Bewerbung & Interview

Wie formuliere ich mein Anschreiben? – Klappe, die (vorerst?) Letzte!

Der Ton macht die Musik, das trifft auch auf das geschriebene Wort zu. Manche Anschreiben „klingen“ einfach negativ und pessimistisch, auch wenn man inhaltlich Nichts bemängeln kann. Das ist wohl eines der schwierigsten Unterfangen: Woran merke ich, welche Wirkung mein Anschreiben zwischen den Zeilen vermittelt?

Ein paar einfache Regeln helfen da schon weiter: Keine oder nur sehr rar gesäte Passiv-Konstruktionen verwenden. „Müssen“,“leider“, „bedauerlicherweise“ et cetera sollten sehr bedacht und im Zweifelsfall nicht verwendet werden, denn sie klingen irgendwie immer nach Hiobs-Botschaft, Weltuntergang und Dramatik, es sei denn der extrem positive Kontext hebt die Wirkung auf.

Leider musste ich mein Studium abbrechen und musste eine Aushilfstätigkeit in einem Copy Shop annehmen.

„Leider“ ist eines der Wörter, das einem sehr häufig im Anschreiben  begegnet, wenn etwas schief gelaufen ist. Allerdings klingen Sätze, die mit „leider“ beginnen auch irgendwie alle gleich und lassen sofort vermuten: „Oh oh, da hat was gar nicht hingehauen!“ Wie wäre es stattdessen mit:

Mein Studium habe ich nach dem 6. Fachsemester ohne Abschluss beendet, weil … Stattdessen habe ich eine Tätigkeit im Bereich/im Unternehmen/… aufgenommen. Mein Aufgabenbereich umfasste…

Ist von der Sache her dasselbe, klingt aber völlig anders! Gleiches trifft von der Wirkung auf den Abschlusssatz zu:

Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.

Ihr würdet Euch nicht „über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen“, sondern Ihr fändet es total super, wenn Ihr Euch vorstellen könntet und erzählen könntet von Euch und dem was Ihr gemacht habt und vorweisen könnt. Und genau so sollte es klingen. Wie wäre es mit:

„Ich möchte mich Ihnen sehr gern persönlich vorstellen und freue mich daher sehr auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.“

„Ich freue mich schon sehr darauf, Ihnen in einem persönlichen Gespräch einen Eindruck von mir und meinen Kompetenzen und Fähigkeiten zu vermitteln.“

Tatendrang pur! Das klingt viel selbstbewusster und aktiver, nicht passiv und abwartend. Und damit sollte es das auch erst einmal damit gewesen sein mit dem Thema Anschreiben. Bei Fragen dürft Ihr gern ungehemmt mailen oder kommentieren. Wir werden es garantiert aufgreifen!

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9 Kommentare

  • Ja der allgemeine Klang einer Bewerbung ist sehr wichtig. Schlimm ist, dass man das selbst meist gar nicht so merkt, von daher ist es gut, wenn noch mal jemand drüber liest 🙂

    Was ich bei einer Bewerbung recht schwer finde ist die Formulierung. Grad der letzte Satz, den ich bei mir so schrieb: „…bedanke mich im Voraus für die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.“
    Irgendwie widerspricht das total meinem Wesen (^_^)

  • „Klappe, die (vorerst?) Letzte!“ … klingt irgendwie sauer – weil du leise die Nase voll hast? Wäre jedenfalls sehr schade. Wirklich.

    Ich wünsche mir viel mehr dieser sehr guten Artikel für Bewerber und Bewerbungsschreiben. Das was potentielle Bewerber im Internet oder in sogenannten Bewerbungshilfen finden ist zu 99% Gülle in vollendester Form. Entschuldigung, aber anders kann man das nicht bezeichnen.

    Vielleicht kann die Serie doch vorgesetzt werden? Bewerbungen lesen/schreiben muss Spass machen. Ich will Lust haben den Bewerber kennenzulernen, ich will genau den/die kennenlernen der selbstbewußt, stillsicher und vielleicht auch frech schreibt. Denn er/sie hat nur eine Chance.

  • „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.“ ist glaube ich eine Art Standardformulierung, die meiner Meinung nach nicht so schlecht ist, denn der Bewerber ist nach Abschicken seiner Unterlagen tatsächlich in der passiven Rolle, bis er wirklich eingeladen wird, worauf er aber keinen Einfluß hat. Die beiden vorgeschlagenen Alternativen mögen zwar aktiver formuliert sein, aber in meinen Augen setzen sie ein(e Einladung zum) Vorstellungsgespräch bereits als sicher voraus. Ich hätte gedacht, daß Personaler sowas als eine eher aufdringliche/arrogante Formulierung ansehen. @Latita, deinen letzten Satz finde ich in dieser Hinsicht noch schlimmer. Da kann man auch gleich schreiben ‚Danke im Voraus für den Job.‘

