Bewerbung & Interview

Heikle Fragen im Vorstellungsgespräch: Warum haben Sie ihr Studium abgebrochen?

Der perfekte Lebenslauf. Immer wieder erlebe ich, wie junge Menschen, die gerade den Status „Student“ erworben haben, sich darüber den Kopf zerbrechen. Welches Praktikum sollte ich bei welchem Unternehmen und in welcher Stadt machen? Ist es richtig noch einmal ins Ausland zu gehen und das Studienende damit noch um ein paar Monate nach hinten zu verschieben? Welches Thema bringt mich in meiner Abschlussarbeit am weitesten nach vorn? Derartige Gedanken werden besonders hartnäckig, wenn während der Studienphase solch schwerwiegende Entscheidungen wie ein Fachwechsel getroffen werden. Und nun? Wie verkauft man diesen scheinbar so enormen Bruch im Lebenslauf?

Ich kenne solche Fragen nur zu gut, ging es mir vor 6 Jahren doch nicht anders. Damals habe ich mich ebenfalls für einen Studienfachwechsel entschieden und insbesondere mein familiäres Umfeld hielt dies nicht für meine beste Idee. „Wie sieht das denn im Lebenslauf aus?“ war stets die erste Reaktion, die mir entgegenschwappte. 2,5 Jahre später ging ich mit eben diesen Befürchtungen in Bewerbungsgespräche, um einen Praktikumsplatz im Rahmen meines zweiten Studiengangs zu ergattern. Und siehe da, niemand fand meinen Fachwechsel (noch dazu einen sehr abrupten!) schlimm, geschweige denn dass es mir ein Praktikum in meiner Wunschfachrichtung erschwerte.

Zugegebenermaßen habe ich mich aber auch in der Vorbereitung auf die Vorstellungsgespräche mit meinem Lebenslauf und seinen „Unebenheiten“ besonders stark auseinandergesetzt, weil es zu erwarten war, dass eben auch diese im Mittelpunkt stehen werden. Bei der Frage nach einem Studienabbruch oder –wechsel gibt es nicht viel zu beschönigen, ein offenes Bekenntnis wirkt immer noch am besten: „Ja, ich habe eine Fehlentscheidung getroffen, aber inzwischen habe ich meinen Weg gefunden“. Und dass es fast immer etwas Gutes an dem vermeintlich Schlechten gibt, kann ebenfalls als solide Argumentationsgrundlage dienen. Beispielsweise haben Studienabbrecher und –wechsler den Mut aufgebracht, sich auf ihrem Werdegang entsprechend zu korrigieren. Und dass man im Laufe des abgebrochenen Erststudiums durchaus das eine oder andere Brauchbare gelernt hat, ist sicher auch nicht von der Hand zu weisen.

Habt ihr ebenfalls einen Studienwechsel vor oder hinter euch? Und wie geht ihr damit in Bewerbungsgesprächen um?

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7 Kommentare

  • Ich bin selber HR Verantwortlicher in einem mittelständischen Betrieb. Und generell stelle ich keine Leute mehr ein die auf Facebook über 1000 Freunde haben. Da kann etwas nicht stimmen oder sie verbringen ihre gesamte Arbeitszeit auf Facebook.
    Noch schlimmer sind die BONs wie wir sie nenen: die Bloggenden Online Nerds. Menschen die sich ausserhalb der Firma öffentlich äussern sind eine Gefahr.
    Am allerschlimmsten aber sind die Mode oder sogenannten „Fashion“ Bloggerinnen. Diese sind oft mager und kaufsüchtig. Also definitiv nicht für Abteilungen wie Buchhaltung etc. geeignet.

    • Wer hat dich denn mit so einem Haufen Fehlschlüsse und Vorurteile eingestellt?

      Grundsätzlich geht es dem AG nichts an, was der AN privat treibt, solange der AN kein Gesetz bricht. Die Schlussfolgerung „hat 1000 Freunde bei FB also verbringt die ganze Zeit bei FB“ ist unlogisch. Wie kommt man nur darauf?

      Welche Gefahr stellen die Blogger, ist immer noch nicht klar. Ob man „mager“ ist oder nicht, geht dich definitiv nichts an. Fashion Blogger=kaufsüchtig ist auch ein Wunder der Logik. Wenn die Youtuber etwas als Werbung präsentieren, bekommen sie diesen Produkt umsonst und werden dafür noch bezahlt.

