Körper, Geist & Job

Heute schon gemobbt?

Wahrscheinlich hat jeder schon mal seine Erfahrungen mit Mobbing in irgendeiner Weise gemacht. Doch was ist Mobbing eigentlich, warum mobben Menschen und wie soll man damit umgehen?

Laut Wikipedia steht Mobbing oder Mobben (von englisch to mob „schikanieren, anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen“) im engeren Sinn für Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln.“ Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen. Typische Mobbinghandlungen sind die Verbreitung falscher Tatsachen, die Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit.

Und hier kommt meine Geschichte: Eine ehemalige Kollegin – nennen wir sie Silvia – , die zwar als etwas mürrisch galt, aber auch sehr liebenswürdig sein konnte, mobbte jahrelang jede einzelne der Kolleginnen, die nacheinander das 2er-Büro mit ihr teilten. Zog die entsprechende Kollegin dann wieder um, war meist alles wieder normal. Dann war das nächste „Opfer“ dran. Obwohl die Schreibtische einander direkt gegenüber standen, schaute sie einen nie an, redete von morgens bis abends kein Wort mit der Kollegin, hielt wesentliche Informationen zurück und ließ einen in kniffeligen Situationen im Regen stehen. Als ich irgendwann in ihr Büro zog, verstand ich erst, was mir vorher schon von anderen mitgeteilt worden war. Ich hatte vorher nie geglaubt, wie verletzend es ist, wenn das Gegenüber einen den ganzen Tag lang ignoriert. Obwohl ich älter, erfahrener, und in der Firma auch ranghöher und bei den anderen Kollegen beliebt war, fiel mir nichts ein, wie ich den Büroalltag erträglich machen konnte. Gespräche brachten jedenfalls nichts, nach dem Motto: „Wieso, was ist denn; ich weiß gar nicht, was Du meinst…“ und da der Chef selbst nicht von der Ignoranz betroffen war, konnte er das auch nicht verstehen. Also ging ich heim und weinte. Ja wirklich! Es gab einige Abende, wo ich frustriert auf der Couch saß und einfach nur heulte deswegen. Eines Tages gab es folgende Situation: Irgendwer fragte mich, ob ich denn heute nicht Lust hätte, Kuchen für die gesamte Mannschaft zu kaufen (das war bei uns so üblich, dass immer mal jemand etwas mitbrachte). Ich sagte zu dem Kollegen, dass ich gar nicht wüßte, ob jeder Kuchen essen möchte, er solle doch mal Silvia fragen, ob ich Kuchen kaufen solle und was sie denn gern haben möchte und dass ich erst dann losgehen würde. Sie bestellte sich ein Sahneschnittchen (also etwas ganz anderes, als das, was man sich normalerweise so mitbringen lässt) und mit dieser Info ging ich einkaufen. Normalen Kuchen für uns alle und Sahneschnittchen für Silvia. Ich weiß nicht recht, was da passiert ist, aber von dem Zeitpunkt an, redete Silvia wieder mit mir und war ganz normal. Ich fand das ziemlich erstaunlich und dachte wenige Sekunden darüber nach, irgendwann selbst irgendwelche spannenden psychologischen Versuche auszudenken – so in der Art wie im Film „Fast verheiratet“.

Was war es also, das Silvia dazu brachte, nach diesem Ereignis mit mir normal umzugehen? Brauchte Sie die Bestätigung, dass auch sie ein ganz besonderer Mensch ist? Als ich dann später wieder in ein anderes Büro wechselte, kam eine neue Kollegin auf den Platz gegenüber Silvia. Und, was denkt Ihr, was passierte? Die wurde gemobbt…

Hat von Euch jemand eine Idee, was bei jemandem in der Gefühlswelt schief laufen muss, damit er/sie andere zwanghaft schikaniert?

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

2 Kommentare

  • Die Frage, warum jemand fortgesetzt andere schikaniert, ist leider genau die falsche. Warum? Weil der Mobbende genau das will: Dass sich der Gemobbte Fragen stellt wie: Habe ich etwas falsch gemacht? Gibt es einen Grund hierfür? Kann ICH etwas dagegen tun?

    Wohlgemerkt: Bei „normalen“ Menschen und Konflikten ist es selbstverständlich angebracht, wenn man seinen Anteil an der Situation identifiziert und zu beseitigen versucht. Doch nicht bei „professionellem“ Mobbing.

    Oftmals trifft diese Art Mobbing Frauen, als Täter und Opfer. Bei Frauen ist das sogenannte „Appell“-Ohr meist offener als bei Männern. Das bedeutet, Frauen beziehen Dinge oft auf sich, sehen sich in der Verantwortung, etwas zu ändern, Schuld zu tragen etc. Genau darauf setzt der Mobber, weil sich der Gemobbte in den Täter-Opfer-Kreislauf begibt.

    Aus diesem Kreislauf auszubrechen ist schwierig; da gibt es keine Standard-Lösung. Meine Empfehlung: Jede unnötige Kommunikation von sich aus einstellen, bei fortgesetztem Mobbing Frontalangriff und Eskalation zum Vorgesetzten. Das erspart eine lange Leidenszeit. Lieber einen kurzen, heftigen Konflikt als die lange Seelenfolter.

    (Übrigens hat der Management-Autor Fredmund Mailk in seinem Buch „Führen.Leisten. Leben“ die Mitarbeiter, die sich als Intriganten oder Mobber entpuppen, zum sofortigen Rausschmiss empfohlen. Weil es diese Leute sind, die die Moral einer Abteilung größtmöglich untergraben.)

    Nochmal: Es ist für den Gemobbten vollkommen irrelevant, warum der Mobber mobbt. Wichtig ist ein Plan, wie man selbst handlungsfähig bleibt und da wieder rauskommt.

  • Ich muss ebenfalls hinzufügen, dass diejenige, die das Mobbing sehen und dabei sind, sind genauso schuldig und Täter als diejenige, die direkt mobben. Bei sowas muss man sofort die Situation melden. Ob es einen Grund gibt oder nicht, muss uns relativ egal sein. Hauptsache, jemand macht jemandem kaputt und der Opfer kann mit der Zeit sogar eine psychische Erkrankung entwickeln, wegen dieser Tat.
    Eine Arbeitskollegin (und Freundin) von mir wurde für 2 Jahre jeden Tag gemobbt. Keiner von der Firma hat was getan, obwohl alle wussten, dass da was passierte. Irgendwann hab ich mit meinem Partner entschieden, dass ich bei dem Chef diese Situation melden musste und alles ausführlich erklären. Da war die Panik der Tag danach… Nach 3 Monaten (zuviel Zeit, meiner Meinung nach) wurde dieser Mobber gefeuert.
    Alles ist wieder gut im Team aber meine Freundin hat selbst noch persönliche und emotionale Probleme. Ich kenne einen guten Test (https://www.psycheplus.de/selbsttest/depression), den ich ihr vorgeschlagen hat und laut dieses Tests hat sie eine hohe Tendenz zu Angst und Depressionen. Jetzt ist die in psychotherapeutischer Behandlung und ich hoff wirklich, dass es ihr langsam besser geht, denn sowas verdient absolut keiner.
    Liebe Grüße aus München,
    Loreto Grau

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