(Neue) Arbeitswelt

„Ich will was mit Menschen machen!“

Diese oder ähnliche Aussagen hört man sehr häufig, wenn man junge Leute – vor allem Mädchen – fragt, was sie gern beruflich machen wollen. Meist stellen sie sich darunter irgendeine Samariter-Tätigkeit vor – Altenpfleger, Heilerziehungspfleger für diverse Zielgruppen, Krankenpfleger oder Sozialarbeiter. Aber wie kommt man eigentlich immer wieder auf diese Berufsgruppe?

Ich kann mir das nur so erklären, dass mit einer praktischen Tätigkeit der Eindruck erweckt wird, man müsse nicht mehr so häufig die Schulbank drücken, denn helfen kann ja jeder – dazu muss man nicht mehr so viel lernen. Außerdem „leiden“ vor allem junge Mädchen häufig an diesem „Helfersyndrom“. Beide Argumente habe ich jetzt mal leicht ketzerisch formuliert, denn ich glaube, diese Berufe werden ziemlich häufig falsch eingeschätzt.

Vorab erstmal: Auch in diesen Berufen muss man lernen. Als Krankenpfleger hat man eine Menge Chemie und Biologie auf dem Stundenplan, als Erzieherin oder Sozialarbeiter ist man mit diversen Sozialtheorien und Pädagogik-Konzepten konfrontiert. Das erste Argument ist also schnell entzaubert.

Sicher, wenn man Gutes tut, fühlt man sich gut und man hat das Gefühl, die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben. Aber gerade in solchen Pflegeberufen ist unglaublich viel Kraft, innere Motivation und Leidenschaft nötig. Als Kindergärtnerin reicht es nicht, nur Kinder zu mögen, man muss auch den Anspruch an sich haben, die Kinder zu fördern und sie in ihren Fähigkeiten zu unterstützen. Als Krankenpfleger muss man mit der Situation umgehen können, dass der Patient stirbt, auch wenn man alles für ihn getan hat. Als Sozialarbeiter hat man häufig mit Menschen zu tun, die die Hilfe anderer verweigern oder sich plötzlich nicht mehr helfen lassen wollen.

Soziale Arbeit – also Arbeit im direkten Kontakt mit Menschen, die die Hilfe andere benötigen – ist keine leichte Aufgabe. Denn die Euphorie, mit der man in den Job startet, muss man sich über die Zeit erhalten bzw. immer wieder neu aufbauen. Klar, in anderen Jobs ist das auch so, dass die anfängliche Leidenschaft irgendwann zu bröckeln anfängt und man sich dann wieder neu motivieren muss. Aber bei Tätigkeiten, von denen anderen Menschen besonders abhängen, kann man es sich eigentlich nicht leisten, Dienst nach Vorschrift zu machen, weil man gerade mal keine Lust hat oder man für mehr ja nicht bezahlt wird.*

Ob Kindergärtnerin, Sozialarbeiter oder Altenpfleger – all diese Jobs verlangen eine besondere Leidenschaft für Menschen ab, die nicht mit Geld zu kaufen ist. Man muss diesen Job auch nach fünf Jahren noch lieben oder sich was neues suchen. Denn es macht schon einen Unterschied, ob man keinen Bock mehr hat, im Büro Akten zu sortieren oder dem Patienten das Medikament zu verabreichen. Wenn man sich also überlegt, was mit Menschen machen zu wollen, sollte man sich vor allem die Frage stellen, was genau man mit Menschen machen will und ob man sich vorstellen kann, das dann dauerhaft zu machen.

* Das leidige Thema Geld habe ich jetzt mal bewusst außen vor gelassen, weil die Bezahlung dieser Berufsgruppen in diesem Artikel nicht im Vordergrund stand. Ob die Entlohnung gerecht oder ungerecht ist, steht auf einem anderen Blatt.

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