Bewerbung & Interview

Die Lösung von Case Studies im Bewerbungsgespräch

Case Studies Lösungen, Quelle: Willi Heidelbach/pixelio.de
Geschrieben von Niklas

Mein letzter Artikel handelte von Case Studies. Mit diesen möchten Unternehmen herausfinden, wie Bewerber auf schwierige Aufgaben reagieren und deren Lösung angehen. Die genannten Beispiele waren zugegeben nicht ganz leicht, doch für alle, die nicht selbst auf die Lösung gekommen sind, erkläre ich hier das Vorgehen.

Der Brainteaser

Welches Land fehlt? – a) Japan b) Mali c) Israel d) Kroatien e) ???

Die erste Assoziation, die sich mit Ländern aufdrängt, ist Geographie mit all den Kennzahlen aus dem Schulunterricht. Als nächstes vielleicht Großereignisse wie die letzte Fußballweltmeisterschaft oder Olympia. Tatsächlich geht es hier aber gar nicht um die Länder selbst, sondern um die Namen.

Japan hat 5 Buchstaben, Mali 4, Israel 6, Kroatien 8 und das letzte… muss 7 Buchstaben haben. Tatsächlich ist jedes Land mit 7 Buchstaben richtig, so wie Nigeria oder die Ukraine zum Beispiel. Dann ist die Reihe vervollständigt. Allerdings ist das nicht die einzige Lösung. All die Länder haben auch mindesten ein „a“ im Namen. Deutschland könnte also ebenfalls richtig sein. Bei den Case Studies gilt schließlich immer, auf die Begründung kommt es an. Stimmt die, sollte auch der Personaler glücklich sein. Eine Lösung, auf die selbst er noch nicht gekommen ist richtig begründet, sollte sogar einen Extrapunkt einbringen. In diesem Fall wäre die erste Lösung aber sicher eleganter.

Der Abschätzung-Case

Wie viel Umsatz machen die Hersteller von Tierfutter in Deutschland?

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand die Frage auf Anhieb beantworten kann. Im Grunde würde demjenigen das auch gar nichts nützen, da er wahrscheinlich eine andere Aufgabe gestellt bekommen würde. Wir wissen ja, es geht um den Lösungsweg, wie früher in der Mathearbeit.

Im ersten Schritt kann der Bewerber zeigen, dass er das Problem konkretisieren kann. Er unterteilt die tierischen Verbraucher in Haustiere und Nutztiere. Der erste Schritt ist damit gemeistert und der Interviewer grenzt die Frage zur Vereinfachung auf Haustiere ab. Auch hier erfolgt dann wieder die Unterteilung der Verbraucher: Hunde, Katzen, Fische, Vögel und Sonstige. Der Personaler ist gnädig und schränkt wieder ein, auf Hunde und Katzen.

Nun folgt der zweite Schritt, es wird die benötigte Formel aufgestellt. Anzahl der Tiere einer Verbrauchsgruppe * Verbrauchte Einheiten/Jahr * Preis/Einheit. Um auf die Zahl der Tiere zu kommen, müssen logische Überlegungen angestellt werden.

Die Zahl der Haushalte liegt in Deutschland bei etwa 40 Millionen, in jedem fünften gibt es mind. eine Katze. Diese werden des Öfteren auch zusammen gehalten. Rechnen wir mit im Durchschnitt 1,5 Tieren je Haushalt mit Katze kommen wir auf 12 Millionen Katzen. Hunde gibt es in weniger Haushalten und sie werden eher alleine gehalten, schätzen wir also 8 Millionen. Rechnen wir mit 0,50 €/Tag für Hunde- und 0,35 €/Tag für Katzenfutter (schließlich fressen nicht alle Tiere nur spezielle Tiernahrung), kommen wir bei 365 Tagen auf: 1,46 Mrd. € (Hunde) + 1,533 Mrd. € (Katzen) = 2,993 Mrd. € Gesamtumsatz. Dieser Wert ist zwar nicht ganz korrekt, ist aber realistisch und begründet geschätzt. Die Aufgabe ist bestanden.

Der Business Case

Das Unternehmen „Streams for Kids“ bietet einen Streaming-Dienst an, der Kindern (bzw. deren Eltern) Filme und Serien kostenlos, aber durch regelmäßige Werbeblöcke unterbrochen, anbietet. Da die Werbung nicht sehr rentabel ist, möchte das Unternehmen ein kostenpflichtiges Angebot einführen. Wie könnte dies ganz konkret aussehen? Welcher Preis ist für das Unternehmen optimal?

Zunächst einmal gilt es, das Angebot des Anbieters genauer zu analysieren. Bisher gibt es ein einziges Angebot für alle Nutzer, weder im Preis noch im Leistungsumfang wird differenziert. Möchte man nun ein kostenpflichtiges Angebot einführen ist es wahrscheinlich, dass es verschiedene Kundengruppen mit unterschiedlichen Preisvorstellungen und Präferenzen gibt. Es empfiehlt sich folglich Angebotsvarianten zu erstellen, die sich in Preis und Umfang unterscheiden.

Ist dieser erste Schritt getan, muss eine geeignete Methode gefunden werden, um die unterschiedlichen Kundentypen zu identifizieren. Hierzu werden die verschiedenen Möglichkeiten vom Bewerber aufgezählt, etwa Daten aus der Vergangenheit, Expertenmeinungen, Befragungen und Markttests. Da es sich hier um ein neues Angebot handelt beschränkt der Interviewer das Vorgehen auf die Befragungen und Tests. Abschließend zählt der Bewerber noch auf, was für Differenzierungsmöglichkeiten es für das Angebot gibt, z. B. exklusive Inhalte oder die Möglichkeit, Inhalte zu speichern.

Damit ist der erste Teil abgeschlossen und der Personaler gibt ein Angebotsmodell vor, das die Markttests ergeben haben. Zu diesem soll der Bewerber zunächst seine Meinung erörtern und ebenso die Vor- und Nachteile des neuen Modells. Was fällt auf und was war der Grund für die Entscheidungen? Dabei kann der Bewerber sein volles Wissen präsentieren, dass er sich im Studium angeeignet hat.

Zum Schluss fehlt noch die letzte Frage, welcher ist der optimale Preis? Dazu gibt der Interviewer vor, dass es keine Konkurrenz und nur einen Preis gibt. Er möchte wissen, welche Informationen von ihm benötigt werden, damit der Bewerber den Preis ausrechnen kann. Dieser möchte gerne die Marktnachfrage und die Kostenstruktur erfahren. Abschließend folgt die Berechnung und eventuell einige weitere Nachfragen des Interviewers. Damit ist die Aufgabe erfolgreich überstanden.

Wie man sieht wirken die Aufgaben oft schwieriger, als sie sind. Außerdem gibt es durchaus meist die Möglichkeit, weitere Informationen zu erhalten. Es geht einfach nur darum, die benötigten Informationen zu identifizieren, strukturiert vorzugehen und ein gewisses Verständnis für die Aufgabenstellung zu zeigen. Gelingt das, ist auch der Personalverantwortliche überzeugt.

Über den Autor

Niklas

Niklas ist unser Neuer im Team. Er studiert Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing und wird uns im Rahmen seines Pflichtpraktikums für 3 Monate vor allem im Bereich Personalmarketing unterstützen. Zum Glück bringt er ein technisches Verständnis mit, damit wir künftig auch die Rubrik IT & Technik mit interessanten Artikeln füllen können... ;)

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