Bewerbung & Interview

Fiese Fragen im Vorstellungsgespräch und
wie man sie meistert!

Vorstellungsgespräch; Quelle: TeroVesalainen/pixabay.com
Geschrieben von Angelika

Nahezu täglich höre ich bei einem Vorstellungsgespräch zu und freue mich immer wieder über neue, ausgefallene Ideen, die dazu dienen sollen, den Bewerber kennenzulernen und besser einschätzen zu können. Die meisten Personaler werden gezielt auf Vorstellungsgespräche vorbereitet. In den Schulungen wird vermittelt, wie man Fragen stellt, um herauszufinden, wie gut ein Kandidat zum Unternehmen passt. Personaler lernen aber auch bestimmte Techniken und Fragestellungen, um den Bewerber aus der Reserve zu locken. Durch simple Fangfragen ist es leicht realisierbar, den Bewerber zu irritieren, ihn in eine noch größere Stresssituation zu bringen und ihn sogar zu provozieren.

Generell gilt, für die Beantwortung solcher Fangfragen, ruhig bleiben, durchatmen und an die eigene Vorbereitung denken. Hier findet ihr ein paar Beispiele für mögliche Fangfragen im Vorstellungsgespräch und erhaltet zusätzlich Tipps zur Beantwortung.

(Un)mögliche Fragen und die möglichen Antworten fürs Vorstellungsgespräch:

  1. „Arbeiten Sie lieber allein oder im Team?“

Unser Hinweis: Alternativfragen deuten oft auf Glatteis hin. Das mögliche Ziel könnte sein, dass sich Bewerber vorschnell entscheiden und sich dann in Widersprüchen verstricken.

Die ideale Antwort könnte sein: „Das ist situationsabhängig. Wenn ich mir schnell viel Wissen aneignen muss, bin ich lieber ungestört, bei größeren Präsentationen arbeite ich gern mit anderen zusammen.“

  1. „Was denken Sie, welche drei positiven Charaktereigenschaften Ihnen fehlen?“

Diese Frage wird häufig gestellt, ist aber nicht problematisch, denn auf diese Frage kann man sich gut vorbereiten.

Die ideale Antwort: am besten im Vorfeld überlegen, welche Eigenschaften man hier nehmen möchte. Wichtig ist, dass man betont, dass es sich um Eigenschaften handelt, die „nur“ ausbaufähig sind und nicht völlig fehlen.

  1. „Können Sie uns 10 Schwächen von Ihnen nennen?“

Stellen Personaler diese Fragen, hoffen sie, dass der Bewerber mehr von sich preisgibt, als er eigentlich wollte. Da die Frage nach Schwächen hinlänglich bekannt ist, weiß jeder Bewerber, dass er ein oder zwei Themen anreißen kann, aber kaum einer gleich zehn Schwachpunkte.

Die ideale Antwort hier: beim ursprünglichen Plan bleiben und nur die Defizite darlegen, die im Vorfeld durchdacht wurden. Idealerweise sind das Schwächen, die sich in der aktuellen Position nicht auswirken. Die Zahl 10 kann man getrost überhören.

  1. „Welchen Stellenwert hat Geld in Ihrem Leben?“

Hier bringt es gar nichts, zu sagen, „Geld ist für mich total nebensächlich.“… Das glaubt euch keiner und entspricht auch nicht der Wahrheit. Denn wenn Geld im Leben keine Rolle spielen würde, bräuchte man auch nicht arbeiten gehen.

Besser: selbstbewusst zu sein. Sagt ruhig, dass ihr für eure gute Arbeit auch angemessen entlohnt werden wollt. Denn nicht nur das Unternehmen will den Umsatz steigern. Auch ihr habt laufende Kosten, eventuell eine Familie zu ernähren und benötigt ein Dach über dem Kopf.

