(Neue) Arbeitswelt

Boreout – Ein unterschätztes Phänomen und was man dagegen tun kann

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Geschrieben von Marie

Seit langem ist das Thema Burnout in aller Munde. Betroffene fühlen sich krank und ausgebrannt aufgrund von Überforderung, zu viel Stress und mangelnder Erholung. Doch Stress kann auch durch Langeweile und Unterforderung am Arbeitsplatz entstehen – dem sogenannten Boreout. Die Folgen für Körper und Psyche sind dabei nicht zu unterschätzen.

Was ist Boreout?

Der Begriff tauchte das erste Mal im Jahr 2007 auf. Die zwei Schweizer Unternehmensberater Werder und Rothlin definierten den Begriff erstmals in ihrem Buch als langfristige Unterforderung in Kombination mit Langeweile und Desinteresse im Job. Es ist ein Phänomen, das sowohl Frauen als auch Männer in ihrem Arbeitsleben befallen kann. Die Arbeitnehmer möchten arbeiten, fühlen sich jedoch gelangweilt und unterfordert, weil ihnen die Herausforderung und Anerkennung fehlen.

Sie beginnen (manchmal sogar über Jahre) Verhaltensstrategien zu entwickeln, die den Anschein erwecken sollen, dass sie mit ihrer Arbeit ausgelastet sind. Die Angst ihren Job zu verlieren, hemmt die Betroffenen meist die Frustration und Verzweiflung offen anzusprechen.

Dieses Phänomen ist vermehrt in Bürojobs zu finden. Besonders in diesen Bereichen kann man seinen Arbeitsaufwand vor allem durch die Digitalisierung der Arbeitswelt steuern. Im Dienstleistungssektor sind vermutlich 15% der Arbeitnehmer vom Boreout betroffen.

Symptome vom Boreout

Betroffene zeigen ähnliche Symptome wie bei einem Burnout. Im Gegensatz zu Burnout-Betroffenen empfinden Boreout-Betroffene jedoch keinen Zeit- oder Termindruck und damit auch keinen echten Stress.

Trotzdem äußert sich der Boreout ähnlich einem Burnout: Die Arbeitnehmer sind meist müde und erschöpft vom Arbeitstag. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu Depressionen kommen. Außerdem fühlen sie sich gereizt, sind lustlos und haben mitunter auch physische Beschwerden wie chronische Magen-, Kopf oder Rückenschmerzen.

Durch die physischen und psychischen Beschwerden führt die Unterforderung langfristig vermehrt zu Fehlern bei der Arbeit, die durch die Betroffenen in den meisten Fällen später und schlechter erkannt und korrigiert werden.

 

Hintergrund

Stress an sich muss nicht immer schlecht sein. In der richtigen Dosis steigert er sogar die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer. Das richtige Maß vermittelt Arbeitnehmern ein Erfolgserlebnis und positive Gefühle der Wertschätzung. Wenn die Jobanforderung jedoch die Fähigkeiten und Möglichkeiten einer Person übertreffen, kommt es unter Umständen zu einem Leistungsabfall durch zu viel Stress. Das Gleiche kann auch bei der Unterforderung passieren.

Checkliste leidest du unter Boreout?

Mithilfe unserer kurzen Checkliste kannst du feststellen, ob du vielleicht am Boreout leidest. Wenn du auf mindestens vier der folgenden Punkte mit „Ja“ antworten kannst, solltest du das Gespräch mit deinem Vorgesetzten suchen.

  • Deine Aufgaben sind monoton und langweilig? Dir fehlen neue Herausforderungen? Du lernst nichts dazu?
  • Dir fehlt der Sinn in deinen Aufgaben? Du fühlst dich in deinem Aufgabengebiet austauschbar?
  • Du denkst häufig an einen Jobwechsel, hast aber Angst vor den Risiken wie z.B. niedrigeres Gehalt?
  • Du erledigst oft private Angelegenheiten während deiner Arbeitszeit? Wir reden hier nicht von einem kurzen Blick aufs Smartphone, sondern um regelmäßiges Zeitvertrödeln für Freizeitangelegenheiten.
  • Du kommst müde und ausgelaugt nach Hause, obwohl du keinerlei Termindruck hast?
  • Hast du das Gefühl in letzter Zeit häufiger krank zu sein und nicht wieder richtig gesund zu werden?
  • Du gehst am Morgen mit einem unguten Gefühl zur Arbeit und kannst dich auch während Tages nicht weiter motivieren?
  • Dein Selbstwertgefühl ist in letzter Zeit gesunken und du fühlst dich im Umgang mit anderen unsicherer als früher?
  • Du arbeitest langsamer und brauchst für einfache Aufgaben ungewöhnlich lang?
  • Du hast immer ein wichtiges Dokument geöffnet, damit Außenstehende denken, du wärst beschäftigt?

Was tun, wenn du an Boreout leidest?

  1. Das Problem erkennen und es dokumentieren
  2. Beim Chef oder Vorgesetzten das Problem direkt ansprechen
  3. Gleichgewicht zwischen den drei Faktoren der Jobzufriedenheit Zeit, Geld und Sinn finden
  4. Versuche dich auch unabhängig vom Job intellektuell zu fordern
  5. Konsequenzen ziehen und dich unter Umständen um- / neuorientieren

Über den Autor

Marie

Marie ist seit November 2016 im Team und kümmert sich um alle Themen, die für das Personalmarketing von Interesse sind. Während ihres internationalen BWL-Studiums lebte sie in China und Großbritannien, wo sie auch ein Praktikum absolvierte. Im Blog wird sie uns daher u.a. die Arbeitswelt anderer Länder vorstellen. Außerhalb des Büroalltags backt sie gern Kuchen und ist ein Fan der internationalen Küche.

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