(Neue) Arbeitswelt

Kündigung per SMS

Der vertraute SMS-Ton erklingt…eine SMS vom Chef…erst mal nichts Ungewöhnliches, oder doch? Plötzlich steht da, dass man am nächsten Tag doch bitte alle Sachen, die dem Unternehmen gehören, beim Chef persönlich abgeben sollte. Schock! Er vergisst aber nicht, einem noch einen schönen Tag zu wünschen. Ja, so kann es manchmal gehen und man wird in diesem schrecklichen Moment von unglaublich vielen Gedanken und Fragen, die einem wie Blitze durch den Kopf schießen, überrollt.

SMS für dich!

Diese Situation kenne ich nicht nur von Erzählungen, ich hatte schon selber das Vergnügen, solch eine SMS von einem ehemaligen Chef zu bekommen. Eine Kündigung ist nie schön, aber wenn es auch noch so überraschend kommt und man überhaupt nicht damit gerechnet hat – d.h. es gab kein Mitarbeitergespräch, man kennt keine Gründe und man versteht einfach nicht, was passiert ist – ist man mehr als verwirrt und fühlt sich verloren. An wem lag es denn nun? Habe ich Fehler gemacht oder hat der Chef schlechte Laune und wollte sich abreagieren? Vielleicht ist er vielmehr der Typ, der sich vor Konfrontationen scheut und unangenehmen Gesprächen aus dem Weg geht. Oder er hat einfach an nichts gedacht, als er diese vernichtende SMS gesendet hat?

Oft liegt das Problem nicht beim Arbeitnehmer und wenn die Kündigung in der Probezeit ausgesprochen wurde, steht man hilflos und alleine da. Diese unglückliche Lage kann bei der anstehenden Jobsuche ziemlich unangenehm werden und man muss vor allem in den Vorstellungsgesprächen vorsichtig mit seinen Aussagen sein, denn mit der Frage „Warum wurde das Arbeitsverhältnis beendet?“ muss man immer rechnen.

Kündigung nur in schriftlicher Form erlaubt

Klar ist aber, dass eine Kündigung per SMS rechtswidrig ist. Trotz der heutigen Selbstverständlichkeit der neuen Medien, muss eine Kündigung immer in schriftlicher Form vorliegen, d.h. dass auch eine E-Mail oder auch ein Fax in diesem Fall nicht ausreichend ist – die Originalunterschrift des Arbeitgebers ist zwingend erforderlich. Eine mündlich ausgesprochene Kündigung ist also auch unrechtmäßig.

Leider passiert es immer wieder, dass sich die Arbeitgeber solche „Späßchen“ erlauben und man als Arbeitnehmer zwar im Recht ist, aber sich unglaublich ungerecht und mies behandelt fühlt. Ich denke immer, es gibt nichts, worüber man nicht offen und ehrlich sprechen kann, vor allem wenn es sich um ein wichtiges Thema wie einen Arbeitsplatz handelt, von dem ja beide Parteien im besten Falle profitieren. So hat angeblich eine „Wer wird Millionär“-Kandidatin nach einem Gewinn in Höhe von 32.000€ eine Kündigung per SMS von ihrem Chef bekommen, sie hätte ja jetzt keinen Job mehr nötig.

Nach dem ersten Schock kommt die Erleichterung

Im Grunde muss so ein Chef bereits vorher eine oder andere ähnliche, ich würde mal sagen, sinnlose und unbedachte Handlung vollbracht haben und gezeigt haben, dass er mit seiner Art, Entscheidungen zu treffen, alles andere als eine Vorbildfunktion erfüllt. Spätestens in dem Moment, wenn die besagte SMS kommt, muss einem klar werden, dass mit diesem Chef und solch einer Führungsweise sowieso keine rosige Zukunft auf einen wartet und es vielleicht auch besser ist, wenn man die Telefonnummer endgültig aus seiner Kontaktliste löschen kann.

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

3 Kommentare

  • Wenn ein Chef oder eine Personalabteilung zu solch einer Kommunikation greift, dann ist es wohl für den (ehemaligen) Arbeitnehmer eher ein Segen als ein Fluch. Denn wer will bei solch einem Unternehmen schon gerne arbeiten, das so mit Menschen umgeht. Ich jedenfalls wollte das nicht!

  • Ja, du vollkommen recht! In diesem Fall war mir dies auch relativ schnell klar. Oft lassen sich aber die Arbeitnehmer zu viel gefallen, weil sie auf ihren Job angewiesen sind und zu viel davon abhängt. Leider sind solche Arbeitsverhältnisse/-zustände nicht selten.

  • Ich kann Stefan auch nur zustimmen – das ist eher ein Segen! Es ist wirklich übel, wie einige Unternehmen mit ihren Mitarbeitern umgehen. Ich bin froh, dass es auch Gegenbeispiele gibt, die arbeitnehmerfreundlich ausgelegt sind, aber wann begreifen Unternehmen endlich endgültig, dass ihre wertvollste Ressource der Mitarbeiter ist?

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