 

  1. „Für diesen Job sind sie noch etwas unerfahren, oder was denken Sie?“

Diese Fangfrage ist perfekt, um euch zu beweisen und den Personaler davon zu überzeugen, dass gerade ihr der/die Richtige für den Job seid.

Denn: – auch wenn ihr noch wenig Erfahrung habt – seid ihr in der Lage strukturiert zu arbeiten. Zudem bringt ihr frischen, dynamischen Wind in das Unternehmen. Kurz gesagt, überzeugt auf ganzer Linie von euch.

  1. „Wann und warum haben Sie das letzte Mal eine Regel missachtet?“

Wenn ihr bei dieser Fangfrage kurz Zeit braucht, um euch gedanklich zu sortieren, könnt ihr erzählen, dass ihr vor drei Tagen bei Rot über die Ampel gelaufen seid. Aber das ist eigentlich nicht das, was der Personaler wissen möchte. Verkauft das also eher als Witz, um Zeit zu gewinnen.

Das wirklich interessante bei dieser Frage ist für den Personaler, ob ihr euch an Unternehmensrichtlinien haltet oder die Regeln oft brecht. Also, ob ihr euch, ohne mit der Wimper zu zucken, über Vorgaben hinwegsetzt.

Wichtig! Bei eurer Beantwortung solltet ihr ein gesundes Mittelmaß finden. Ihr dürft nicht so rüber kommen, als ob ihr grundsätzlich macht, was ihr wollt. Aber auch das andere Extrem, blind das zu tun, was der Chef sagt, ist nicht perfekt. Besser ist es, wenn ihr abwägt, ob Gehorsam oder hinterfragen angebracht ist.

  1. „Wie gehen Sie mit Kritik um?“

Völlig falsch wäre es, zu sagen, dass Kritik euch gar nichts ausmacht. Denn das wäre schlichtweg gelogen.

Besser: Seid ehrlich und sagt, dass konstruktive Kritik zwar unangenehm aber dennoch nützlich ist. Das man etwas verärgert darüber ist, ist menschlich und das wissen auch die Personaler. Aber wenn ihr die Kritik positiv aufnehmt und umsetzt, ist es genau richtig.

  1. „Was wiegt eine Boeing 707?“

Dem Bewerber wird eine Wissensfrage gestellt, die er unmöglich beantworten kann oder die völlig entfernt ist vom eigentlichen Aufgaben/Fachgebiet, wie z.B. „Was ist der Unterschied zwischen Gotik und Romanik?“ bei einer ausgeschriebenen Stelle als Buchhalter.

Personaler wollen in diesem Moment schauen, wie jemand in der Situation reagiert: Bleibt er gelassen und geht logisch vor, oder läuft er rot an und druckst verlegen herum?

Die ideale Antwort: Zuerst einmal kann man versuchen, Zeit zu gewinnen, etwa so: „Das ist eine interessante Frage, wobei ich gar keinen Zusammenhang zu meiner Stelle sehe.“ Dann könnte man zugeben, die Antwort auf diese Frage nicht zu kennen, aber schnell mal im Internet recherchieren zu können.

Grundlegend gilt bei allen Fangfragen, wie schon gesagt, Ruhe bewahren. Wenn ihr dem Personaler bei der einen oder anderen Frage mit etwas Humor begegnet, könnt ihr zumindest Zeit gewinnen. Beantwortet alle Fragen wahrheitsgemäß, denn Lügen kommen immer ans Tageslicht – egal ob früher oder später.

Ich persönlich tendiere dazu, möglichst unverkrampft Fragen zu stellen, die von echtem Interesse am Gegenüber geprägt sind und auch auf Besonderheiten im Lebenslauf eingehen. Standardfragen nutze ich meist nur, um zu prüfen, wie gut jemand auf die Situation „Vorstellungsgespräch“ vorbereitet ist.

Nun meine Frage an euch: Welche interessanten Fragen sind euch bei Vorstellungsgesprächen bereits begegnet und wie habt ihr darauf reagiert?

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

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