Körper, Geist & Job

Haben es Narzissten leichter im Leben?

„Ich bin der/die Allerbeste und das muss ich auch allen zeigen – besonders  im Vorstellungsgespräch! Wer mich danach nicht will, der hat Pech gehabt!“ Selbstliebe, Eitelkeit, Prahlerei sind die Merkmale eines Narzissten. Wer mag die schon? Nach einer Studie heißt es aber, dass Bewerber mit narzisstischer Persönlichkeit erfolgreicher sind als gleich qualifizierte Kandidaten, die bescheidener wirken.

Andere Länder – andere Sitten. Kandidaten, aus solchen Kulturen, in denen auf Bescheidenheit viele Wert gelegt wird, haben es anscheinend schwerer, sich bei der Jobsuche und in den Vorstellungsgesprächen durchzusetzen.

Während der Studie, die an der Universität von British Columbia durchgeführt wurde, wurden typische Bewerbungssituationen mit verteilten Rollen auf Video aufgezeichnet. Bevor die Teilnehmer an den fiktiven Vorstellungsgesprächen teilgenommen haben, mussten sie Fragebögen ausfüllen, auf Basis welcher ihr Niveau des Narzissmus gemessen werden sollte.

Die Interviewvideos wurden später von einem Team ausgewertet und meiner Meinung nach, wurde nichts Neues herausgefunden. Sie beobachteten, dass Narzissten dazu neigen, viel über sich selbst zu sprechen, sie halten mehr Blickkontakt, machen Witze und stellen auch an die Interviewer Fragen. Als Ergebnis der Studie wurde festgestellt, dass die Teilnehmer, die als narzisstisch eingestuft wurden, als die attraktiveren Kandidaten für die Positionen gehalten wurden.

Die Forscher fanden auch heraus, dass die Teilnehmer der japanischen, chinesischen und koreanischen Kulturen in einer niedrigen Narzissmusebene eingestuft wurden und weniger darauf bestanden haben, sofort ein Jobangebot nach dem Interview zu bekommen.

Zwar hört sich das ganz schöne nach Vorurteilen gegenüber unterschiedlicher Kulturen an aber eine Lehre können sich sowohl Bewerber als auch auch Arbeitgeber daraus ziehen.

Ein Vorstellungsgespräch ist eine der wenigen sozialen Situationen, in denen narzisstische Verhaltensweisen wie Prahlerei tatsächlich einen positiven Eindruck hinterlassen. Normalerweise schreckt Menschen solch ein Verhalten ab, besonders wenn sie diesem ständig ausgesetzt sind.

Die Bewerber sollen sich nicht nur selbstbeweihräuchern, sondern auch auf den Interviewer eingehen. Auch Arbeitgeber sollten darüber nachdenken und hinter den kulturellen Hintergrund der Kandidaten schauen. Die persönlichen Fähigkeiten und Qualifikationen sollten im Vordergrund stehen. Anstatt der oberflächlichen Nettigkeiten muss der Arbeitgeber das Potential der Kandidaten für eine langfristige Bindung erkennen. Natürlich ist es oft wichtig, dass man sich gut verkaufen kann, aber da muss auch was dahinter stecken.

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

2 Kommentare

  • Jetzt mal Narzissmus hin oder her. Wenn ich nicht der Meinung wäre, dass die Firma mich brauchen könnte, bewerbe ich mich da ja nicht (es sei denn ich werden bspw. vom Amt gezwungen). Ein Bewerbungsgespräch ist kein Kaffeeplausch, das ist knallhartes Business. Natürlich will und muss man sich in diesem Verkaufsgespräch (schließlich will man seine Arbeitskraft verkaufen) von der besten Seite präsentieren und versuchen, dem gegenüber Wohlbehagen zu bereiten. Jede Schwäche kann zur Nichteinstellung oder niedrigerem Gehalt führen.
    Mag sein, dass Narzissten dieses Selbstmarketing von Natur aus etwas leichter fällt. Der Rest muss sich diesem halt bewusst werden und diese Situationen vorher üben.

    Eine interessante Frage wäre ja auch noch: sind deswegen Narzissten auch die besseren Verkäufer im Allgemeinen?

  • Ich gehe stark davon aus, dass Narzissten gute Verkäufer sind – ob sie die besseren sind, ist schwer zu sagen. Es kommt sicherlich immer auf den Gegenüber an. Es gibt genügend Arbeitgeber, die sehr empfindlich auf übertriebenes Selbstbewusstsein reagieren. Ich denke, man muss so viel Feingefühl haben – das gilt für beide Seiten – dass man genau weiß, wie man was dosieren und interpretieren muss. Wenn die Selbstliebe über allem anderen steht und einen blind und taub macht, kann man nichts gut verkaufen.

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