Bewerbung & Interview

Das Anschreiben vom Ghostwriter erstellen lassen?

Quelle: Sascha Hübers/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Gute Frage. Wir sind mit Empfehlungen diesbezüglich ja immer etwas zurückhaltend. Gern wollen wir heute aber Dennis Hans-Peter Lutz, Betreiber und Teamleiter von das-anschreiben.de, zu Wort kommen lassen, damit sich jeder ein eigenes Urteil bilden kann…

Das Anschreiben

Das Anschreiben ist nach wie vor ein wichtiges Element der Bewerbung. Hier spiegelt sich ein Teil Ihrer Persönlichkeit wieder. Das Anschreiben kann Dinge zur Sprache bringen, die nicht aus Ihrem Lebenslauf ersichtlich sind. Vor allem, es drückt Ihre Motivation aus!

Gerade wenn Sie frisch von der Schule, der Ausbildung oder der Uni kommen, sollten Sie eines nicht vergessen: Ihre Mitbewerber haben mitunter einen sehr ähnlichen Lebenslauf. Gleiche Fächer, vergleichbare Praktika. Somit unterscheiden sich Ihre Zeugnisse zumindest inhaltlich nicht viel voneinander. Das Anschreiben kann somit das Zünglein an der Waage sein.

Die Hürden

Aber speziell das Anschreiben bereitet dem Bewerber wohl das meiste Kopfzerbrechen: Wie soll ich anfangen? Soll ich auf das Unternehmen eingehen? Wie viel soll ich aus meinem Lebenslauf in das Anschreiben packen? Und und und.

Leider lassen sich diese Fragen nicht pauschal beantworten und daher gibt es auch kein Patentrezept. Von den Suchergebnissen und -inhalten des viel gegoogelten Begriffs „Musteranschreiben“ ist generell abzuraten. Wenn man zuvor noch nie ein Bewerbungsanschreiben verfasst hat, können diese Musteranschreiben einen groben Überblick geben, aber Ihr Anschreiben sollte auf die üblichen Floskeln verzichten. Der ziemlich antiquierte erste Satz „hiermit bewerbe ich mich…“ oder „die sehr interessante Stelle XY“ überzeugt heute keinen Personalentscheider mehr und sollte unbedingt vermieden werden. Gerade auch deshalb, weil diese Sätze mit hoher Wahrscheinlichkeit von einigen Ihrer Mitbewerber verwendet werden, sollten Sie sich hier schon von der Konkurrenz abheben. Kreativität ist gefragt. Der Leser muss zum Weiterlesen animiert werden.

Schreiben Sie nicht lapidar wie toll und erfolgreich das Unternehmen ist, sondern greifen Sie spezielle Segmente des Unternehmens auf und machen Sie deutlich, dass Sie diesen Bereich aufgrund dieser und jener persönlichen Erfolge und Eigenschaften weiter erfolgreich ausbauen werden.

Der Inhalt des Anschreibens stellt die nächste große Hürde dar. Einfach Ihren Lebenslauf herunterzuleiern ist wohl wenig überzeugend. Zumal sich Ihr Lebenslauf in der Regel nicht zu hundert Prozent mit den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle deckt. Die im Anschreiben zu erwähnenden Kenntnisse und Fertigkeiten sollten sich an den Anforderungen der Stelle orientieren. D.h. Sie sollten Ihre erlernten Fähigkeiten dahingehend auslegen, dass der Personalentscheider sofort erkennt, dass Sie auf die Stelle wie die berühmte Faust aufs Auge passen.

Sie werden festgestellt haben, dass Sie nun wissen, auf was es ankommt, aber dennoch stehen Sie da wie vorher. Sie wissen nicht, wie Sie diese Tipps konkret umsetzen sollen. Hat man erstmal stundenlang nach einem geeigneten Anschreiben gegoogelt und sich eventuell Rat bei Freunden und Familie eingeholt, wird man oft enttäuscht feststellen müssen, dass das alles nicht überzeugt.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten.
Erstens: Sie verschicken Ihr erstelltes Anschreiben, sofern Sie eines haben. Das Problem: Im schlimmsten Falle überzeugt Sie Ihr Anschreiben selbst nicht. Wie soll es dann erst jemanden überzeugen, der Sie nicht kennt?!
Zweitens: Sie lassen einen Profi, den sogenannten Ghostwriter Ihr Anschreiben erstellen.

Was ist ein Ghostwriter?

Zitat Wikipedia: Ein Ghostwriter (wörtlich: Geisterschreiber), auch Auftragsschreiber, ist ein Autor, der im Namen und Auftrag einer anderen Person schreibt. Er verfasst Reden, Präsentationen und oft auch ganze Bücher. Das Ghostwriting ist streng zu trennen vom Plagiat.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Ghostwriters für die Erstellung Ihres Anschreibens?

