Bewerbung & Interview

Fragen im Bewerbungsgespräch: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Tja, was fällt Euch da so ganz spontan ein? Ich vermute, dass auf die Frage nach der Perspektive nicht einmal diejenigen eine wirklich konkrete Antwort haben, die bereits einen Job haben. Wie soll das dann erst ein Bewerber, der ja offensichtlich keinen oder nicht den richtigen Job hat, wissen? Der zusätzlich unter dem Druck steht, das vermeintlich Richtige sagen zu müssen?

Sicher, ich will im Bewerbungsgespräch herausfinden, in welche Richtung sich jemand entwickeln will und überprüfe dann, ob sich das mit den Perspektiven der ausgeschriebenen Stelle halbwegs deckt. Das ist der Job, den ich als Personaler zu tun habe.

Aber: Für viele (besonders für Berufsanfänger) ist der Weg das Ziel. Erst im Berufsleben selbst erkennt man, ob einem das eine oder andere liegt und in welche Richtung man sich eine Entwicklung vorstellen kann. Und Jahrzehnte lang im Voraus planen heute eh nur noch die wenigsten.

Unter Bewerbern löst die Frage nach der „richtigen“ Beantwortung der Frage Diskussionen und Verunsicherung aus, wie man hier, hier und in der einschlägigen Ratgeber-Literatur nachlesen kann.

Ist es nicht unsinnig, eine Frage zu stellen, auf die man Antworten bekommt, die das Gegenüber für „gewünscht“ hält? Was habe ich davon, wenn mir entweder pampig erwidert wird, man möchte in fünf Jahren auf meinem Stuhl sitzen oder mir ein Loblied aufs eigene Unternehmen singt?

Also: Wenn ich tatsächlich wissen will, welche Ziele und Wünsche ein vernunftbegabter Mensch hat, muss ich mir schon wenig mehr Mühe geben. Was für ne Grundsatzfrage…

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9 Kommentare

  • Diese Frage kenne ich bisher nur aus irgendwelchen Bewerbungs-Seminaren, dort aber um so häufiger. „Da draußen“ haben die Personal-Leute versucht, mich (den Bewerber) menschlich kennen zu lernen. Ich glaube auch, wenn man ein wenig aufpasst wie ein Bewerber seine Situation darstellt, seinen Lebenslauf präsentiert, wo er Schwerpunkte setzt usw., bekommt man ein recht gutes Gefühl über einen Bewerber. Das meine ich mal so ganz ohne jegliche wissenschaftliche Begründung und aus „Opfersicht“, aber als Bewerber selbst bekomme ich bei meinen Vorstellungsgesprächen auch einen Eindruck von den Leuten aus dem Unternehmen. Und da oft ein Abteilungsleiter, potenzieller Kollege oder ähnliches dabeisitzt habe ich ja auch eine Meinung wie „ihr scheint ein gutes Team zu sein“, „entweder der hat einen schlechten Tag oder ich will ihn auf keinen Fall als Chef“ usw.

    Eine besonders tolle Frage aus einem dieser besonders tollen Bewerbungsseminare: „Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?“ – „Hier liegen meine Gebeine, ich wünschte es wären deine.“

  • War gerade dabei mich auf mögliche Fragen vorzubereiten. Ist jetzt mein sechstes Bewerbungsgespräch und ich habe mein Antwort auf diese Frage jetzt zum dritten Mal überarbeitet. Momentan lautet sie so:

    „In spätestens zwei Jahren möchte ich die Professionalität erlangt haben, um Führungsaufgaben gewachsen zu sei, allerdings kann das meinetwegen auch früher sein. In fünf Jahren möchte ich nicht nur Projektverantwortung tragen sondern mir auch in einem Fachgebiet so viel Expertise und Professionalität entwickelt haben, das ich mir meinen Job aussuchen.“

    Wie ist das?

  • Bin selbst Meister in ein Betrieb und halte die Frage nur für sehr Dumm !!!
    Solche Fragen werden von Personalchefs aus dem internet gesucht,weil sie selbst nicht in der Lage sind
    vernünftige Fragen zu stellen. ( Der wirklich dumme ist meist der Frage stellende ! Er versteckt sich hinter vorgefertigten Fragen aus aus dem internet, um seine eigene Unfähigkeit zu verbergen – soll intelligent wirken ).

