(Neue) Arbeitswelt

Interne Bewerbung – Heimvorteil oder Stolperfalle?

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Geschrieben von Steffi

Wer auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung ist, muss diese nicht zwangsläufig in einem anderen Unternehmen suchen. Wer sich in seinem Unternehmen wohlfühlt und für wen auch sonst alle Rahmenbedingungen stimmig sind, lohnt sich der Blick auf die intern zu besetzenden Stellen des Unternehmens. Diese können in den meisten Fällen im unternehmenseigenen Intranet nachgelesen werden. Manchmal lohnt sich der Blick aber auch auf die offizielle Karriereseite des Unternehmens sowie die gängigen Jobportale. Vor allem auch, um die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung im eigenen Unternehmen vollends auszuschöpfen.

Intern bewerben, aber richtig

Grundsätzlich unterscheidet sich das Auswahl- und Bewerbungsverfahren bei einer internen Bewerbung nicht von dem einer externen Bewerbung. Aus diesem Grund ist es ratsam sich auch bei bereits bestehender Unternehmenszugehörigkeit ein Vorgehen zu überlegen, um nicht überhastet an den Prozess heranzugehen. Was genau gilt es zu beachten?

  1. Einen Gesamtüberblick verschaffen – Wer wirklich den Wunsch hat, sich beruflich verändern zu wollen, informiert sich zunächst über mögliche Vakanzen, d.h. welche offenen Stellen werden als „intern zu besetzen“ ausgeschrieben? Im nächsten Schritt ist es nützlich zu wissen, wo zusätzliche Informationen über die zu vergebene Position eingeholt werden können? Allerdings sollte dies zunächst, auch zum eigenen Schutz, nicht explizit nach außen kommuniziert werden. Vielmehr ist es wichtig, notwendige und essenzielle Informationen für sich selbst und die damit verbundene Entscheidung einzuholen.
  2. Eine Entscheidung treffen, aber mit Bedacht – Jeder hat schon Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen. Manchmal ist dies nicht die schlechteste Variante. Geht es allerdings um die berufliche Zukunft empfiehlt es sich, die Erfolgsaussichten zu betrachten und mögliche Konsequenzen abzuwägen. Des Weiteren ist es ratsam, mit der Absicht sich intern zu verändern, nicht hausieren zu gehen. Eventuell gibt es Kollegen, die es ebenfalls auf diese eine Stelle abgesehen haben und die Chance nutzen, eventuelle Gerüchte zu ihrem Vorteil auszulegen.
  3. Zuerst mit dem Vorgesetzten sprechen – Steht die Entscheidung fest, sich unternehmensintern zu bewerben, ist es ratsam den Vorgesetzten darüber zu informieren. Eine gute Gesprächsvorbereitung sowie eine klare Argumentationsstruktur bieten eine förderliche Basis die Wechselabsicht dem Chef gegenüber plausibel darzustellen. Dabei ist es besonders wichtig, im Gespräch nicht energisch zu werden, wenn der Wunsch nach beruflicher Veränderung beim Chef auf Gegenwehr stößt. Das ist besonders dann der Fall, wenn damit ein Leistungsträger seiner Abteilung wegbricht. Schließlich muss er dafür sorgen, dass die Aufgaben auf Kollegen aufgeteilt werden oder die Stelle zeitnah nachbesetzt wird.
  4. Vollständige Bewerbungsunterlagen – Wer denkt, dass er die intern ausgeschriebene Stelle auf Grund von Betriebszugehörigkeit sicher hat, irrt sich. Auch bei internen Bewerbungen sind schriftliche, lückenlose Unterlagen das A und O. Es lohnt sich, die Zeit zu investieren, um das Anschreiben klar zu strukturieren, die Wechselmotivation positiv hervorzuheben sowie den tabellarischen Lebenslauf um wichtige berufliche Erfolge (Projekte, Erweiterung des Tätigkeits- und Aufgabenportfolios, etc.) zu ergänzen. Darüber hinaus gehören auch alle für die Position notwendigen Anlagen, wie bspw. Zeugnisse, Referenzen, etc. dazu.
  5. Den offiziellen Weg gehen – Auch wer schon Teil der Belegschaft ist, sollte den offiziellen Bewerberweg wählen. Das heißt, dass die vollständigen Bewerbungsunterlagen nicht im Vorbeigehen bei der betreffenden Abteilung oder gar einer dritten Person aus der Abteilung mit Bitte um Weitergabe vorgelegt werden sollten. Auch ist das Versenden per E-Mail an die Abteilung oder Übersendung via Social Media Kanälen nicht in Betracht zu ziehen.
  6. Professionelles Auftreten im Bewerbungsgespräch – Ist die erste Hürde genommen und die Einladung zum persönlichen Gespräch erfolgt, heißt es dran bleiben. Jetzt bietet sich die Gelegenheit, nicht nur auf dem Papier zu überzeugen, sondern auch als Persönlichkeit im Gespräch. Angemessene Kleidung im gängigen Unternehmens-Dress-Code, sofern dieser existiert, ist das eine. Eine überzeugende Gesprächsstruktur das andere. Auch interne Bewerber müssen Überzeugungsarbeit leisten und den Teilnehmerkreis plausibel erklären können, warum die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse auf die ausgeschriebene Stelle passen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Ausführungen nicht zu weit ausgeholt werden und sich der sogenannte rote Faden nicht verliert. Außerdem bietet sich hier erneut die Gelegenheit die Motivation kurz aber prägnant anzubringen.

