Bewerbung & Interview

Firmen-Kontakt-Messen

Quelle: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de
Geschrieben von Ulrike

Kon·tạkt
Substantiv [der]
1. Verbindung, Beziehung
2. Berührung

Meine Bewerbungsphase begann, wie bei den meisten frisch gebackenen Hochschulabsolventen: Hoch motiviert und voller Ungeduld, endlich ins Berufsleben zu starten, ließ ich Bewerbungsfotos machen, aktualisierte meinen Lebenslauf und feilte an individuellen Anschreiben. Die fertigen Unterlagen versendete ich in schicken Bewerbungsmappen oder tippte nochmals sämtliche Infos in mehr oder weniger praktische Online-Formulare ein. Zurück kam dann häufig – gar nichts.

Nach ein paar Wochen machte sich, wie bei vielen frisch gebackenen, hoch motivierten Hochschulabsolventen, auch bei mir die Frustration breit. Eine ziemlich einseitige Angelegenheit schien dieser ganze Bewerbungsprozess zu sein. Wenn überhaupt, war eine Eingangbestätigung meist das letzte, was ich hörte. Mich beschlich das Gefühl, am anderen Ende, hinter diesen Stellenanzeigen, stünden gar keine interessierten Unternehmen oder zumindest keine offenen Vakanzen. Haben wirklich Menschen diese Stellen ausgeschrieben, die nach neuen Mitarbeitern suchen? Werden meine Unterlagen überhaupt gelesen, oder werden sie durch das Bewerbungstool automatisch ausgesiebt bzw. in irgendeiner Postablage einfach vergessen? Tagein tagaus saß ich nun an meinem Schreibtisch und verschickte Bewerbungen, scheinbar in ein Vakuum hinein…

Eine willkommene Abwechslung aus diesem Alltag fand ich in Firmenkontaktmessen. Sowohl auf der inova in Ilmenau als auch auf der academix in Erfurt war ich positiv überrascht, dort tatsächlich echte Menschen anzutreffen, die sogar sehr menschlich, nämlich offen und hilfsbereit waren und mir viele neue Impulse gaben. Dies galt nicht nur für die anderen Besucher, sondern vor allem auch für die Aussteller.

So nahm mir gleich der erste Personaler, mit dem ich auf der inova sprach, meine Furcht vor den oft sehr spezifischen Anforderungsprofilen in Ausschreibungen. Nicht selten wird ja zusätzlich zum Hochschulstudium eine abgeschlossene Berufsausbildung gefordert, außerdem hervorragende Sprachkenntnisse und vor allem: mehrjährige Berufserfahrung. Selbst in den Aushängen der Messen, die sich ausdrücklich an Studierende und Absolventen richten! Der besagte Personaler aber erklärte mir: „Das ist wie beim Online-Dating: Als idealen Kandidat beschreiben wir alle den George Clooney. Dabei ist uns natürlich klar, dass wir den nicht kriegen werden. Man darf ja mal träumen!“

Viele der Recruiter, die ich kennen lernte, hatten sogar, wie ich, Psychologie studiert und konnten mir anhand ihrer eigenen Biografie aufzeigen, wie sie den Sprung ins Arbeitsleben gemeistert hatten. Dabei bemerkte ich, dass auch Personaler nur Menschen sind, die selbst nicht immer einen perfekten, schnurgeraden Lebenslauf vorweisen können. Einer erzählte mir, dass auch er nach dem Studium zunächst keinen Job gefunden habe, der zu seiner Qualifikation passte. Er habe daher angefangen, in einem Callcenter zu arbeiten – meine Albtraumvorstellung einer postuniversitären Karriere! In diesem Callcenter wurden jedoch bald neue Mitarbeiter gesucht, und er ergriff diese Chance und übernahm das Recruiting. Scheinbar hatte er seine Sache gut gemacht…

Neben solchen persönlichen Geschichten, die mein Vertrauen in mich und meine berufliche Zukunft wieder stärkten, waren natürlich auch die praktischen Tipps und Tricks der Aussteller sehr nützlich. Ich bekam neue Ideen und Denkanstöße, zum Beispiel in Bezug auf kleinere, eher unbekannte Jobportale oder alternative Suchbegriffe und auch auf den Jobwalls der Messen fand ich viele aktuelle Ausschreibungen, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht online zu finden waren. Außerdem gab es Fachvorträge und Diskussionsrunden zu den verschiedensten Bewerbungsthemen und einen kostenlosen Bewerbungsmappencheck.

Insgesamt war für mich aber der individuelle Kontakt zu den Unternehmensvertretern das Wichtigste, das ich mitnahm. Und zwar nicht bezogen auf konkrete Jobangebote oder zielgerichtetes Networking, sondern vor allem durch die Möglichkeit, eine persönliche Verbindung zu den Menschen in den Firmen herzustellen und von dieser Begegnung berührt zu werden.

Und wenn ich nach einem bunten, spannenden Messetag an meinen eigenen Schreibtisch zurückkehre, weiß ich, dass ich eben nicht in einem luftleeren Raum agiere, sondern es vielen Absolventen so geht wie mir, und dass da am anderen Ende doch Menschen aus Fleisch und Blut sitzen, die ich hoffentlich bald meine Kollegen nennen darf.

Über den Autor

Ulrike

Ulrike „wagte“ Anfang 2015 nach dem Studium den Schritt ins Berufsleben zu uns und unterstützt uns seitdem als studierte Psychologin im Recruiting. Sie steht nun auf der anderen Seite im Bewerbungsprozess und berichtet über den Perspektivenwechsel, ihre Erfahrungen und andere interessante Themen - natürlich nicht, ohne uns ab und zu einen kleinen Einblick in die Psyche des Menschen zu gewähren.

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