      Ich glaube, ich suche mir noch 800 Leute bei FB und füge sie als Freunde hinzu. Und starte ein Fashion Blog. Damit mir solche Arschlöcher wie du aus dem Weg gehen.

  • Ich hatte selbst ein abgebrochenes WING-Studium hinter mir. Bei mir hat es vier Semester gedauert, bis ich realisiert habe, dass ich das falsche studiere. Ich finde eine offene Herangehensweise, wie du sie beschreibst, ist der richtige Weg damit umzugehen. Sich rechtzufertigen dagegen zeigt doch nur, dass man nicht zu seinen Entscheidungen steht. Ich finde, dass ein Studiengangwechsel keine große Sache ist. Ähnlich der Umgang mit Fragen zu schlechte Noten: Da sage ich dann meist:“Damit war ich auch nicht zufrieden.“ Und verweise dann direkt auf Erfolge/ Verbesserungen der Noten…Ich glaube sogar, dass ein unperfekter Lebenslauf, der nicht geradlinig wie aus dem Bilderbuch verläuft, einen für Personaler interessant macht. Also: Steht zu euren Fehlern und Entscheidungen und denkt immer daran: An Fehlentscheidungen kann man reifen und diese Erfahrung ist im Leben einiges Wert.

    Beste Grüße

  • Viel schlimmer als solcherlei „schwierige“ Fragen sind jene Fragen in Vorstellungsgesprächen, die schlicht nicht mit dem deutschen Recht vereinbar sind. Fragen nach Schwangerschaft oder ähnlichem gehören nicht in eine arbeitsrechtliche Beziehung und dürfen sogar laut Rechtsprechung durch Lüge umgangen werden (und diese Lüge berechtigt den Arbeitgeber später nicht zur Anfechtung des Arbeitsvertrags!). Noch schlimmer steht es aber insgesamt um den Arbeitnehmerdatenschutz. Wir haben darüber berichtet: http://www.recht-freundlich.de/arbeitnehmerdatenschutz-2

    Leider müssen sich Arbeitnehmer heutzutage einiges gefallen lassen, um überhaupt noch Aussichten auf eine feste und akzeptabel bezahlte Stelle zu bekommen. Jedenfalls hört der Spaß dann auf, wenn die privaten Emails der Arbeitnehmer gelesen werden oder wenn unnötigerweise Videokameras installiert werden, um etwaige Raucherpausen durch psychischen Druck zu verkürzen.

  • Lieber Autor,

    ich habe mehrfach den Studiengang gewechselt und insgesamt nur negative Erfahrungen gemacht. Als ich in mein Studium startete, geschah dies unter Druck – ich wollte keinesfalls eine Ausbildung machen, hatte aber das Amt im Nacken, weil meine Eltern Hartz4 bezogen. Die Behörde wollte mich nach dem Abi direkt zu Maßnahmen verpflichten. Und wegen meiner eher geisteswissenschaftlichen Neigung hab ich zu keiner möglichen Berufsausbildung wirklich Zugang gefunden – auch nicht im kaufmännischen Bereich, der mich auch nicht interessiert. Es war ein sehr unglücklicher Start und ich habe viele Entscheidungen eher aus der Not heraus und nicht freiwillig getroffen. Das Einzige, was für mich aber von Anfang an feststand, war, dass ich studieren wollte. Nur fehlten mir Zeit, Möglichkeiten und geeignete Ansprechpartner, um meine wahren Stärken herauszufinden.

    In mein Wunschstudium kam ich dann NC-bedingt nicht hinein, erst über einige Wechsel ergab sich dann meine Gelegenheit. Da war mein Lebenslauf aber quasi schon zerstört. Ich habe mein Wunschfach noch solange weiterstudiert, wie es finanzierbar war. Aber weder bei einer Lebensmittelfiliale, noch an der Uni waren Bewerbungen auf Studentenjobs erfolgreich. In mittlererweile 6 Jahren kam ich nicht weiter als zum Gespräch – und die dankende Absage trudelte immer einige Tage später ein.

    Die Situation ist für mich jedes Mal wie eine Beichte, denn es kommt gar nicht dazu, dass ich etwas über meine Fähigkeiten sagen kann. Es endet in der Sezierung meines Lebens und mündet in der Kritik über falsch getroffene Entscheidungen. Ja, es lief vieles falsch. Aber ich stehe an einem Punkt, wo ich von mir selber aus sage: Dein Lebenslauf ist kaputt. Da kann man nichts mehr machen. Bei den x-tausend Bewerbern stelle ich mich nicht mehr auf Überraschungen ein.

