Ratatouille

Erwartungshaltung an das Leben

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Geschrieben von Steffi

Hey, ich bin Steffi und wenn ich eines für und vor allem über das Leben gelernt habe, dann, dass sich das Leben in den wenigsten Fällen vorausplanen lässt. Bis zur 11. Klasse hatte ich eine konkrete Vorstellung, was ich will und wie es zukünftig laufen soll. Bis zu dem Moment, an dem ich mich vom Leben überrumpelt fühlte und meine Wünsche und Träume für die Zukunft ins Wanken gerieten. Heute möchte ich euch kurz meine Erfahrungen zum Thema Erwartungen erzählen. Eines nehme ich vorweg: Der direkte Weg war dabei nicht das Ziel.

Cottbus – meine Stadt!

Als frisch gebackene Abiturientin mit wenig Ahnung vom Leben, schnupperte ich während meines freiwilligen kulturellen Jahres in Weimar das erste Mal die Luft des Arbeitsalltages. Dort wo Goethe und Schiller einst wirkten, war es meine Aufgabe wissbegierigen und kulturbegeisterten Touristen spannende und informationsreiche Touren durch die städtischen Museen zu planen. Obwohl die Arbeit mir Freude bereitete, kam für mich eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich zum damaligen Zeitpunkt nicht in Frage.

Bereits in der Oberstufe fand ich die Idee Kunstgeschichte zu studieren ganz spannend. Noch während der Abi-Phase wurde aus der Kunstgeschichte das Textildesign. Da mir ein Studium jedoch zu trocken erschien und ich meine Kreativität ausleben wollte, entschied ich mich für eine Ausbildung im gestalterischen Bereich. Mit dem festen Ziel, unbekannte Wege zu betreten und endlich Erfahrungen außerhalb meiner Komfortzone zu sammeln, bewarb ich mich deutschlandweit um einen Ausbildungsplatz. Ich wollte am besten so weit weg wie möglich von meiner Heimatstadt Jena. Letztendlich zog es mich in eine Stadt am Rande des Spreewalds – Cottbus!

Mit wenig Wissen über die Stadt, dafür aber mit vielen Umzugskartons im Gepäck, zog es mich im Sommer 2005 nach Cottbus. Meinen ersten Eindruck von dieser Stadt werde ich nie vergessen:
An einem kühlen verregneten Sommertag empfing mich die Stadt an der Spree mit eintönigen, tristen Plattenbauten. Jedoch änderte sich dieser Eindruck schnell. Denn je weiter ich meiner neuen Unterkunft kam, umso charmanter wurden auch die Straßen und die Gebäude. Da war ich nun: hunderte Kilometer von zu Hause entfernt. Das erste Mal auf mich allein gestellt, in einer fremden Stadt. Ich wohnte in einem großzügigen WG-Zimmer im Wohnheimkomplex. Die Eingewöhnung gelang mir, dank der netten Leute, schnell. Im Laufe der Zeit wurden auch die Telefonate in die Heimat bzw. aus der Heimat weniger. Im Spätsommer 2006 folgte mein persönliches Highlight der gesamten Ausbildungszeit: ein mehrwöchiges Praktikum in Portugal. Insgesamt verging die Ausbildungszeit wie im Flug. Den Berufsabschluss hatte ich in der Tasche. Was nun?

Spontan sein? Kann ich!

Ich hatte immer noch wenig Ahnung vom Leben. Dafür strotzte ich nur so vor Spontanität und freute mich auf das, was auf mich zukam. Da es die Gelegenheit ergab, zog ich in ein beschauliches Örtchen nahe Stuttgart. Höchst motiviert, malte ich mir die Zukunft im Land der Maultaschen aus. Jedoch wurde ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Der Traum vom angestrebten Job erfüllte sich wider Erwarten nicht.

