Ratatouille

Macht ein Kind den Unterschied?

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Geschrieben von Angelina

Ich habe mein Kind während des Studiums bekommen. Als mein Studium geschafft war und die Bewerbungsphase losging, stellte ich fest, dass ein Kind die Jobsuche nicht vereinfacht, gerade als Berufseinsteiger.

Wenn man in einem Bewerbungsgespräch sitzt, werden einem ja gerne auch fiese Fragen gestellt, einfach um zu testen, wie man sich in Stresssituationen verhält oder an Probleme herangeht. Manchmal übersteigen solche Fragen allerdings die Grenze, besonders dann, wenn sie sich auf sehr private Bereiche beziehen.

Während meiner Bewerbungsgespräche war mein Kind stets Thema, was ok ist, denn es gehört ja auch zu mir. 🙂 Einige Fragen sind aus Sicht des Arbeitgebers durchaus berechtigt. Fragen nach dem Alter des Kindes geben Aufschluss darüber, ob es sich um ein Kindergarten- oder Schulkind handelt. Auch Fragen nach der Betreuungssituation sind nicht dramatisch. Den meisten ist sicherlich bekannt, dass einige Fragen in einem Bewerbungsgespräch nicht gestellt werden dürfen, soweit sie nicht zwingend relevant sind. Dazu gehören zum Beispiel Fragen nach einer Schwangerschaft und der Familienplanung.

Mir wurde in einem Bewerbungsgespräch (wohl gemerkt von einer Frau, die selbst Mutter ist) die Frage gestellt: „Sie haben ja bereits ein Kind, wann kriegen Sie das nächste?“ Aus Erfahrung war ich auf ähnliche Fragen gefasst, aber die Direktheit meiner Gesprächspartnerin hat mich doch kurz aus der Fassung gebracht.

Im Laufe meiner Bewerbungen wurde ich immer wieder mit ähnlichen Fragen zu diesem Thema konfrontiert. Fragen wie das funktionieren soll, mit einem „kleinen Kind“ Vollzeit arbeiten zu wollen blieben mitunter nicht aus. Bekannte aus meinem Umfeld berichteten mir von Arbeitgebern, die Frauen ab einem bestimmten Alter ohne Kinder ungern einstellen. Denn wenn die Familiengründung bis zu einem bestimmten Punkt noch nicht passiert ist, wird diese wohl bald nachgeholt werden. Die Themen Kind und Karriere scheinen sich für einige Arbeitgeber immer noch nicht so richtig vereinbaren zu lassen…

Welchen Einfluss hat ein Kind auf die Arbeit?

Ohne Kinder kann man sich die Arbeitszeit freier einteilen/wählen. Gerade in Berufen des Dienstleistungsgewerbes oder im Servicebereich sind die Arbeitszeiten oft so ausgelegt, dass auch nach dem klassischen Feierabend noch jemand als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Da die Kunden ja in der Regel selbst arbeiten, liegen die eigenen Arbeitszeiten dann natürlich so, dass die Kundschaft auch Zeit hat anzurufen oder vorbei zu kommen. Mit einem Kind ist dies allerdings oftmals schwer und bedarf guter Planung und Organisation. Da müssen sich die Eltern entweder gut absprechen oder ein gutes Netzwerk mit zusätzlicher Unterstützung aufgebaut haben. Ähnlich sieht es mit Berufen aus, in denen Schichtarbeit notwendig ist. Ob es im Bereich Produktion ist, die gerne im 3-Schicht-System abläuft, oder im medizinischen Bereich, mit 24-Stunden-, Wochenend- und Feiertagsdienst – mit Kind ist auch hier viel mehr Planung notwendig. Aus meinem eigenen Umfeld kenne ich mehrere Beispiele dieser Art. Eltern die beide im 3-Schichtsystem arbeiten und keine Großeltern zur Unterstützung vor Ort haben. Es ist für mich immer wieder beeindruckend, wie reibungslos dies mit zwei Kindern funktionieren kann.

Man muss an diesem Punkt allerdings auch die Arbeitgeber lobend erwähnen, die von dem Umstand wissen und dies bei der Schichtplanung berücksichtigen. Auf diese Weise können die Arbeitszeiten untereinander so gut abgestimmt werden, dass immer jemand da ist, um die Kinder in die Kita zu bringen, abzuholen und natürlich nachts bei ihnen zu sein. Bei Berufen mit einer hohen Reisebereitschaft sieht die Lage ähnlich schwierig aus. Auch hier ist gute Organisation entscheidend.

