Körper, Geist & Job

Urlaub? Hauptsache weg!

Quelle: Peter Freitag/pixelio.de
Geschrieben von Angelika

Nach meinem letzten Blogbeitrag zum Thema Urlaubsantrag, soll es heute um das Thema Urlaubsziele gehen. Gestern erst habe ich einem Mitarbeiter nahegelegt, seinen dreiwöchigen, bereits abgesegneten Urlaubsantrag zurückzunehmen und ihn mit meiner charmanten Art davon überzeugt, dass Winterurlaube auch schön sein können – vor allem wenn der Winter ein Sommer in Neuseeland ist!

Ich versichere, dass es keine Tränen gab, dafür aber ein neues spannendes Projekt, welches sich im Lebenslauf gut macht und so hatten wir die so häufig gelobte Win-Win-Win – Situation geschaffen und alle Parteien glücklich gemacht. Glück wiederum passt ja zum Thema Urlaub. Warum sind wir eigentlich so glücklich, wenn wir in den Urlaub fahren dürfen? Wahrscheinlich weil wir uns endlich trauen, Abstand von Sachen zu nehmen, die nerven, wir sehen Dinge, von denen wir sonst nur träumen, wir (versuchen zu) genießen, wir entspannen, wir lesen endlich mal wieder ein gutes Buch! Wir bilden uns ein, dass wir das woanders irgendwie besser können, als in heimischen Gefilden. Hauptsache weg, lautet die Devise!

Mit dem Stichwort „Buch“ leite ich über zu einer amüsanten Kurzgeschichte meines Lieblingsschriftstellers Martin Suter. Der hat anscheinend häufiger beobachtet, wozu Kollegen in der Lage sind, nämlich ein Urlaubsziel des anderen erst zu zerpflücken um es dann selbst in Erwägung zu ziehen….

Neues von der Leistungsgrenze

Haug? In Katmandu?“ „Nicht in Katmandu selbst. Im Himalaja.“ „Und was macht Haug im Himalaja?“ „Ein bis zwei Sechstausender.“ „Ist er jetzt total übergeschnappt?“ „Es bringt ihm viel, sagt er.“ „Im Himalaja auf Sechstausender steigen bringt ihm viel?“ „Er sagt, man fühle sich dort so klein und unbedeutend.“ „Ja, fühlt er sich denn hier groß und bedeutend.“ „Wahrscheinlich.“ „Bestimmt. Er fühlt sich uns… wie hoch sind wir hier?“ „Etwa 600 Meter.“ „Er fühlt sich uns um 5400 Meter überlegen.“ „Meinst du?“ „Ein bis zwei Sechstausender, nur um sich klein und unbedeutend zu fühlen. Das könnte er billiger haben.“ „Zum Beispiel?“ „Mit einer kleinen internen Umfrage, zum Beispiel.“ „Vielleicht tut es ihm gut.“ „Das bezweifle ich. Wenn er zurückkommt, fühlt er sich uns um die Erfahrung überlegen, sich klein und unbedeutend gefühlt zu haben.“

„Wenn er zurückkommt. Soll ja nicht ungefährlich sein.“ „Ach komm, der riskiert doch nichts. Der ist sich viel zu unersetzlich.“ „Täusch dich nicht. Nur in Extremsituationen findet man sich selbst.“ „Das Extremste wäre, dass es ihm gelingt.“ „Sich selbst zu finden?“ „Das stell ich mir allerdings lebensgefährlich vor: Haug begegnet Haug. Auf sechstausend Metern. Im Himalaja.“ „Du magst ihn nicht.“ „Du schon?“ „Er hat nun einmal diesen Drang, sich selbst zu spüren. Seine Leistungsgrenze zu erkunden.“ „Leistungsgrenze erkunden!“ „Es gibt viele Leute, die das einfach ab und zu brauchen: erfahren, wo die persönliche Leistungsgrenze liegt.“ „Das allein ist schon so unglaublich überheblich: zu meinen, so weit suchen zu müssen.“ „Da ist etwas dran.“ „Meine Leistungsgrenze liegt bei sieben Liegestützen. Dazu brauch ich nicht den Himalaja.“ „Das ist ja nicht nur körperlich. Das ist auch eine mentale Erfahrung. Völlig ausgepumpt in der dünnen Luft des Hochhimalaja und die allerletzte Gewissheit: Jetzt kann ich nicht mehr.“ „Jede Wette: Er kommt als der gleiche Schafseckel zurück, als der er gegangen ist. Bestenfalls!“ „Vergiss nicht das kulturell-religiöse Umfeld. Das kann einen Menschen schon verändern.“ „Du klingst, wie wenn du dich auch dafür interessieren würdest.“ „Nicht direkt interessieren. Aber eine Erfahrung wäre es eventuell schon.“ „Sich klein und unbedeutend zu fühlen? Sich auf sechstausend Metern selbst über den Weg zu laufen? An der Leistungsgrenze zu patrouillieren? Das darf doch nicht dein Ernst sein.“ „Ich habe jedenfalls Unterlagen bestellt. Unverbindlich.“ „Du spinnst.“ „Es soll auch sehr entbehrungsreich sein.“ „Umso schlimmer.“ „Man nimmt, scheint’s wahnsinnig ab.“ „Wo, sagst du, gibt es diese Unterlagen?“

 

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

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