  • Die dümmste Frage, die man(n) als Chef, Führungsperson, Abteilungsleiter, Personalleiter, XXXXXLEITER, immer auch stellen kann. So typisch es auch klingt, sind dass Fragen von Personen die selbst nicht einmal wissen, was Sie am Wochenende mit der Familie, Kind, Sohn oder Tochter unternehmen wollen. Was weis ich oder wer weis das überhaupt, was in den nächsten Jahren an Etwicklungen in den internen Stellenausschreibungen, neue Aufgaben oder Jobs zu besetzen sind, oder wie sich die Wirtschaft verändern wird etc. ! Sich solche Fragen aus irgendwelchen
    Broschüren oder Internet Seiten zu kopieren ist meiner Meinung nach sehr unprofessionell. Alle überdachte Antworten eines Mitarbeiters zu dieser Frage kann ja nur schlecht dargestellt werden.

  • Ich hatte in den letzten Wochen mehrere Bewerbungsgespräche als „Assistent des Vorstands“ bzw. der „Geschäftsleitung“. Die Gespräche fanden in der 1. oder auch in der 2. Runde bereits mit der entsprechenden Führungskraft selbst statt. Mein Eindruck aus den Gesprächen ist, dass die Führungskräfte extrem schlecht auf die Bewerbungsgespräche mit dem Bewerber vorbereitet sind. (Möglicherweise aus Zeitdruck?).

    Es wurden sehr oft Standard-Fragen gestellt, wie z.B. Was wissen Sie über uns, Erzählen Sie von sich, Wo sehen sie sich in fünf Jahren? o.Ä. Bei einem Gespräch musste ich sogar die Fragen stellen (alle!). Es gab nur an einer Stelle eine Gegenfrage auf eine gestellte Frage von mir.

    Der Interviewer versucht durch die Fragen herauszufinden, ob der Bewerber auf die Stelle passt. Aus meiner Sicht versucht der Bewerber andererseit im Vorfeld zu antizipieren was für die Stelle wichtig ist bzw. was der Interviewer hören will und versucht entsprechende Persönlichkeitsmerkmale strategisch im Gespräch hervorzuheben.

    Aus meiner Sicht würde es im Erstgespräch sehr viel mehr Sinn machen, im ersten Schritt die Anforderungen der Stelle aufzudecken/ klarzulegen und dann gemeinsam zu prüfen, ob der Bewerber persönlich und formal für die Stelle geeignet ist. In vielen Fällen zeigt sich so aus meiner Sicht sehr schnell, ob mann zusammen findet oder nicht. Beispiel: Im Gespräch stellt sich heraus, dass der Geschäftsführer auch für das Ressort „internationale Expansion“ zuständig ist und daher oft mit seinem Assistent ins Ausland reist. Der Bewerber lehnt allerdings eine Reisetätigkeit von mehr als 50% eher ab, da er zuvor mehrere Jahre in der Beratung (80% Reisetätigkeit) gearbeitet hat.

    Wie mein Vorredner bin ich auchdavon überzeugt, dass viele Führungskräfte gar nicht genau wissen, welche Informationen eigentlich wichtig sind, welche Informationen Sie genau abfragen möchten und nicht zuletzt nicht einmal wissen was fürs Wochenende geplant ist.

    Für die nächsten Gespräche werde ich deshalb versuchen selbst wichtige Fragen bzw. eine Struktur fürs Erstgespräch vorzubereiten. Falls ich merke mein Gegenüber stellt lapidare Fragen, in unschlüssiger Reihenfolge, ins Freie und lässt mir Freiräume, versuche ich selbst das Gespäch besser zu steuern.

    Bei der Frage „Wo sehen sie sich in 5 Jahren“ würde ich auch eine gemeinsame Erörterung vorschlagen, die ich im Gespräch auch stark forcieren würde. Beispielsweise könnte der Bewerber darlegen, was zu seiner bisherigen Ausrichtung „theoretisch“ gut passen würde (z.B. bisher 3 Jahre Berufserfahrung als Projektmitarbeiter in der Autoindustrie; Ziel: bei entsprechender Qualifikation in 3-5 Jahren Projektleiter in einem Automotive Projekt). Im zweiten Schritt könnte man dann nach den „realen Gegebenheiten“ sowie Entwicklungsmöglichkeiten und Personalentwicklungsmaßnahmen fragen, die das Unternehmen in Bezug auf die angebotene Stelle bietet bzw. zum jetzigen Zeitpunkt vorsieht.

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