Ratatouille

Die neue Psychologin im IT-Paradies

Benin_SarahAlbrecht
Geschrieben von Sarah

Seit nun ein paar Tagen erweitere ich das TowerConsult Team als Praktikantin der Psychologie. In Jena bin ich seit ungefähr einem Jahr und habe mich hier schon gut eingelebt. Besonders gut gefällt mir, dass Jena von Bergen und von Natur eingeschlossen ist und man nicht weit laufen muss, um die Schönheit von Jena zu erfahren. Außerdem gibt es in Jena immer wieder schöne, kleine Cafés und Kneipen in kleinen Ecken der Stadt zu entdecken. Nicht zuletzt freue ich mich auf meine ersten Kulturarenaabende.

Von Deutschland nach Neuseeland

Ursprünglich komme ich allerdings nicht aus „dem Osten“, sondern bin ein „Wessi“, der aus dem schönen Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, stammt. Dort bin ich aufgewachsen und habe mein Abitur gemacht. Danach hat es mich das erste Mal in die große weite Welt gezogen. Ich wollte so weit wie möglich von Deutschland weg und was wäre da passender als Neuseeland? Also hat es mich im Frühjahr 2010 nach Neuseeland als Au Pair verschlagen, wo ich ein Jahr gelebt und gearbeitet habe. Neuseeland ist ein wunderschön grünes Land und ideal für lange Wanderungen durch die Natur geeignet. Die Natur Neuseelands ist atemberaubend und einzigartig durch ihre Vielfalt. Insgesamt habe ich mich dort um vier Kinder gekümmert, was zeitweise sehr anstrengend war, aber ich habe die Kinder so lieb gewonnen, dass es mir am Ende unglaublich schwer gefallen ist, sie zu verlassen.

Von der Geburtsstadt Karl Marx‘ nach Karl-Marx-Stadt

Von der Geburtsstadt Karl Marx‘ hat es mich dann nach Karl-Marx-Stadt oder wie sie heute heißt Chemnitz, verschlagen. Dort habe ich meinen Bachelor in Psychologie begonnen und ihn 2015 abgeschlossen. Auch wenn die meisten nicht viele gute Worte über Chemnitz verlieren, hat es mir dort sehr gut gefallen. Zwar gibt es deutlich schönere Städte, aber in Chemnitz gibt es immer wieder neue schöne Ecken zu entdecken, die man nur kennt, wenn man schon länger dort gewohnt hat. Ein kleiner Insidertipp: unbedingt das Eis von „Maschners“ probieren – das wahrscheinlich leckerste Eis Deutschlands (abgesehen vom Eiscafé Rigoni in Trier)!

 

Von Karl-Marx-Stadt nach Westafrika

Nach meinem Bachelor hat mich wieder die Reiselust gepackt und ich habe das gemacht, was ich schon sehr, sehr lange machen wollte. Eine längere Zeit in Afrika verbringen und sehen wie die Menschen dort arbeiten und leben. Daher habe ich mich entschlossen ein freiwilliges Auslandsjahr in Benin in Westafrika mit der Organisation Kinderhilfe Westafrika zu absolvieren. Die Amtssprache in Benin ist Französisch und es ist eines der ärmsten Länder der Welt. 70% aller Frauen können nicht lesen und schreiben und die Lebenserwartung ist mit 61 Jahren 20 Jahre unter der Lebenserwartung in Deutschland. Die Menschen dort haben im Vergleich zu uns ein wirklich hartes Leben. Die Arbeit ist anstrengend und am Ende bleibt trotzdem nicht viel mehr übrig als zum Überleben notwendig. Trotz der ganzen Schwierigkeiten hat mich in meinem Jahr in Benin immer der Optimismus und die Fröhlichkeit der Menschen beeindruckt. Egal wie schwierig und unlösbar die Situation scheint: Gemeckert wird eigentlich nie. Da können wir Deutsche uns gut eine Scheibe von abschneiden.

Benin2

Meine Nachbarskinder im Hof

In Benin habe ich in der kleinen Stadt Tanguiéta, im Norden Benins, als Deutsch- und Englischlehrerin an einer Grundschule und am Collège gearbeitet. Außerdem habe ich zusammen mit einer anderen Freiwilligen die ersten langfristigen Alphabetisierungskurse in Tanguiéta gegründet. Insgesamt hatten wir ungefähr 30 Schüler mit unterschiedlichen Niveaus und 9 davon konnten am Ende glücklich ihr Zertifikat in den Händen halten, das ihnen bescheinigte, dass sie nun lesen und schreiben können. Die Freiwilligen, die nun nach uns für ein Jahr an der Schule arbeiten, führen die Kurse weiter und inzwischen sind diese in Tanguiéta so bekannt, dass sogar Direktoren ihre Frauen auf unsere kleine Schule schicken, damit sie dort lesen und schreiben lernen. Noch heute unterstütze ich das Projekt von Deutschland aus.

Kurz vor Ende meines Aufenthaltes habe ich mich außerdem entschlossen Geld für einen Brunnen in einem nahegelegenen Dorf „Mokonton“ zu sammeln. In Benin gibt es gerade in der Trockenzeit sehr große Wasserprobleme. Im Falle von Mokonton mussten die Bewohner eine halbe Stunde zu Fuß laufen und hatten dann nur Wasser aus einem verdreckten Bach. Da es keine Alternative gab, mussten sie neben dem Wäsche waschen das Wasser auch trinken und sind oft krank geworden. Tatsächlich hat die Geschichte und unser Spendenaufruf so viele Menschen berührt, dass am Ende viel mehr Geld zusammengekommen ist, als benötigt wurde, weshalb wir das restliche Geld an die Schule geben konnten. Während meiner Zeit in Benin, stand die Schule vor großen finanziellen Problemen und es gab zu wenige Klassenräume für die Schüler, weshalb oft Unterricht ausgefallen ist. Dank vielen Spendern, unter anderem des MPG Triers, die einen Spendenlauf für uns veranstaltet haben und dem Lions Club Jena, konnten nun drei Schulgebäude gebaut  und das Schulgebäude somit zur Hälfe fertig gestellt werden.

Von Tanguiéta nach Jena

Wie man sieht, sind seit meiner Zeit in Benin Entwicklungsprojekte zu meiner großen Leidenschaft geworden. Die Menschen in Benin sind mir unglaublich ans Herz gewachsen und es erstaunt mich immer wieder, wie zuversichtlich sie auch in sehr schwierigen Lagen ihres Lebens an neue Herausforderungen gehen und wie viel Kraft ihnen der Glaube an Gott schenkt.

Nach einem Jahr in Benin ist es mir unglaublich schwer gefallen alles zurückzulassen, aber mein Studium musste weitergehen. Und so habe ich mich für Jena entschieden, weil mir dort die Mischung aus Arbeitspsychologie, aber auch  Interkultur und Pädagogik sehr gut gefallen hat. Außerdem habe ich den „Osten“ mittlerweile so lieb gewonnen, dass ich hier bleiben wollte. Und nun sitze ich gerade in der TowerConsult GmbH an meinem PC und bin sehr gespannt, was für neue spannende Erfahrungen ich hier mitnehmen kann. Das Team ist auf jeden Fall sehr nett und ich fühle mich wohl hier. Es gibt Kaffee, Tee und Club Mate umsonst und manchmal sogar einen leckeren selbstgemachten Brombeerkuchen mit frisch gepflückten Brombeeren. Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen!

Über den Autor

Sarah

Hinterlassen Sie einen Kommentar