Unzufrieden und ohne berufliche Perspektive stellte ich mir wieder die Frage: Was tun? Sollte ich mich weiter um einen Job bewerben oder meinen Wert auf dem Arbeitsmarkt steigern, indem ich eine weiterführende Ausbildung im Medienbereich anstrebte? Einige intensive Recherchen und unzählige Bewerbungen später, hatte ich die Antwort auf meine Frage: Ich erhielt die Zusage für einen weiterführenden Ausbildungsplatz als Mediengestalterin / Werbetechnikerin im Print-Bereich. Damit stand fest: Ich werde das Schwabenländle verlassen und mich auf einen neuen spannenden Weg wagen. Wohin? Nach Bremen! Wenn Neubeginn, dann richtig!

 

Adé Schwabenländle, moin Hansestadt.

In kürzester Zeit raffte ich mein Hab und Gut zusammen, unterwarf mich einem WG-gesucht-Marathon und zog 2008 in die Hansestadt, dem Zuhause der Bremer Stadtmusikanten. Top motiviert und mit viel Freude auf das, was kommt, lebte ich mich schnell in meinem schnuckligen WG-Zimmer mit Holzfußboden ein. Jedoch sollte es nicht lange dauern und ich wurde ein weiteres Mal auf den Boden der Tatsachen zurückgezerrt. Die Ausbildungsfirma bangte um ihre Existenz und ich um meine Zukunft. Wieder einmal änderte sich von jetzt auf gleich alles für mich. So langsam stellte sich mir die Frage, was mir das Leben sagen möchte. Wenn ich eines mittlerweile gut beherrschte, dann mich auf Neues einzustellen und nach Alternativen zu suchen. Plötzlich hatte ich wenige Ambitionen meinem kreativen Berufswunsch weiter nachzueifern.

Mit dem Abi in der Hinterhand und dem Wunsch nach einer guten Grundlage für die berufliche Laufbahn, entschied ich mich für ein Studium. Meine Wahl fiel dabei auf das von mir stets müde belächelte BWL-Studium. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal in Richtung Wirtschaftswissenschaften tendieren würde. Aber wie heißt das Sprichwort so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das WAS stand fest, das WO war noch offen.

„Home is where your heart is!“

Mein Herz hatte ich in Cottbus gelassen. Bereits bei meinem Weggang 2007 ahnte ich, dass ich irgendwann hierher zurückkehren würde. Ich fasste also den Entschluss, mich 2009 für das BWL-Studium an der Universität in Cottbus zu immatrikulieren. Erneut packte ich meine Kisten, zog um und stürzte mich ins Studentenleben. Überraschenderweise fand ich Gefallen an den Studieninhalten. Glücklicherweise ist BWL nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ funktional. Demzufolge fiel meine Entscheidung im Hauptstudium auf die Vertiefungsrichtungen Organisation und Führung sowie Handel- und Dienstleistungen. In der Stadt, die ich in mein Herz geschlossen hatte und mit meinen Freunden an der Seite, raste die Studienzeit an mir vorbei. Plötzlich winkte der Bachelor aus der Ferne und das Praxissemester stand vor der Tür. Für mich stand frühzeitig fest, dass es ein Praktikum im HR-Bereich sein soll.

Durch Zufall erhielt ich einen super Praktikumsplatz in einem großen Unternehmen in Jena. Mit einem lachendem und einem weinendem Auge kehrte ich in meine Heimat zurück. Überaus motiviert und ambitioniert arbeitete ich mich zügig in meine Aufgabenfelder ein und überzeugte durch mein Engagement. Noch während meines Praxissemesters erhielt ich eine Anstellung als wissenschaftliche Hilfskraft. Nach Beendigung des Praxissemesters und erfolgreich verteidigter Bachelorthesis, krönte eine lukrative Arbeitsstelle im selben Unternehmen meinen Erfolg. Mit dem Lebensmittelpunkt wieder in Jena wurde ich hier 2015 sesshaft. Fast vier Jahre später und um zwei Jobwechsel reicher im Lebenslauf, verstärke ich seit November 2018 das Recruiting-Team der TowerConsult GmbH. Ich bin gespannt, was mich erwartet und freue mich auf eine interessante Zeit.

Einen Weggang kann ich mir heute nur noch schwer vorstellen. Jena ist und bleibt für mich eine der schönsten Städte zum Arbeiten und Leben.

Über den Autor

Steffi