Ratatouille

Traumberuf gesucht? Rauf auf die Jungfrau!

Also, Kopfkino erst mal anhalten: ich sage Euch gleich, worum es geht:

Es gibt ein Land, etwas südlich von uns. Hinter den 7 Bergen, bei den 7 Zwergen. Das Land heißt Schweiz. Es ist mit erhabenen Gipfeln und glitzernden Seen gesegnet. Dort gibt es einen Ort – Grindelwald – von wo aus man eine verrückte „Welt“reise starten kann, neben täglich 5000 anderen Erdenbürgern, meist Chinesen, Koreanern, Indern und Japanern.

Das Ziel heißt Jungfraujoch! Die Fahrkarte kostet für einmal hoch und einmal halb wieder runter – so wie wir es gemacht haben 145 Schweizer Franken (umgerechnet ca. 120 EUR) und die einfache Fahrt dauert ca. 45 Minuten.  Es war die teuerste Zugfahrt meines Lebens – auf die Km umgerechnet – und doch habe ich es nicht bereut.

Schon mal was von der Eiger Nordwand gehört? Zerlöchert wie ein Schweizer Käse ist der Berg – mit Kuckfenstern für die lieben Zugzahler. Bis auf knapp 3500 m (der höchst gelegene Bahnhof Europas!) geht es hoch und dann ist man im Hochsommer bei 2 Grad Celsius auf einmal mitten überm Gletscher und bestaunt von der Plattform aus die gewaltige Natur. Doch das,  was man da oben nicht erwartet, ist eine einzige große Unterhaltungsshow – wie z.B. einen Eispalast im 250 m langen Erlebnisrundgang „Alpine Sensation“ mit Erlebnisnischen, die in sinnlichen Einzelbildern, in Licht und Musik von der Gegenwart und der Vergangenheit des Tourismus in der Jungfrau Region, von der grossartigen Idee von Adolf Guyer-Zeller und den extremen Anstrengungen beim Bau der Jungfraubahn erzählen. Draußen kann man die Sphinx–Halle besichtigen und eine Spaßschlittenanlage „Snow Fun“. Es gibt sogar ein Bollywood-Restaurant – was nichts anderes als ein indisches Buffetraum ist mit lauter Bollywood-Star-Postern an der Wand und essenden Indern, die einen als Europäer nur verständnislos ansehen, wenn man sich dahin verirrt. Die Chinesen bringen lieber ihre Fertignudelsuppen in Pappbechern mit und bringen die Leute hinterm Tresen schier zur Verzweiflung, wenn sie pausenlos um heißes Wasser bitten, anstatt mit einem anständigen Schweizer Sandwich den Umsatz zu erhöhen.

Und als wir da durch diese Gänge wandeln, frage ich mich, warum es neben der eigentlichen Attraktion – nämlich der unglaublichen Sicht über die schneebedeckten Berge und Gletscher – diese Vielzahl an Unterhaltungsmöglichkeiten gibt. Aber ist doch klar, wird mir im 6m/sek – Fahrstuhl zur Sphinx bewußt: irgendwie müssen die Besucherströme halt beschäftigt und reguliert werden, also muss man da oben ja auch Unterhaltung anbieten, bis die die Züge wieder bergabwärts nehmen.

Zwei Tage später lerne ich bei einer Hochzeit am Zuger See den Onkel des Bräutigams kennen. Und was macht der beruflich? Er kümmert sich mit seiner Firma genau um oben Genanntes. Er organisiert weitere Tunnelbaue (soll in zwei Jahren auch direkt durchs Gletschereis gebaut werden!), lenkt die Besuchermassen mittels Attraktionen, plant Beschilderungen usw. Es gibt langweiligere Jobs! Nach zwei weiteren Wein und einem „Ihr seid echte Helden, dass Ihr diesen Preis für die Bahn gezahlt habt“ (würde ich gern auf Schweizerdeutsch widergeben, kann ich aber nicht) erzählt er auch von den Problemen: z.B., dass die zügige Auffahrt häufig zu Kreislauf und Verdauungsbeschwerden führt und die Kotz- und Kothäufchen (ja wirklich!) oftmals in den Ecken der Gebäude und Gänge zu finden seien. Die Angestellten bekommen pro „Häufchen“, welches sie wegmachen, extra 30 CHF zusätzlich zum Gehalt – ansonsten würde die Entsorgung da oben nicht freiwillig stattfinden… Was die Abwässer angeht – sie werden erst gesammelt und dann „päckchenweise“ durch die Rohrleitungen nach unten geschickt, hier gäbe es immer wieder Vereisungsprobleme. Auch die Beamer für die Videoshows funktionierten nicht zuverlässig in der Höhe, bei den Temperaturen… Das sind doch wirkliche Probleme, wirkliche Herausforderungen – wer kann das schon von seinem Job behaupten?

Wer mehr zur 100-jährigen Jungfrau-Bahn wissen möchte, geht am besten auf jungfrau.ch!

Über den Autor

Angelika

Kümmerte sich von 2010 bis 2017 um die Vermittlung von Freiberuflern. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgte sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

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