Interne Bewerbung – Win-Win-Situation für beide Seiten

Sicher ist, dass jeder Bewerbungsprozess, unabhängig ob intern oder extern, sowie für den Bewerber als auch für das Unternehmen Zeit in Anspruch nimmt. Allerdings lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass interne Bewerbungsprozesse für beide Seiten einige entscheidende Vorteile mit sich bringen.

Ein deutlicher Vorteil für den Bewerber ist zum einen, dass er mit dem Unternehmen und dessen Strukturen und Abläufen weitestgehend vertraut ist und entsprechende Ansprechpartner bekannt sind. Zum anderen ist das betriebsinterne Umfeld inklusive zu nutzender Unternehmenssoftware bereits bekannt und der Umgang damit vertraut. Ebenso fällt es leichter, den Kontakt zu den direkten Kollegen zu knüpfen, da man sich unter Umständen bereits aus Terminen und Besprechungen oder anderen firmeninternen Veranstaltungen kennt. Dadurch gelingt es, den Eingewöhnungsprozess zu verkürzen. Der Arbeitnehmer kann sich schneller auf die neuen Aufgaben fokussieren.

Im Gegenzug dazu verringern sich für das Unternehmen alle Kosten, die mit dem Bewerbungs- bzw. Auswahlverfahren im Zusammenhang stehen. Eine interne Ausschreibung bspw. ist weniger kostenintensiv als eine Stelle extern über einen Anbieter auszuschreiben. Referenzen zum Bewerber können auf kurzem Weg erfragt und eingeholt werden. Des Weiteren kann die Verfügbarkeit intern schneller geregelt werden, wohingegen bei externen Bewerbern oftmals Kündigungsfristen eingehalten werden müssen.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine interne Bewerbung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Stolperfallen und Missverständnisse können hier ebenso passieren und haben mitunter eine stärkere Auswirkung auf den weiteren Verbleib im Unternehmen. Wer sich schlecht präsentiert, muss die Konsequenzen dafür tragen, auch dann wenn er dem Unternehmen bereits zugehörig ist. Wenn es mit der Besetzung der internen Stelle nicht klappt, ist ein professionelles Verhalten als gutes Aushängeschild für die eigene Person zu werten. Mitunter bleibt die gute Selbstpräsentation bei den Entscheidern im Gedächtnis und wird bei der Besetzung einer neuen internen Vakanz berücksichtigt.

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Steffi