Die Nachteile:

Nachteil der Beauftragung eines Ghostwriters ist vordergründig der Kostenaspekt. Selbstverständlich arbeitet der Ghostwriter nicht unentgeltlich. Wie bei allem variieren auch hier die Preise stark. Vergleichsangebote einholen ist somit unverzichtbar. Von horrenden Preisen sollte aber abgesehen werden. Ein eigens verfasster Text spiegelt auch immer die Persönlichkeit des Verfassers wieder. Erstellt nun jemand anderes für Sie „Ihren“ Text, so geht logischerweise auch Ihre persönliche Note verloren. Jedoch kann ein guter Ghostwriter anhand der vorliegenden Angaben (Lebenslauf, Zeugnisse, Bemerkungen) auch ein stückweit den Schreibstil an Ihre Persönlichkeit anpassen. Jegliche Art der Dienstleistung, sei es vom Handwerker bis zur Friseurin, birgt das Risiko, dass die Leistung nicht der Zufriedenheit des Kunden entspricht. Ein guter Ghostwriter zeigt sich jedoch bereit und kulant, etwaige Beanstandungen zu korrigieren. Fragen Sie einfach nach.

Die Vorteile:

Zur Enttäuschung aller Sparfüchse überwiegen die Vorteile der Inanspruchnahme eines Ghostwriters. Vorausgesetzt natürlich. Ihr selbsterstelltes Anschreiben ist nicht optimal. Ein guter Ghostwriter kann auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen. D.h. er weiß, worauf es bei einem Bewerbungsanschreiben ankommt. Davon kann der Auftraggeber, also Sie, nur profitieren. Ein kreativer Ghostwriter weiß auch mit kreativen Einleitungssätzen die Aufmerksamkeit des Lesers zu erhöhen. Er benutzt in der Regel auch nicht die üblichen Floskeln. Kennen Sie sich perfekt mit Orthografie und Interpunktion aus? Wissen Sie, wann ein Absatz sinnvoll bzw. überflüssig ist? Rechtschreibfehler können, noch mehr als ein zu viel gesetztes Komma, schnell peinlich sein. Das sollten Sie unbedingt vermeiden. Ein guter Ghostwriter ist bestens in der deutschen Sprache versiert und ihm werden solche Fehler unterbleiben. Orientiert man sich an der DIN 5008, was Sie zumindest grob tun sollten, bietet das Anschreiben relativ wenig Platz, um den Personalentscheider von einem zu überzeugen. Ein guter Ghostwriter vermeidet Überflüssiges und konzentriert sich auf prägnante Kernaussagen. Ein weiteres Argument ist der Zeitaspekt. Mit einem Anschreiben kann man gut und gerne schon mal mehrere Stunden verbringen. Diese Zeit könnte man auch sinnvoller für die Stellensuche einsetzen. Einmal den Ghostwriter beauftragt, haben Sie lediglich auf das Anschreiben zu warten. Ist man zudem nicht ganz schreibuntalentiert, so kann man dann auch ein einmal erstelltes Anschreiben jedes Mal auf eine neue Stelle anpassen. Somit fallen dann nur die Kosten für ein einziges Anschreiben an.

Das Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, wer mit seinem Anschreiben nicht zufrieden ist, sollte den Gang zum Ghostwriter nicht scheuen. Informieren Sie sich über die Leistungen und die Preise. Vor allem: Letztlich sollte Ihr Bauchgefühl entscheiden, welchen Dienstleister Sie in Anspruch nehmen!

Über den Autor

Gastautor

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3 Kommentare

  • Meine langjährige Erfahrung als Personalberater zeigt, das sich viele Bewerber große Mühe mit dem Anschreiben machen, diese aber oftmals nicht gelesen werden. Der entscheidende Schlüssel für die Einladung zu einem Erstgespräch ist eine gute Passung des Werdegangs zur ausgeschriebenen Position und ein ansprechender und aussagefähiger Lebenslauf. Gute Personalentscheider erkennen ihre potentiellen Kandidaten anhand des CVs und nicht des Anschreibens!

    Daher mein Tipp: Investieren Sie lieber mehr Zeit in die aussagekräftige Gestaltung Ihres CVs anstelle Ihr Anschreiben zu optimieren.

    Dr. Matthias Rode, Liebich & Partner AG

    • Hallo Herr Dr. Rode,
      vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen hier mit uns teilen. Wir stimmen dem zu, dass letztlich die einzelnen Stationen eines Werdegangs mit den Anforderungen des Unternehmens übereinstimmen müssen. Branche und Position spielen bei der Entscheidungsfindung sicher auch eine Rolle. Die Wirkung eines guten Anschreibens sollte man aus unserer Sicht jedoch auch nicht unterschätzen.

  • @Hr. Dr. Rode
    Leider ist es so, wie Sie dies beschrieben. Meiner Meinung nach ist dies jedoch der falsche Ansatz.
    Ein Bewerbungsschreiben kann viel mehr über den Bewerber aussagen, als dessen CV oder Werdegang. Motivation, Wille sowie die Persönlichkeit sollten im Vordergrund stehen.
    Am Schluss sollte die gesammte Bewerbung stimmig sein.
    Ghostwriter sind meiner Meinung nach nicht für Bewerbungen geeignet, diese können das Bild des Bewerbers sehr verzerren.

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