(Neue) Arbeitswelt

Ist die klassische Papierbewerbung ausgestorben?

Papierbewerbung; Quelle: anSICHThoch3/pixabay.com
Geschrieben von Marie

In meiner täglichen Arbeit mit Jobbörsen und Stellenanzeigen stolperte ich vor ein paar Wochen über eine Stellenanzeige von 2015 für eine/n Corporate Social Media Manager/in, wobei Bewerbungen ausdrücklich nur auf dem Postweg verlangt wurden. Diese Stellenanzeige kam von einem Medienunternehmen, von dem man erwarten würde mit der Zeit zu gehen, sodass diese Forderung echt überrascht. Daraufhin untersuchte ich am Wochenende die Stellenanzeigen der Tageszeitung. Ich stellte fest, dass von 16 Stellenanzeigen eine einzige ausdrücklich nur schriftliche Bewerbungen verlangte, sieben stellten beide Möglichkeiten zur Verfügung und acht verlangten ausdrücklich nur Bewerbungen per Mail bzw. über Onlineportale. Eine Tendenz ist deutlich erkennbar, es stellt sich aber auch heraus, dass die schriftliche Bewerbung noch nicht ganz ausgestorben zu sein scheint. In meinem relativ kurzen Berufsleben musste ich erst einmal eine Papierbewerbung per Post verschicken:  Meine Bewerbung zum Studium.

Als Vertreter der Generation Y war mein Interesse geweckt, was für Unternehmen aus welchen Gründen im digitalen Zeitalter noch Bewerbungen per Post verlangen. Die Bewerbung per Mail ist doch für beide Seiten – Personaler wie auch Bewerber – viel einfacher?!?

Aspekte der Kandidaten

Bevor wir aber das Wer und Warum der Arbeitgeber näher betrachten, wollen wir erstmal die Seite der Arbeitnehmer unter die Lupe nehmen. Denn zum Bewerbungsprozess gehören ja immer zwei….
PRO: Nach einer Rundstedt-Umfrage im letzten Jahr zum Thema Beruf und Karriere setzt immer noch knapp ein Drittel der Bewerber auf die klassische Bewerbung per Post – genauso viele Kandidaten bevorzugen übrigens die Bewerbung per E-Mail. Die Vorteile der klassischen Bewerbung liegen vermutlich in der Einzigartigkeit der Bewerbung, was besonders für kreative Berufe für Bedeutung ist. Auch wir konnten vor kurzem einem Kunden bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten einen Bewerber vermitteln, der seine Unterlagen per Post geschickt hatte.

CONTRA: Der wahrscheinlich offensichtlichste Grund sich als Bewerber gegen die klassische Bewerbung zu entscheiden, ist der erhöhte Aufwand und die Mehrkosten in Bezug auf Zeit und Geld.

 

Welche Unternehmen bevorzugen die Papierbewerbung?

Nach einer ersten kurzen Stichproben-Recherche im Umkreis von Jena schienen die Art des Unternehmens und die Gründe für eine klassische Bewerbung eng miteinander verbunden zu sein. So stellte sich beispielsweise heraus, dass besonders öffentliche Behörden, wie Landratsämter und Stadtverwaltungen häufig Bewerbungen per Post verlangen. Besonders staatliche Institutionen in „ländlichen“ Gebieten bzw. Landkreisen wünschen sich ausschließlich die klassische Bewerbung.

Aspekte für Arbeitgeber

PRO: Einer der Gründe, warum Unternehmen die Bewerbung über den Postweg bevorzugen, ist laut einer Stellenanzeige der Datenschutz. Besonders in Zeiten der digitalen Transformation müssen Daten bzw. die Übertragungswege verschlüsselt sein. Wenn dies nicht zugesichert werden kann, müssen die Bewerber die Möglichkeit haben, ihre Daten z.B. in passwortgesicherten Zip-Dateien zu übermitteln. Die Passwortübermittlung an den zukünftigen Arbeitgeber darf dabei nicht vergessen werden. Manche Arbeitgeber scheinen mit der klassischen Bewerbung lieber auf Nummer sicher gehen zu wollen, obwohl auch hiermit der Datenschutz nicht immer sichergestellt werden kann.
Ein weiterer Grund liegt in der Natur der Branche, bzw. in den Anforderungen, die die Stelle mit sich bringt. Ein Software-Entwickler benötigt beispielsweise mehr Affinität zur Technik als eine Bestattungsfachkraft. Außerdem nutzt ein Entwickler daher auch eher digitale Medien für seine Jobsuche als der „Friedhofsgärtner“. Im Allgemeinen sollte aber die Art der Bewerbung mit den Anforderungen der Stellen weitgehend übereinstimmen, was im anfänglichen Beispiel eines Social Media Managers nun wirklich nicht zutraf.

CONTRA: Nicht nur für die Bewerber, sondern auch für Unternehmen bedeutet die klassische Bewerbungen mehr Kosten und mehr Aufwand. Die Unterlagen müssen an die entsprechenden Fachbereiche und Entscheider weitergeleitet werden, was per Mail wesentlich einfacher zu erledigen ist als mit einer Bewerbungsmappe.

Fazit

Im Zeitalter der Digitalisierung könnte man fast meinen, dass die Papierbewerbung bereits ausgestorben ist. Es gibt jedoch gute Gründe, dass Unternehmen noch die klassische Bewerbung verlangen. Auch für Bewerber, die ihre Einzigartigkeit mit einer schriftlichen Bewerbung hervorheben möchten, bleibt es ein wirksames Mittel. Das Wichtigste bei einer Bewerbung ist, dass man als Bewerber authentisch seine Fähigkeiten und Stärken hervorhebt, die für die Stelle erforderlich sind. Ob dies digital oder analog geschieht, sollte in Abhängigkeit vom Wunsch des Unternehmens und der zu besetzenden Stelle entschieden werden.

Wie seht ihr das ? Präferiert ihr die klassische Bewerbung auf Papier oder eher die Online-Bewerbung?

Über den Autor

Marie

Marie ist unsere Neue im Team und kümmert sich um alle Themen, die für das Personalmarketing von Interesse sind. Während ihres internationalen BWL-Studiums lebte sie in China und Großbritannien, wo sie auch ein Praktikum absolvierte. Im Blog wird sie uns daher u.a. die Arbeitswelt anderer Länder vorstellen. Außerhalb des Büroalltags backt sie gern Kuchen und ist ein Fan der internationalen Küche.

1 Kommentar

  • In Gesprächen mit Anwendern meiner Bewerbungssoftware wird gelegentlich die Auffassung geäußert, dass Personalverantwortliche Bewerbungen per Post mehr Beachtung schenken. Offensichtlich wird die klassische Bewerbung für wertiger gehalten (bezogen auf den Materialwert stimmt das ja sogar). Auch wenn ich nicht glaube, dass sich Personaler durch die Versandart einer Bewerbung beeinflussen lassen – letztlich wissen wir nie genau, was das Unterbewusstsein mit uns macht …

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