(Neue) Arbeitswelt

Wer war eigentlich Pareto?

Pareto; Quelle: ElisaRiva/pixabay.com
Geschrieben von Viktoria

Der Italiener Vilfredo Pareto (†1923) war als Ingenieur, Soziologe und Ökonom dafür bekannt, die Wahrheit stets in der messbaren Wirklichkeit zu suchen.
Mit der Untersuchung der Vermögensverteilung in Italien fand er heraus, dass sich vier Fünftel des Vermögens bei nur einem Fünftel der Familien konzentrieren. Daraus schlussfolgerte er, dass vieles in der Natur und Kultur einer bestimmten Verteilung folgt. Diese Verteilung ist der Grund dafür, dass wir uns in vielen Situationen im Alltag weniger abrackern müssten, als wir es tun.

…und woher weiß er das?

Bei weiteren Nachforschungen stellte er fest, dass nicht nur 20 % der Familien in Italien 80 % des Vermögens besitzen, sondern diese 20/80 Verteilung sich in vielen Bereichen des Lebens wiederfindet. Ein großer Teil des Ergebnisses stammt dabei zum Beispiel aus einem verhältnismäßig kleinen Teil der Zeit oder der Anstrengung. Zu seinen Ehren ist der paretosuperiore Zustand in der Ökonomie derjenige, bei dem sich einige Individuen besser stellen können, ohne ein anderes schlechter zu stellen. Das Pareto-Optimum außerdem ist die Situation, in der es nicht mehr möglich ist, die Wohlfahrt eines Individuums zu erhöhen, ohne gleichzeitig die eines anderen zu verringern.
Wie und wo auch immer wir Pareto anwenden stehen sich zwei Verhältnisse gegenüber, die beide das Ergebnis ausmachen, aber völlig unterschiedlich sind.

So verbesserst du dein Zeitmanagement   

Das Paretoprinzip ist vor allem im Alltag und in Sachen Zeitmanagement eine Hilfe. Um sich bewusst zu machen, wie man Aufgaben löst, ohne sich zu lange an Unnötigem aufzuhalten, heißt es wie so oft: Die Effizienz führt zum Erfolg, nicht der Energieeinsatz.

Dieser Ansatz lässt sich auf vieles übertragen. Mit Pareto gedacht sind es nicht die 100 % der Zeit, die man zum Lernen für eine Prüfung aufgebracht hat, die 100% des Erfolges für eben diese ausmachen. Allein 20 % dieser Zeit schlagen sich in 80 % des Ergebnisses wieder, während 80 % der Zeit letztlich nur zu 20 % zum Ergebnisses beitragen. Diese Erkenntnis kann ehrlich gesagt ein wenig demotiviert wirken, wenn man bedenkt, dass man tage- oder wochenlang auf ein Ergebnis hinarbeitet, für das am Ende nur 20 % der verbrauchten Zeit wirklich bedeutend waren. Jedoch kann man sich beim Lernen immer wieder die Frage stellen, wie sich das, was man gerade lernt, im Ergebnis niederschlägt.
Auch beim Lernen für Sprachen stellt man schnell fest, dass sich mit einigen wenigen Vokabeln oft ein Großteil der Sätze bilden lässt. Ein anderes Beispiel wäre, dass uns kleine Probleme im Alltag oft viel länger gedanklich beschäftigen, als es dauern würde, sie aus dem Weg zu schaffen.

 

Das Paretoprinzip im Alltag angewandt bedeutet also:

  1. Dich bei der Arbeit stets zu hinterfragen, wie viel Zeit dir noch bis zum Ergebnis bleibt und ob dein momentaner Aufwand eher zu den 20 % oder den 80 % dieses Ergebnisses zählen.
  2. Wenn du deine 20 % ermittelt hast, das Ganze so lange vereinfachen, bis der komplizierte Teil wegfällt und nur noch das Schaffbare und Mögliche bleibt.

Aber Achtung!

Das Paretoprinzip ist allerdings auch eine Warnung vor blindem Aktionismus. Nicht jede Aufgabe die auf der To-do-Liste steht, muss sofort erledigt werden. Harte Arbeit und wenig Schlaf belohnen dich nicht immer mit dem verdienten Ergebnis. Nach Robert Yerkes und John D. Dodson erreicht man damit sogar weniger. Deren Yerkes-Dodson-Kurve zeigt, dass mit zunehmendem Stress die Produktivität bei einer Aufgabe erst rasant steigt, an einem bestimmten Punkt aber rasant fällt. Ab diesem Punkt ist jede zusätzliche Arbeit vielleicht nicht komplett sinnlos für deinen Erkenntnisgewinn über das Ergebnis hinaus, trägt aber zu diesem nicht mehr oder nur noch gering bei.
Mit Pareto haben wir es also mit einem Mann zu tun, dessen Miniaturweltformel zwar immer in abgewandelter Form und in manchen Situationen wohl gar nicht zutrifft, dessen Varianz uns aber ab und zu um einiges Nachdenken und Arbeit; die über das Ziel hinausschießt; bringt.

Über den Autor

Viktoria

Viktoria ist seit September 2015 Praktikantin bei uns. Sie studiert im Bachelor Wirtschaftswissenschaften und Soziologie. Vicki, wie wir sie nennen dürfen, unterstützt uns im Recruiting und im Personalmarketing - und versorgt uns natürlich mit Blogartikeln, in denen sie ihre Sicht der Dinge auf Studium, Informatik und Arbeitswelt schildert.

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