Bewerbung & Interview

Wie lang sollte der Bewerbungsprozess firmenseitig eigentlich dauern?

Bewerbungsprozess, Quelle: sabine koriath/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Immer wieder höre ich von Freunden und Bekannten Geschichten über ihre Bewerbungsphase. Das bringt mein Job mit sich und ich werde dann auch oft gefragt, wie ich denn bestimmte Dinge handhabe. Natürlich kann und will ich keine Firmeninterna ausplaudern aber so allgemein kann man schon Hinweise und Tips geben. Vor allem, wenn ich dann gefragt werde:

Ich habe jetzt schon 2 Monate auf eine Rückmeldung gewartet. Meinst Du, ich soll da mal anrufen?

Also, grundsätzlich finde ich es schon immer eigenartig, dass es tatsächlich Unternehmen gibt, die nicht einmal so etwas wie eine Eingangsbestätigung herausschicken. Wie soll der Kandidat denn da wissen, ob alles angekommen ist? Dass es dann diese eigentlich unnötigen Anrufe mit Nachfragen gibt, ist vorprogrammiert und selbst verschuldet. Dass ein Prozess für eine bestimmte Stelle mal länger dauern kann, ist auch okay, aber alles über 1 Monat ohne wenigstens ein Zwischenfazit ist schlicht schlechte Unternehmenspolitik und kann dem Unternehmen eher auf die Füße fallen. Schlechte Meinungen verbreiten sich schließlich sehr viel schneller, als gute. Und in Zeiten von Social Media und Arbeitgeberbewertungsportalen erst recht.

Aber mal zurück zum Thema: Ein anständiger Prozess beginnt mit dem Eingang der Bewerbung und dessen Bestätigung. Ist der Kandidat dann interessant (erst einmal egal für welche Stelle), sollte auf jeden Fall ein weiterer Kontakt via E-Mail oder per Telefon stattfinden. Ist der Kandidat nicht geeignet für die Stelle oder eine andere Position, sollte doch wenigstens in den nächsten 2- 3 Wochen eine entsprechende Nachricht an ihn gesendet werden. Und dauert es doch mal länger, dann doch bitte mit einer anständigen Entschuldigung für die Verzögerung.

Wichtig ist für den Bewerber in jedem Fall, ob positiv oder negativ, eine richtige Rückmeldung. Sonst wartet er womöglich ewig und traut sich nicht telefonisch nachzufragen. Klar gibts dann noch die Kandidaten, die sofort nach Absenden der Unterlagen anrufen und fragen, ob denn alles angekommen ist und am liebsten sofort über sich und ihre Unterlagen sprechen wollen. Das schießt dann auch über das Ziel hinaus.

Und selbst wenn es nach mehreren Instanzen (Telefonat, Interview, zweites Gespräch) dann doch zu einer Absage kommt, sollte auch das gut kommuniziert werden. Hat man jemanden schon selbst kennengelernt, ist es vielleicht auch gut, eine Absage etwas individueller zu gestalten. Da dauert dann vielleicht die Formulierung fünf Minuten länger, aber der Kandidat erkennt, dass er als individuelle Person wahrgenommen wird. Wichtig ist auch, dass man sich als Unternehmen auch meldet, wenn man es ankündigt. Es macht keinen guten Eindruck, wenn ich sage, ich melde mich am Freitag der gleichen Woche und mache das dann erst zwei Wochen später.

Aber: Schnelles Feedback hin oder her. Was auch nicht geht, ist eine Absage 1 Tag nach Eingang der Bewerbung (außer der Kandidat hat den Einsendeschluss verpasst, oder die Stelle ist schon besetzt worden). Damit ist zwar der Prozess schnell beendet, aber das hinterlässt auch einen faden Beigeschmack. Dann fühlt sich der Bewerber doch eher, als sei er es nicht wert, richtig betrachtet zu werden.

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2 Kommentare

  • Firmen die keine Eingangsbestätigung schicken und monatelange Entscheidungsfindungen benötigen oder es noch nicht mal nötig haben eine Absage zu schicken gibt es sehr, sehr viele. Darunter auch große „Global Player“.

  • Während meiner Bewerbungsphase in den letzten drei Monaten habe solche geordneten Prozesse eher als Ausnahme erlebt und meine Frau hat dieses „Vergnügen“ aktuell noch. Da halten nur einige wenige Firmen die Fahne hoch.

    Auch wenn ich das nicht pauschalisieren möchte, ich kenne auch die andere Seite und habe einige Male neue Mitarbeiter gesucht und für mich war das immer auch mehr Frust als Lust. Umgekehrt sah es nämlich auch nicht besser aus. Den überwiegenden Teil der Bewerbungen empfand ich irgendwo zwischen „Naja“ und „absolute Katastrophe“. Das glich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, immer kombiniert mit der Angst unter den Bewerbungen DIE Bewerbung zu übersehen.

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