Körper, Geist & Job

Neues vom Blog-Doc: Sollen wir Eizellen einfrieren oder nicht?

Quelle: uschi dreiucker/pixeliode
Geschrieben von Blog Doc

Die Nachricht, dass Facebook und Apple ihren MitarbeiterINNEN anbieten, die Kosten für das Einfrieren von Eizellen zu übernehmen, verbreitete sich im letzten Monat rasant im Netz und sorgte vor allem für viel Aufregung. Ziel dieser Idee soll es sein, das Kinderkriegen hinauszuzögern und jungen Frauen dadurch eine Karriere zu ermöglichen. Man könnte jetzt viel über Sinn und Unsinn von „Social Freezing“ diskutieren, vielleicht gaben die Schlagzeilen im Oktober auch nur die halbe Wahrheit wieder. Die Frage, ob Karriere und Kinder nun zu vereinen sind oder nicht, soll an dieser Stelle auch nicht im Fokus stehen. Wir möchten zunächst eine Verständnisgrundlage schaffen und eine medizinische Erläuterung zum Einfrieren von Eizellen geben. Denn bevor man über eine Firmenpolitik diskutiert, ist wichtig zu verstehen, was eigentlich unternommen werden muss, damit Eizellen „haltbar“ bleiben. Wer könnte das besser, ihr ahnt es sicher schon, als unser Blog-Doc …

Lieber Blog-Doc,

meine Frau (34) ist für ein IT-Unternehmen in der Projektleitung tätig und betreut einen für das Unternehmen sehr wichtigen Großkunden. Nun hat ihr Arbeitgeber ihr das Angebot a la Apple und Facebook unterbreitet, die Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen zu übernehmen aus der Sorge heraus, sie könnte plötzlich in ihrer verantwortungsvollen Position nicht mehr zur Verfügung stehen.

Während ich gern endlich Vater werden würde, ist sie unentschieden, ob sie dieses Angebot annehmen soll. Was kannst du uns  aus medizinischer Sicht raten?

Viele Grüße,

Mark

 

Lieber Mark,

eine gute Frage, die du mir da stellst!

Zum Zeitpunkt des Elternwerdens möchte ich vorab sagen, dass nur ihr beiden entscheiden könnt, wann ihr Eltern werden möchtet; ob es dann problemlos klappt, ist immer noch eine ganz andere Sache.  Und wie viele immer sagen: Einen idealen Zeitpunkt zum Kinderkriegen gibt es sowieso nicht. Doch wenn die Eckpunkte Partnerschaft, Raum und Finanzen stimmen, sollte man sich auch bewusst dazu entscheiden!

Wenn man als Frau fürchtet, die Karriereleiter anschließend nicht weiter oder nicht mehr erklimmen zu können, sind diese Befürchtungen nicht unbegründet. Doch gerade bei großen Unternehmen ist der Blick darauf ratsam, wie familienfreundlich sich das Unternehmen darstellt und man sollte Angebote auch einfordern! Kleinere Unternehmen sollten ihren Arbeitnehmerinnen keine Steine in den Weg der Familienplanung legen, sondern Lösungsangebote parat haben, wie die Arbeit bewältigt werden kann.

Nun aber zu der medizinischen Seite der Eizellenreifung, der Eizellenentnahme und des Eizelleneinfrierens –  auch „Kryokonservierung“ genannt –  und damit zur eigentlichen Frage:

Ursprünglich wurde die Methode für junge Krebspatientinnen entwickelt, die später eine Familie gründen wollen. Ihnen wurden vor Therapiebeginn Eizellen entnommen, und diese wurden eingefroren, da die Zellen in den Eierstöcken durch die Krebsbehandlung Schaden nehmen können.

So funktioniert nun das Einfrieren der Eizellen: Die ersten Schritte des Social Freezing gleichen denen einer künstlichen Befruchtung: Der Frau werden mehrere Tage lang Hormone gespritzt, um die Reifung mehrerer – im Idealfall 6-10 – Eizellen anzuregen. Diese Hormone haben – wenn man den Beipackzettel genauer betrachtet, ihre Risiken, die nicht zu unterschätzen sind. Wenn die Eizellen die richtige Größe erreicht haben, wird ein weiteres Hormon gespritzt um den Eisprung auszulösen. Die Eizellen werden dann in einem kurzen Eingriff per Nadel (ca. 30 cm lang!) über die Vagina entnommen. Dazu ist eine ca. 20 minütige Vollnarkose notwendig, da jede kleinste Bewegung zu Verletzungen und zum Mißerfolg der ganzen Aktion führen könnte. Der nächste Schritt bei einer künstlichen Befruchtung wäre das Zusammenführen der Eizelle mit einem Spermium. Beim Social Freezing werden die Eizellen aber tiefgekühlt und aufbewahrt, bis sich die Frau für Befruchtung und anschließende Einpflanzung der Embryonen entscheidet. Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers statt, daher lieber Mark, wäre dein Einsatz in einem Raum mit anregenden und unterstützenden Medien gefragt. Keine besonders romantische Vorstellung, oder?
Für die Erfolgsaussichten ist das Alter der Frau ist entscheidend, sowohl bei der Eizellentnahme als auch zum Zeitpunkt des Transfers. Werden die Eizellen im Alter von ca. 25-35 entnommen, gilt demnach: 80 bis 90 Prozent der Zellen überstehen Einfrieren und Auftauen, von diesen lassen sich 50 bis 70 Prozent normal befruchten. Bei zehn eingefrorenen Eizellen sind nach einer australischen Studie drei bis vier Embryonen zu erwarten, die der Frau eingepflanzt werden könnten.Nach Angabe von Frauenärzten führen zwischen 25 und 60 Prozent der eingepflanzten Eizellen nach einer künstlichen Befruchtung zu einer Schwangerschaft, die Chancen sind für junge Frauen besser als für ältere. Häufig werden mehrere Embryonen eingepflanzt, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Fehlgeburten treten relativ oft auf. Laut dem Bericht des deutschen IVF-Registers 2012 endeten rund 18 Prozent der Schwangerschaften nach einer In-vitro-Fertilisation mit einem Abort.Und nun noch einmal zu einem nicht selten auftretenden Risiko: Die Hormonbehandlung zur Eizellreifung kann das sogenannte Überstimulationssyndrom hervorrufen – hierbei reifen nicht die gewünschte Anzahl von Eizellen, sondern bis zu 25 oder 30 Eizellen heran. Die Eierstöcke vergrößern sich, es sammelt sich Flüssigkeit im Bauchraum. Die Folgen sind heftige, stechende Schmerzen, Übelkeit, Kurzatmigkeit. Eine sehr seltene Komplikation ist ein Gefäßverschluss, der schlimmstenfalls tödlich enden kann.
Da mit zunehmendem Alter die Gewinnung einer ausreichenden Menge Eizellen schwieriger wird, steigt die Zahl der nötigen Behandlungszyklen – mitsamt den einhergehenden Risiken und Kosten.

Aus gesundheitlicher Sicht sollte es daher aus meiner Sicht keine Fragen mehr zum Thema „Social Freezing“ geben….

Herzliche Grüße,

Euer Blog-Doc

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