  • Sehr geehrter Herr W.,
    können Sie nicht ihren vollen Namen mit Firma nennen? Ihre Firma wäre über Ihren öffentlichen Auftritt sicher begeistert. Ich bin sicher, es gibt genügend frische BWL Absolventen, die Ihren Job trotz der geringeren Berufserfahrung deutlich besser machen. Wie wählen sie zukünftige Ings aus? Nach Körbchen-Größe, Frisur oder auch nach Körpergewicht? Schade dass sie den Bewerber nicht nach Können, Qualifikation, Auftreten und Charakter bewerten. Vielleicht gehen Sie besser in den Vorruhestand und machen Platz für die Nachwelt.

    Ich stimme dem Autor zu: vorsichtig ehrlicher, aber selbstbewusster Umgang ist der beste:

    „Sie haben gewechselt – das ist aber ein Bruch in ihrem Lebenslauf! Warum?“

    „Ich habe eine Prüfung endgültig nicht bestanden. Warum ich durchgefallen bin? Weil ich ein Studium nicht einfach aufgebe, nur weil es schwierig wird und ich an meine persönlichen Grenzen stoße. Ich arbeite solange weiter bis ich durchkomme oder scheitere, weil ich hartnäckig an meinen Träumen festhalte, solange sie realisierbar sind. Ich gehe selbstbewusst mit meinem Scheitern um. Scheitern, aufstehen, Schmutz abklopfen und weiter gehen erfordert Mut. Zu seinen Fehlern zu stehen zeigt Charakterstärke und Ehrlichkeit. Schnell umzudisponieren und trotzdem seinen Traum zu verfolgen zeigt Flexibilität und Selbstbewusstsein. Und genau wegen dieser Eigenschaften bin ich die Richtige für Ihr Unternehmen.“

    Diese Brandrede souverän raushauen. Entweder ist der Personaler beeindruckt oder angepisst. Aber eins ist Fakt – Irrtum und Scheitern gehört zum Leben. Wir Deutschen machen daraus ein Drama – in den USA gilt Scheitern zum persönlichen Wachstum dazu.
    Stellt euch folgende Situation vor: Ein Absolvent mit absolut gradlinigen Lebenslauf, fängt bei einer Firma an und nach einigen Jahren hat er mach so richtig Pech. Auftrag geht schief, etc. Genau jetzt muss er lernen wie es ist zu scheitern. Das wird herausfordernd, wenn immer alles perfekt lief bisher – er muss sein persönliches Ego aufbauen und die Situation retten. Wechsler haben darum einen Vorteil. Sie SIND gescheitert, sie SIND wieder aufgestanden und haben WEITERgemacht. Sie können ihr Ego außen vor lassen und die Situation handhaben. Und jemand mit dieser Erfahrung kann der Firma wertvolle Dienste leisten. Außerdem hat man während des ersten Studiums nicht Däumchen gedreht – man hat zusätzliche Erfahrung, die den Blick über den Tellerrand erweitern.

    @JL: Ja das ist nicht ideal. Aber gerade im sozialen Beruf ist Vielseitigkeit nicht schlecht. Einfach das positive daraus ziehen – Wechselhaft? Nein – flexibel. Was hast du zu verlieren? Verkaufe die positiven Dinge und bewerbe dich für eine Ausbildung. Du kannst mir nicht erzählen, dass jemand mit Hang zum sozialen keinen Ausbildungsberuf findet. Und selbst wenn du keinen entsprechenden Job findest – keiner sagt nein zu einem Ehrenamt. Mach dich bitte nicht runter und versuche dich zu verwirklichen. Wenn es mit einer Ausbildung/Studium nicht klappt, dann öffnen sich neue Türen. Und wenn dich ein Personaler fertig macht, frage ihn ob er aus einer Harz4- Familie kommt. Jeder weiß, dass der soziale Hintergrund entscheidend ist für den Bildungsweg. Und du konntest dir deinen Wunschstudiengang nicht mehr finanzieren. Punkt. Er muss nicht deine Lebensgeschichte kennen…
    Keiner kann dir deine Erfahrung und deine Intelligenz nehmen! 🙂 Also mach dich bitte nicht fertig.

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