Körper, Geist & Job

Unzufrieden im Job? – Deine Entscheidung!

unzufrieden, Entscheidung, Quelle: unsplash/pixabay.com
Geschrieben von Ulrike

Mal ehrlich, wer von uns ist in seinem Job tatsächlich zufrieden? Und wie viele unserer Freunde und Bekannten sind es? Aktuelle Karriereblogs und -coaches raten uns wahlweise zu Aktionismus (Jobhopping, Sabbatical, eigene Firma gründen) oder zu Achtsamkeit (Yoga, Zu-Haus-Handy-Aus, Soulfood). Keinen Soforthilfe-Tipp dagegen, dafür aber einen erfrischenden Denkansatz bietet der deutsche „Management-Guru“ Reinhard K. Spengler in seinem Buch „Die Entscheidung liegt bei dir“. Darin benennt er unter anderem zwei Un(!)zufriedenheitsfaktoren, die überraschen dürften: Belohnungen und die Work-Life Balance. Und er leitet ab, die eigene Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit sei vor allem eins: Entscheidungssache!

Unzufriedenheit durch Belohnung

Was ist der Grund, aus dem wir Tag für Tag zur Arbeit gehen? Für einen Großteil der Bevölkerung lautet die schlichte Antwort: um Geld zu verdienen. Doch gerade die Be- und Entlohnung von Arbeit sieht Sprengler in Bezug auf die Arbeitszufriedenheit kritisch. Gehaltserhöhungen, Boni, ein Lob vom Chef oder zusätzlicher Urlaub erhöhen zwar kurzzeitig die Motivation, erzeugen aber auch eine Erwartungshaltung: Für dieselbe Leistung soll zukünftig auch wieder dieselbe Belohnung erfolgen – und um weiterhin zu motivieren, muss die „Dosis“ ständig erhöht werden.

Studien zeigen, dass Belohnung auch Folgen für die Freude an der eigentlichen Aufgabe hat. In einem Experiment durften Kinder mit Filzstiften malen. Einige Kinder wurden anschließend für das Malen belohnt, die anderen nicht. Als allen Kindern einige Wochen später die Filzstifte erneut angeboten wurden, hatten die Kinder, die fürs Malen belohnt worden waren, nachweislich weniger Lust, sich nochmals damit zu beschäftigen.

Die Tätigkeit selbst wird durch Belohnung als weniger sinnstiftend und befriedigend erlebt, während in den Fokus rückt, was „danach“ kommt: der Feierabend, das Wochenende, das Gehalt am Monatsende und schließlich, endlich (!) die Rente.

Unzufriedenheit durch Work-Life-Balance

Eine weitere Gefährdung der Arbeitszufriedenheit sieht Sprengler in der sogenannten Work-Life-Balance. Dieses Konzept suggeriert, dass Arbeit und Leben in zwei verschiedenen „Waagschalen“ gehören und ein ähnliches Gewicht haben sollten. Mit anderen Worten: „Du kannst und solltest alles haben“. Diese Idee, in der viele ein Heil- und Präventionsmittel gegen Burnout sehen, ist nach Sprengler vielmehr dessen Ursache.

Burnout definiert er nicht als zu hohe Arbeitsbelastung, sondern als die Erschöpfung, die resultiert, wenn man sich nicht konsequent entscheidet. Wer auf ein reiches Privatleben und einen erfüllten Job besteht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er ausbrennt. Seine Schlussfolgerung lautet: „Stress ist der Orden der Unentschiedenen“. Der gefährliche Stress entsteht durch die äußerliche Anpassung an die Anforderungen des Alltags, während man in Wirklichkeit noch etwas anderes will (wenn man beispielsweise Überstunden zustimmt, obwohl man eigentlich nach Hause zur Familie möchte oder umgekehrt, Zeit zu Hause verbringt, obwohl man lieber noch am Projekt weiterfeilen würde).

Zufriedenheit durch bewusste Entscheidungen

Zufriedenheit ist ein spannungsfreier Zustand, in dem man sich mit sich selbst und seiner Umwelt im Frieden befindet und nichts begehrt, was man nicht hat. Erreichen lässt sich dieser Zustand nur durch die ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und Motiven und durch die Konsequenz, nach diesen auch zu leben.

Letztlich tun Menschen immer genau das, was sie tun wollen. Sie bleiben in einem Job ohne Herausforderungen, weil ihnen das gesicherte Einkommen wichtiger ist. Sie treten die verlockende Weltreise nicht an, da ihnen der Preis, dafür festen Job und Wohnsitz aufzugeben, zu hoch ist. Sie machen keine steile Karriere in Politik oder Wissenschaft, weil sie lieber mehr Zeit mit der Familie verbringen.

Wie sich der Einzelne auch entscheidet – Die wichtigste Einsicht für mehr Zufriedenheit im Job (und im Leben) ist nach Sprengler, dass eben nicht „alles“ möglich ist. Dass man sich die eigene Wahl, die in jedem Handeln oder Nicht-Handeln steckt, ganz bewusst vor Augen führt. Dass man zu seiner Wahl steht und auch akzeptiert, was damit gleichzeitig abgewählt wird. Und sollte sich eine Entscheidung (irgendwann) als falsch herausstellen, so bleibt das bewusste Um- oder Neuentscheiden immer eine Option. 😉

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Über den Autor

Ulrike

Ulrike „wagte“ Anfang 2015 nach dem Studium den Schritt ins Berufsleben zu uns und unterstützt uns seitdem als studierte Psychologin im Recruiting. Sie steht nun auf der anderen Seite im Bewerbungsprozess und berichtet über den Perspektivenwechsel, ihre Erfahrungen und andere interessante Themen - natürlich nicht, ohne uns ab und zu einen kleinen Einblick in die Psyche des Menschen zu gewähren.

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