Bewerbung & Interview

Wie lese ich eigentlich: Arbeitszeugnisse

Arbeitszeugnis, Quelle: RainerSturm/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Oh das leidige Thema Arbeitszeugnis. Hier habe ich mich ja schon des öfteren ausgelassen, über die Schreibe, über blöde Floskeln und über Missverständnisse, die daraus resultieren. Aber wie lese ich persönlich denn ein Arbeitszeugnis? Nun ja, ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend geschrieben sein, das wissen wir mittlerweile, aber woran erkennt man das?

Ich lese ja bekanntlich immer zuerst Lebenslauf und Anschreiben und arbeite mich dann langsam zum Anhang vor. Auch ist mir aufgefallen, dass ich bei Abiturzeugnissen häufig anhand der ersten 2 Seiten versuche zu erraten, welche Note rausgekommen ist. Oft liege ich damit auch richtig. Aber bei einem Arbeitszeugnis geht das nicht so ohne weiteres. Hier fange ich grundsätzlich mal beim Anfang an und lese erst einmal quer. Dinge über die Firma gehören rein, sind auch wichtig, darauf achte ich aber beim ersten Mal lesen nicht wirklich. Vielmehr interessiert mich der Grundtenor. Sind viele Hervorhebungen à la sehr, stets, hervorragend drin und was sagen sie aus. Bin ich mir danach nicht ganz sicher, wie das Zeugnis einzuschätzen ist, lese ich noch einmal. Dann sehr viel langsamer und genauer. Es kommt schon mal vor, dass ein Zeugnis sehr nüchtern geschrieben ist, aber zum Schluss die Bewertung schon fast überfreundlich und herausragend. Auch finde ich es besonders wichtig zu schauen, wer das Zeugnis ausgestellt hat. Ist es ein Personaler, sollte davon ausgegangen werden, dass er schon wusste, was er da schreibt und das auch so meint, wie es da steht. Ich persönlich halte nicht so viel von diesen Floskeln und Codesprache, allerdings ist sie in vielen Zeugnissen leider drin.

In jedem Fall ist für mich wichtig, wer das Zeugnis geschrieben hat, zur Not frage ich den Bewerber im Gespräch oder am Telefon nochmal genauer. Oftmals ist es ja auch so, dass Arbeitnehmer ihr Zeugnis erst einmal selbst „vor“schreiben sollen und da können ja auch eine Reihe von Fehlern oder unglücklichen Ausdrücken auftauchen. Und als nächstes finde ich auch, sollte man als Personaler immer hinterfragen, warum jetzt vielleicht ein Zeugnis keine umgerechnete 1 ist, sondern sich zwischen 2 und 3 einpendelt. Zieht sich eine solche Bewertung durch die gesamten Arbeitszeugnisse oder ist es eine Art Ausrutscher? Dann kann es ja auch sein, dass der Kandidat einfach in besagtem Unternehmen nicht so gut klar kam. Im Zweifel also für den Kandidaten. Sind allerdings alle Zeugnisse schlecht, dann liegt es vielleicht am Bewerber. Hier bleibt dann nur der Griff zum Telefon und die ehemaligen Arbeitgeber abtelefonieren und erfragen, ob der Kandidat wirklich nicht gut ist oder woher die suboptimale Bewertung kommt.

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