Körper, Geist & Job

Kollege, du stinkst!

Quelle: Paul-Georg Meister/pixelio.de
Geschrieben von Angelika

Heute nennen wir das Kind mal beim Namen – es heißt: schlechter Körpergeruch. Wir rümpfen die Nasen, erfinden Umwege, lüften auch bei Minusgraden, planen Auswärtstermine, nur um IHM zu entgehen; nein! wir sollten auch hier politisch korrekt bleiben – es muss „ihm“ oder „ihr“ heißen. Was bitte soll man tun, wenn der olfaktorische Spannungsbogen täglich von den Kollegen überzogen wird?

Die Doofen – Mief on YouTube

Vor einigen Jahren noch fand ich dieses Thema eher witzig, beklagte sich doch eine liebe Kollegin über ihren Büro-Mitbenutzer. Das Thema wurde von vorn nach hinten durchgekaut und nochmal von hinten nach vorn und am Ende blieb es bei den Leidenden und wurde nicht an den Verursacher herangetragen. Irgendwann kündigte der Kollege; das Problem hatte sich quasi verflüchtigt. Dabei hatten wir uns doch schon fast an die Ökoklamotten, die schlurfenden Schritte in den Birkenstocks, das Kaffeetassengeschlürfe und den intensiv-würzigen Körperduft gewöhnt!

Kürzlich jedoch hatte ich das gleiche Problem direkt mir gegenüber sitzen. Eine Callcenterwand brauchten wir nicht, denn die Luft war so dick, dass nur noch verschwommene Bilder und einzelne Wortfetzen durch sie hindurch drangen. Ich bin nicht sicher, ob die verschwommenen Bilder nicht auch regelmäßig durch meine eigene nahestehende Ohnmacht erzeugt wurde. Und das obwohl ich kein Geruchsfreak bin – wie manch andere hier im Büro. Über Zwiebeln und Knoblauch rieche ich großzügig hinweg. Bei Alkohol wird es schon schwieriger. Da ziehe ich mein Geruchsorgan – so gut es eben geht – ein, aber Permanentschweiß – da hört die Freundschaft auf!

Ich gab ihm 7 Tage Zeit, unter die Dusche zu steigen, seine Klamotten zu wechseln und Deo einzukaufen. Er nutzte diese Chance nicht. So sagte ich freundlich: „Michael (Name gefälscht!), hast du mal 5 Minuten für mich?“ „Ja, mit dir wollte ich auch schon sprechen“ entgegnete er. Ich begann mit ein wenig Smalltalk und leitete dann geschickt zum eigentlichen Thema über: „Michael, bei uns im Büro riecht es.“ Er stimmte mir zu und meinte, das Problem läge bei Kollegen Jörg (Name gefälscht!). Der habe Mundgeruch. Ich fing an zu schwitzen. Ich sagte: „Ja, das mag schon sein, aber Mundgeruch ist hier nicht das Problem. Mit ein wenig Abstand riecht man das gar nicht mehr. Wir lüften seit einer Woche dauerhaft. Das Problem ist also NEU.“ Nach einer Weile hatten wir die Phase der Problem-Erkennung überwunden. Es folgte peinliche Stille und ein peinliches Auseinandergehen. Es war schmerzhaft für uns beide, aber durchaus wirksam. Der nächste Arbeitstag war geprägt von einer wundersamen Geruchsstille.

Daher nun also mein Tipp an alle Geplagten: Traut euch! Um euer Geruchsorgan Willen genehmigt es euch zu sagen, wenn ihr jemanden nicht riechen könnt. Und bitte kommt nicht mit der „Deo-auf-den-Tisch-stell-Nummer“; es sei denn ihr seid lauter Jungs im jugendlichen Alter. Ich hatte übrigens gehofft, es würde sich ein Mann finden, auf den ich mein Problem hätte abwälzen können, da es mit Sicherheit einfacher ist, von Mann zu Mann zu reden; das gleiche gilt wohl auch für Frauen untereinander.  Man sollte übrigens niemals Dankbarkeit vom Geruchsverursacher für den eigenen Mut erwarten, das Problem anzusprechen. In der Regel sieht sich derjenige bzw. diejenige als Opfer; die Leberwurstnummer folgt. Wenn euch das vorher klar ist, könnt ihr das Vorhaben des Ansprechens bakterienzersetzter Körperflüssigkeiten in die Tat umsetzen und dann ganz wichtig: selber immer gut duften!

 

 

 

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

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