Bewerbung & Interview

Mut zur Lücke im Lebenslauf beweisen?

Lücke im Lebenslauf, Quelle: walkerud97/pixabay.com
Geschrieben von Viktoria

Bewerber erstreben ihn, Personaler erwarten ihn, kaum einer hat ihn. Einen Lebenslauf, in dem der berufliche Werdegang ohne Lücken davon kommt. Der zeigt, dass sich der Bewerber in seinem bisherigen Werdegang ausschließlich seiner Karriere und seinem Fach gewidmet hat. Ein abgebrochenes Studium, eine lange Reise, eine freiwillige Auszeit oder ein etwas länger dauernder Berufseinstieg. Wer so um die Ecke kommt muss sich meist erklären. Und das oft schon, wenn es sich um einen Zeitraum von nur 2 Monaten handelt. Nichts desto trotz steckt in Kandidaten mit Lücken im Lebenslauf mehr Potenzial als die meisten Unternehmen auf den ersten Blick erkennen…

Der Wunschkandidat

Der Lebenslauf ist das wichtigste Dokument der Bewerbung. Durch ihn wird ersichtlich, inwieweit der Bewerber die für den Job nötigen Qualifikationen mitbringt. Um als Personaler auf den ersten Blick erkennen zu können, ob ein Kandidat geeignet ist oder nicht, sollte der Lebenslauf möglichst auf die ausgeschriebene Stelle zugeschnitten sein, d.h. nur die für die Stelle relevanten Qualifikationen enthalten. Ebenfalls sinnvoll ist es, die Tätigkeiten mit den genauen Arbeitsschwerpunkten zu versehen. Außerdem sollte kein Lebenslauf auf einen roten Faden und eine gelungene Struktur verzichten müssen. Vor allem letztere sollte geschickt gewählt sein. Durch Jahresangaben statt Monatsangaben wird zum Beispiel leicht erkennbar, dass hier womöglich bewusst etwas fehlt. Ähnlich verhält es sich bei der Vorlage eines Erfahrungsprofils statt eines chronologischen Lebenslaufs. Personaler können hier durchaus kritisch im Bewerbungsgespräch nachhaken. Eine Lücke im Lebenslauf lässt meist auf das Durchhaltevermögen und die Ambitionen eines Kandidaten schließen. Aber keine Panik! Auch Personaler wissen:

Lücke ist nicht gleich Lücke

Auch wenn der ein oder andere sich den Studienabbruch nicht traut, weil ihm sein Lebenslauf im Nacken sitzt oder lieber ein Praktikum absolviert, statt den Urlaub zu verlängern: Eine Lücke ist nicht gleich eine Lücke. Der Wechsel des Studienfachs, eine kurze Arbeitslosigkeit oder auch Krankheit sind nicht der Weltuntergang. Generell ist wichtig, dass man bei der Wahrheit bleibt und lieber ein bisschen verschönert, statt bewusst zu lügen. So lässt sich zum Beispiel mit dem Layout oder mit der Wortwahl arbeiten. Ein umgekehrt chronologischer Lebenslauf hebt vor allem die aktuellen Arbeitsschwerpunkte hervor und „arbeitssuchend“ klingt schon etwas besser als „arbeitslos“. Aber Vorsicht! Auch, wenn es im Lebenslauf ja nicht wirklichen um den Verlauf des Lebens geht, sondern vielmehr um den beruflichen Werdegang, sollte man Aussetzer in der Laufbahn nicht bewusst verschweigen. Hat man sich tatsächlich ein Jahr der Selbstfindung gewidmet oder den alten Job freiwillig an den Nagel gehängt, muss man das nicht unter den Tisch kehren oder sich dafür schämen. Man hat ja gelebt und im Leben gibt es keine Lücken!

Das Potenzial

Zeit das Thema etwas differenzierter zu betrachten. Im Lebenslauf mit Berufserfahrung und Praktika glänzen zu können ist wichtig, klar. Aber im Grunde können Lücken im beruflichen Werdegang auch Zeugnis besonderer Zusatzqualifikationen sein. Solche, die unter anderem großen Einfluss auf die Alleinstellungsmerkmale der Unternehmen nehmen. Ein Unternehmen muss neben der guten Arbeit die es leistet mit seiner Persönlichkeit aus der Masse herausstechen. Dafür braucht es nun mal selbständige und risikofreudige Mitarbeiter, die neben ihrer fachlichen Arbeit auch den Blick über den Tellerrand wagen. Umwege und Umorientierung können auch den Mut zum Verlassen der eigenen Komfortzone signalisieren. Eine Lücke kann bedeuten, dass man über die berufliche Laufbahn hinaus Erfahrungen gesammelt hat, dass man die Zähne zusammen beißen kann und keine Angst vor Veränderungen und dem Scheitern hat. Sind diese Eigenschaften nicht bedeutend wichtig für den Unternehmergeist?

Was man hat, das hat man

Hat man einmal eine Lücke im Lebenslauf wird man sie nicht mehr los. Und klar, muss man hier zwischen freiwillig begangenen Lücken, die es leicht fällt zu verteidigen und unfreiwillig begangenen Lücken, die man am liebsten kaschieren würde, unterscheiden. In beiden Fällen wichtig ist aber, dass man dazu steht. Manchmal eignet sich auch das Anschreiben, um die Chronologie mit einem kurzen Satz zu vervollständigen.
Kritisch ist allerdings, dass das Potential, das in einer freiwilligen Auszeit steckt, von vielen Unternehmen noch nicht als solches erkannt wird. Auf den ersten Blick ist eine Lücke nun mal eine Lücke. Nichts desto trotz, ist der Lebenslauf trotz seines vergangenen Inhalts ein an die Zukunft gewandtes Dokument. Und das wissen auch die Personaler. 😉

Du möchtest weitere Informationen zur Erstellung deiner Bewerbungsunterlagen erhalten? Melde dich jetzt für unseren Newsletter an!

Über den Autor

Viktoria

Viktoria ist seit September 2015 Praktikantin bei uns. Sie studiert im Bachelor Wirtschaftswissenschaften und Soziologie. Vicki, wie wir sie nennen dürfen, unterstützt uns im Recruiting und im Personalmarketing - und versorgt uns natürlich mit Blogartikeln, in denen sie ihre Sicht der Dinge auf Studium, Informatik und Arbeitswelt schildert.

1 Kommentar

  • Ein sehr guter Beitrag! Das Thema „Lücken im Lebenslauf“ finde ich sehr wichtig, und kann für Erfolg oder Nicht-Erfolg im Bewerbungsprozess führen! Wie richtig herausgestellt, jeder hat sie. Nur was man daraus macht ist entscheidend.

    „In beiden Fällen wichtig ist aber, dass man dazu steht.“ Diese Meinung vertrete ich auch. Nobody is perfect. Aktuell befinde ich mich in der Situation, in der ich viele Bewerbungen schreibe und versuche einen Job zu bekommen! Und auch ich habe Lücken, aber dazu stehe ich und erkläre auch, warum das so ist. Wichtig finde ich auch, dass man immer die Wahrheit erzählt. Man sollte sich keine Geschichte ausdenken oder Informationen „verschweigen“.

    Ich bedanke mich recht herzlich für den Beitrag! Viele Grüße!

Hinterlassen Sie einen Kommentar