Bewerbung & Interview

Dresscode in Bewerbungsgesprächen

Heute: ein Duft liegt in der Luft

Endlich hat es aufgehört zu regnen und die Sonne lässt sich blicken. Frühlingshaft gekleidete Menschen begegnen mir am Morgen, auch wenn ihre Gesichter noch viel Möglichkeit zur Entfaltung haben. Fröhlich stehe ich am Fahrstuhl und überlege, was wohl alles auf meinem Schreibtisch rumliegt. Ein junger Mann fällt mir auf, der sich im Anzug und Hemd (ohne Krawatte, schließlich sind wir hier im IT-Umfeld) dem Fahrstuhl nähert. Er steht nun neben mir und ich in einer Wolke von Aftershave.

Ich habe den kurzen Impuls zur Seite zu springen, um nicht den ganzen Tag wie ein Mann zu riechen. Im Gesicht rote Flecken und noch sehr jung kann ich seine Anspannung förmlich sehen, aber eben nicht riechen. Sein Aftershave erfüllt jetzt den Fahrstuhl. Ich mag es leider nicht und bin froh, nicht die gesamten 27 Etagen mit ihm fahren zu müssen. Ich kann es mir nicht verkneifen und frage etwas gehüstelt: „Na, Vorstellungsgespräch?“ Er bejaht es und ich sage noch schnell: „Das riecht man“ und lächle dabei. Ich hoffe insgeheim, dass die Menschen, die er trifft, entweder einen starken Schnupfen oder mit starken Düften kein Problem haben.

Im Büro angekommen berichte ich von meinem „Aftershave-Morning“ und jeder hat eine Geschichte zu erzählen, in der aufdringliche Düfte aus der Kosmetikindustrie eine Rolle spielen. Schnell wird klar, dass Gerüche oder besser Düfte uns im Business ständig begleiten; meist nicht im Vordergrund, aber manchmal sehr einprägend.

Duft im Bewerbungsgespräch

Der Klassiker hat sich rumgesprochen und viele wissen, dass der erste Eindruck von einem Menschen innerhalb von 3 Sekunden darüber entscheidet, ob man jemand sympathisch findet oder nicht. Dazu gehört das Erscheinungsbild, welches sich möglichst mit dem Bewerbungsfoto vergleichen lassen sollte. Überraschungen mögen Personalverantwortliche an der Stelle eher nicht. Ein Lächeln, ein Händedruck, ein freundliches „Guten Tag“ und eben der Geruch können von uns innerhalb kurzer Zeit aufgenommen und im Gehirn zu einem Sympathiecheck verarbeitet werden.

Gerüche schaffen schnell Assoziationen und können einen sogar in kürzester Zeit in ferne Länder reisen oder nette Erlebnisse wiederbeleben lassen. Wir können in der olfaktorischen Wahrnehmung ca. zwischen 10.000 Varianten unterscheiden. Vor allem dienten uns Gerüche in der Evolution um schlechte von guter Nahrung zu unterscheiden, die Artgenossen zu erkennen, vor dem Feuer zu fliehen oder den geeigneten Sexualpartner zu finden. Gerüche sprechen unser sogenanntes Reptiliengehirn an, Moschus z.B. wird noch in den allerkleinsten Konzentrationen von unserer Nase wahrgenommen.

Wir können also nicht beeinflussen, welche Assoziationen oder biochemischen Effekte wir bei unserem Gegenüber mit einem künstlich hergestellten Duft erzeugen. Vielleicht kann man bei Vertragsverhandlungen viel Moschus tragen, um die besseren Konditionen zu verhandeln?!

Im Vorstellungsgespräch haben starke Düfte nichts zu suchen. Wählt ein dezentes Deo oder Parfüm. Auch sollte man sich für das große Ereignis nicht ein neues Parfüm zulegen, man könnte sich sogar damit selbst irritieren, wenn dann noch der Schweiß der Anspannung dazu kommt.
Man kann sich in diversen Drogerieketten oder Parfümerien gut beraten lassen und sollte immer daran denken, dass man sich nicht nur selbst gut riechen können sollte.

Über den Autor

Ina

Ina ist Personalerin mit Leib und Seele und war von Juni 2012 bis Mai 2015 unsere Frau an der “Front”. Sie hat bereits in der Personalentwicklung, als Headhunter und als Personalleiterin gearbeitet. Heute ist sie auch in Sachen systemische Beratung unterwegs, coacht und begleitet Fach- und Führungskräfte. Ina hat viel erlebt, was im Personalwesen passieren kann und ist gespannt auf das, was sie noch nicht erlebt hat. Über ihre Erfahrungen berichtete sie auch hier auf dem Bewerberblog.

4 Kommentare

  • Welchen Sinn macht es, sich für den neuen, potentiellen Arbeitgeber zu verstellen? Man sollte sich immer die Frage stellen „will ich mir gefallen oder will ich den anderen gefallen?“.

    Natürlich sollte man sich dem Anlass entsprechend kleiden und Piercings herausnehmen. Aber die Wahl des Parfüms sollte meiner Meinung nicht relevant für ein Bewerbungsgespräch sein – es sei denn, ich möchte immer auf das Parfüm verzichten.

  • Sensibilisiert surch den Spiegelartikel über die Sprachreform an der Uni Leipzig, (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/gleichberechtigung-uni-leipzig-nutzt-weibliche-bezeichnungen-a-903530.html ) frage ich mich ganz besorgt, wie wir mit dem Tier in diesem Artikel diesbezüglich umgehen sollen. Es handelt sich ja ganz eindeutig um ein Prachtexemplar des Moschussochsen. Wie heist eigentlich die weibliche Form des Moschussochsen? Moschussöchsin???
    Moschusskuh…….

    fragt ganz besorgt um das korrekte Verhalten

    Reinhard

  • Hallo Roman,

    ich gebe Dir Recht! Verstellen nützt nichts, sollte auch auf keinen Fall passieren. Wie immer geht es nur um die Dosis. Maßvoll durchs Leben eben.

    Ina

  • Vielen Dank für den super Beitrag :) Jedoch bin ich der Meinung, das parfüme zwar dezent aufgetragen werden sollen und nicht unangenehm werden sollten, jedoch hat dies nicht so sehr viel mit dem symphathiecheck zu tun. 97% der Kommunikation macht die Körpersprache aus. Ob derjenige sich wohl fühlt, selbstbewusst ist, (zb. fester aber freundlicher Händedruck) usw. Die Restlichen 3 Prozent macht die Kommunikation aus. Die Gerüche die du hier nennt, sind nicht die von uns Menschen entwickelten Gerüche die mit in die symphathie wirken sondern die eigens vom Körper produzierten Gerüche, und das hat nichts mit den vom Menschen bewusst wahrgenommenen Gerüchen zu tun

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