing Man war nun, dass der Mensch selbstbestimmt ist und nach Selbstverwirklichung strebt durch eigenverantwortliche, situationsangepasste Tätigkeiten, um seine Fähigkeiten optimal nutzen zu können. Zum ersten Mal wurde angenommen, dass Menschen nicht nur extrinsisch, also durch Belohnungen in Form von Geld, sondern auch intrinsisch zu motivieren sind, dadurch, dass sie ihre Arbeit als sinnvoll erleben und das Gefühl haben, einen nützlichen Beitrag zu leisten. Der Human-Resources Ansatz, der sich in den 1970er Jahren entwickelte, nimmt an, dass Menschen wichtige Ressourcen des Unternehmens sind und daher gefördert werden sollten. Sie sollten mehr Verantwortung übernehmen können und die Möglichkeit haben, sich kreativ und innovativ in das Unternehmen einbringen zu können.

Complex Man

Die Menschenbilder zuvor haben die betriebliche Umwelt sehr vereinfacht dargestellt. Die Wirklichkeit ist jedoch viel komplexer. Das Bild des vielschichtigen Menschen oder Complex Man besagt, dass sich Menschen hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, Motive, Werte und Ziele unterscheiden. Außerdem können sich die Bedürfnisse des Einzelnen durch Erfahrungen und unterschiedliche Entwicklungen im Arbeitsleben verändern. Demzufolge gibt es keine allgemeingültige Managementstrategie, sondern die Menschen reagieren auf unterschiedliche Art und Weise auf dieselbe Strategie. Es gibt also kein Patentrezept dafür, wie Menschen geführt werden sollten. Heute schlagen sich diese unterschiedlichen und flexiblen Modelle in vollkommen verschiedenen Arbeitskonzepten nieder. Das klassische Modell einer lebenslangen Beschäftigung wurde aufgegeben und es kam zu verschiedenen Erwerbsbeschäftigungen wie Kurzarbeit, Teilzeitarbeit oder Leiharbeit.

Diese komplexe Umwelt steht für unser heutiges Menschenbild. Es bleibt spannend zu beobachten, wie es sich im Laufe der Jahre weiterentwickeln und unsere Arbeitswelt verändern wird.

Über den Autor

Sarah

Studiert Psychologie im Master (Schwerpunkt: Arbeit, Bildung und Gesellschaft) an der Friedrich-Schiller Universität Jena und absolviert gerade ein Praktikum in der TowerConsult GmbH im Recruiting/ Marketing

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