Bewerbung & Interview

Kennt Ihr den Pinguin, der sagt: „…einfach mal Fresse halten“?

Manchmal wünschte ich in Vorstellungsgesprächen beim Kunden, dass ich über einen kleinen Ohrstecker dem Kandidaten die richtige Antwort auf gestellte Fragen soufflieren könnte. Eine entsprechende automatische Funktion: „Jetzt einfach mal den Mund geschlossen halten“ – wäre auch eine hilfreiche Sache…

Neulich gehe ich mit einem Kandidaten zu einem mittelständischen Technologie-Unternehmen zum Vorstellungsgespräch. Es geht um eine Assistenten-Stelle, die dringend befristet zu besetzen ist. Eigentlich möchte der Bewerber im Bereich Prozessmanagement arbeiten, ist jedoch seit einem dreiviertel Jahr ohne Arbeit und findet auf dem gewünschten Gebiet in der Region keinen Einstieg. Ich versuche, ihn davon zu überzeugen, sich einmal die befristete Stelle anzusehen und das Ganze als Einstiegs- und Netzwerkmöglichkeit zu betrachten. Letztendlich ist es eine super Chance!

Die Geschäftsführer erwarten uns schon und beginnen ein sehr offenes und  freundliches Gespräch mit dem Kandidaten. Alles läuft gut. Der Bewerber erzählt, welche interessanten Arbeitserfahrungen er schon bei seinen Praktika und zwei Festanstellungen sammeln konnte. Nun kommt’s: Anstatt sich im weiteren Gespräch gedanklich der neuen Rolle anzunehmen, fängt er an, davon zu berichten, dass eine Tätigkeit im Prozessmanagement sein eigentlicher Wunsch sei und fragt, ob denn anschließend an die befristete Assistenzstelle eine weitere Tätigkeit im Bereich Prozessmanagement möglich sei, wie die Perspektiven in diesem Bereich aussähen. Die Geschäftsführer reagieren gelassen. Ich denke nur:  „Schade“.

Zum Abschluss des Gesprächs wollen die Herren wissen, ob sich der Bewerber trotzdem vorstellen kann, E-Mails zu lesen, Post zu verteilen, Anrufe entgegen zu nehmen und Dokumente auf Korrektheit zu überprüfen. Die Antwort: Also so einfach sei das nicht, er müsse sich das schließlich gut überlegen, bis morgen bräuchte er auf jeden Fall Bedenkzeit… Die Geschäftsführer reagieren gelassen.

Ich denke nur: „Schade“.

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

4 Kommentare

  • Wirklich schade.
    Auch wenn es nicht die Traumstelle ist, so sollte man sich doch einfach mal drauf einlassen. Dabei ergeben sich manchmal die besten Möglichkeiten. Ich würde so ein Stellenangebot mit Kusshand nutzen. Wenn es in meiner Region wäre…

  • Hallo Mel,
    genauso sehe ich das auch! Manchmal lohnt es sich, einfach mal einen guten Job zu machen und darauf zu vertrauen, dass jemand da ist, der das erkennt und schätzt und daraufhin neue Perspektiven einräumt…

  • Ist es denn wirklich so schlimm ganz ehrlich nach den weiteren Möglichkeiten zu fragen, wenn der angebotene Job überhaupt nicht das ist, was der Kandidat möchte? UND: Ich glaube nicht, dass es für jemanden eine Chance ist, eine Tätigkeit auszuüben die er nicht möchte / ihn nicht interessiert & dann noch zu hoffen, das sei seine Chance / sein Sprungbrett. Ich wäre da nicht motiviert genug, mich bei so minimalen Erfolgschancen total reinzuhängen!

  • Hallo Aniko,
    naja, das muss man immer abwägen. Von einer Tätigkeit als Reinigungskraft in diesem Unternehmen hätte ich auch abgeraten, aber in diesem Fall sitzt man an der Schaltstelle, genau bei den Geschäftsführern, übernimmt einen Großteil der Kommunikation, bekommt interne, auch informelle Informationen und Entscheidungen mit – das sind alles Dinge, die einem später sehr nützlich sein können. Von oder mit den „Großen“ zu lernen, ist – denke ich – das Beste was man tun kann, auch, wenn es unter Umständen Schmerzen bereitet.

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