Ein weiteres Problem: die lieben Kleinen werden ja auch mal krank. Für den Arbeitgeber heißt es dann kurzfristig umzudisponieren, denn sowas lässt sich ja in der Regel nicht planen. Ein Kollege/ Kollegin muss für den kindkranken Mitarbeiter einspringen, Termine müssen kurzfristig umgelegt oder vertreten werden. Alles in allem eher suboptimal.

Da fragt man sich natürlich, warum sollten Arbeitgeber überhaupt Menschen mit Kindern einstellen?

 

Vorteile von Arbeitnehmern mit Kind

Viele Eltern sind oftmals regelrechte Organisationstalente. Sie müssen es ja auch sein, denn es bedarf viel Abstimmung und Planung, um alles unter einen Hut zu bekommen. Wenn man Kinder hat, plant man nicht mehr nur für sich. Das geht schon bei Arztterminen los. Die eigenen und die des Partners müssen so gelegt werden, dass trotzdem einer für die Kinder da ist oder diese mitgenommen werden können. Die Termine der Kinder müssen natürlich begleitet werden. Und so verhält es sich mit Terminen aller Art. Eltern sind es gewohnt ihren Alltag zu organisieren und auf andere abzustimmen. Dies ist nicht die schlechteste Eigenschaft auch im Beruf. Eine gute Terminplanung im Büro und eine gute Kommunikation der Termine mit und für die Kollegen fördert einen reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts. Eine durchaus erstrebenswerte Sache!

Eltern sind in der Regel multitaskingfähig. Mit Kind laufen oftmals viele Dinge parallel ab und trotzdem muss man den Überblick behalten. Noch beim aktuellen Termin schon die Schritte für den nächsten in Kopf haben und gleichzeitig die momentan auftretenden Probleme händeln. Im Beruf kommen solche Situationen auch nur zu oft vor. Auf einmal muss alles gleichzeitig passieren und bearbeitet werden. Da gilt es einen kühlen Kopf und die Übersicht zu behalten. Was muss wann fertig sein, was kann vielleicht kurz warten und wo liegt die Priorität? Für Eltern quasi das täglich Brot.

Wer Kinder hat zeigt, dass er Verantwortung übernimmt. Sicherlich gibt es viele Wege, dies zu beweisen und es gibt auch viele sehr verantwortungsbewusste Menschen ohne Kinder. Aber ein Kind bedeutet Verantwortung für ein anderes Leben zu haben und das lebenslang. Klar, die Kleinen werden groß und selbstständig, ziehen irgendwann aus und stehen auf eigenen Beinen, aber als Eltern fühlt man sich trotzdem immer verantwortlich für die Kinder, oder? 🙂

Fazit

Es wird immer Arbeitgeber geben, die den Fokus auf die schlechten Seiten des Arbeitnehmers mit Kindern legen. Ich denke, das einzig Relevante ist, dass Arbeitgeber und Mitarbeiter einen offenen Dialog zu diesem Thema führen, Probleme ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, die für alle Parteien sinnvoll und realisierbar sind. Es gibt Berufe, die mit Kind komplizierter auszuüben sind und es gibt Berufe, in denen es kein Problem ist. Hier kommt es ganz auf die Bedürfnisse der einzelnen Parteien und auf das Netzwerk und den Rückhalt an.

Eine Welt ohne Kinder wird nicht funktionieren, wäre ja auch traurig! Zum Glück gibt es auch Arbeitgeber, die wirklich „kinderfreundlich“ sind. Solche, die Verständnis dafür haben, dass man als Mama oder Papa für sein krankes Kind da sein muss und möchte. Sie wissen, dass Kindergärten und Schulen irgendwann schließen. Und die sich darüber freuen, wenn der Nachwuchs mal als Besuch im Büro vorbeischaut.

Über den Autor

Angelina

Angelina ist seit Juni 2017 unsere neue Mitarbeiterin im Recruiting. Sie hat Biologie in Kombination mit BWL studiert und bringt mit ihrem naturwissenschaftlichen Hintergrund frischen Wind ins Bewerberblog-Team.

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