  • Hallihallo zum Freitag,

    um Gottes Willen nein! Ich habe mitnichten die Nase voll vom Thema Anschreiben, konfluenzpunkt! Ich möchte mich aber auch noch anderen Themen widmen und der eng begrenzte Terminplan macht es manchmal einfach nicht möglich, etwas Neues zu starten und das Alte weiter zu führen. Deshalb der Aufruf, Fragen sehr gerne zu stellen, die ich zum Thema einfach aufgreife oder aber fleißig in den Kommentaren diskutieren! Das „vorerst?“ sollte genau diese Offenheit zum Ausdruck bringen. Ich freue mich aber sehr über das Lob! Merci! 🙂

    Bert, deinen Einwand kann ich verstehen, ich fand es am Anfang auch sehr gewöhnungsbedürftig, einfach etwas forscher aufzutreten. Und die zweite vorgeschlagene Variante ist nicht mal ansatzweise zurückhaltend. Sicher hat es auch etwas mit dem Job zu tun, ob Personaler diesen Schlusssatz ansprechend finden oder nicht. Im Bereich Support oder Vertrieb, in dem man selbstbewusst und offen auf Menschen zugehen sollte, findet ein solcher Bewerber sicher eher Anklang als in einem Bereich, in dem man sich eher durch Zurückhaltung auszeichnet.

    Ich finde es jedenfalls nicht arrogant, sondern selbstbewusst und es erweckt auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Und man sollte nicht vergessen, dass mit Aufmerksamkeit schon einiges gewonnen ist, denn man wird so nicht achtlos beiseite gelegt. Empfindet der Personaler dann diese Formulierung als negativ, dann wird der Bewerber wenigstens mit Bedacht und nicht wegen nichtssagenden Unterlagen abgelehnt.Am besten ist: Stell dir den Satz mit einem freundlichen und offenen Lächeln im Gesicht des Bewerbers vor.

  • P.S. Aber ich gebe Bert auch Recht, dass „Ich bedanke mich im Voraus…“ genauso formelhaft klingt wie „Ich würde mich freuen“ und tatsächlich so wirkt, als wäre das VG nur noch reine Formsache! Latita, vielleicht bekommst du es ja hin, dass es freundlicher klingt!

  • Hallo zusammen!
    Ich hätte zu diesem Thema auch mal eine Frage…
    Und zwar weiß ich beim Anschreiben nie so recht ob wirklich erwartet wird, dass ich besonders selbstbewusst oder fast schon überheblich klingen muss. Ich beschreibe schon immer meine Stärken und weise auf meine guten Noten hin usw., aber irgendwie hab ich immer das Gefühl, dass das Ganze dann doch sehr überhebllich klingt. Wird das vom Personaler wirklich erwartet? Wenn ich so eine Bewerbung lesen würde, würde ich denken, dass derjenige der das schreibt mich entweder anlügt oder überheblich ist.
    Was meint ihr dazu?

  • Hallo,
    die Meisten fühlen sich beim Formulieren ihres Anschreiben sein wenig unwohl. Das ist völlig normal, da es sicherlich einem Großteil der Bewerber so geht, dass sie sich nicht immerzu in Selbstbeweihräucherung ergeben. Dennoch ist es durchaus sinnvoll, die eigenen Stärken (und Schwächen) im Vorfeld zu überdenken und anschließend zumindest die Stärken zu Papier zu bringen. Wenn man sich wirklich die Mühe macht ein individuelles Anschreiben zu verfassen, was ich jedem raten möchte, birgt diese Auseinandersetzung mit sich selbst die Chance, sich klarer über die eigene Person zu werden. Mit anderen Worten ist das die beste Vorbereitung, die man auch im Hinblick auf ein kommendes Vorstellungsgespräch haben kann. Dabei ist letztlich einfach nur wichtig, dass man eben nicht überheblich wird sondern sich Gedanken über seine tatsächlichen Vorzüge macht und diese am besten auch mit Beispielen belegen kann. Damit zeigt man dem Empfänger der Bewerbung schon mit dem Anschreiben, dass man sich selbst einschätzen und reflektieren kann.
    Ob ein Anschreiben durchdacht oder einfach nur kopiert, dahingelogen oder überzogen ist, kann der geübte Personaler in der Mehrzahl der Fälle dann tatsächlich auch herauslesen.
    Also, grundsätzlich ist es ganz normal und menschlich, dass man sich selbst ein Stück weit über den grünen Klee lobt und sich dabei ein wenig überheblich vorkommt. Am Ende macht man nun einmal Werbung für sich selbst und da gehört es dazu, dass man die eigenen Vorzüge herausstellt, um den Leser auf sich aufmerksam zu machen.

  • hallo erstmal! 🙂

    bin auch gerade am bewerbung schreiben und hab da mal eine frage ob ich das so stehen lassen kann…

    sehr geehrter herr ….,

    ich habe mit großem interesse ihre homepage (durchstöbert?). die infomationen über ihre firma und deren aufgabenbereiche haben mich sehr angesprochen.

    …..

    lg

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