Bewerbung & Interview

„Chancenreicher durch Softskills“- und keine/r geht hin!

Was ist denn das? Heute war die große Eröffnungsveranstaltung zur Ferienakademie der Ernst- Abbe-Fachhochschule Jena. Die Presse war informiert, die Rektorin hat ein Grußwort parat, zwei Unternehmen wollen Impulsreferate halten zum oben genannten Thema- nur es gab keine Studenten.

Das heißt: doch eine Studentin von 150 für die Ferienakademie angemeldeten Studenten hat den Weg in die Aula der FH gefunden. Jetzt könnte man denken, hier ist schlecht informiert worden. Das verwerfe ich dann wieder, denn die eine Studentin war ja informiert. Sollte ich etwa in das Horn der undankbaren, verwahrlosten Jugend stoßen? „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ (Sokrates 470-399 v. Chr.) Das kennen also die Leute aus der älteren Generation schon seit Jahrtausenden, regen sich aber immer wieder darüber auf. Aber im Ernst: ich frage mich wirklich, warum kein Interesse an einer Eröffnungsveranstaltung teilzunehmen, die zu meinen Kursen der Ferienakademie gehört? Jetzt habe ich es: es gab keine Incentives für die Teilnahme, keinen iPod, keinen Hotelgutschein, nichts! Vielleicht hätte das die Studenten mehr animiert gemeinsam mit Ihrer Rektorin und den anwesenden Unternehmern und Dozenten über die weichen Faktoren und deren Gewicht im beruflichen Kontext nach zu denken, nach zu fragen und zu diskutieren. Wie wäre es denn mit dem soften Skill Respekt oder Anerkennung oder Achtung vor der anderen Arbeit. Hat jemand eine Ahnung, wie viel Mühe in der Vorbereitung solch einer Veranstaltung steckt, wie voll Terminkalender von Hochschulrektorinnen und Geschäftsführer/innen sind?

Kein Wunder, dass ich heute doch dem alten Sokrates beipflichte. Vielleicht kommt ja morgen ein junger Mensch und stimmt mich wieder um…

Über den Autor

Ina

Ina ist Personalerin mit Leib und Seele und war von Juni 2012 bis Mai 2015 unsere Frau an der “Front”. Sie hat bereits in der Personalentwicklung, als Headhunter und als Personalleiterin gearbeitet. Heute ist sie auch in Sachen systemische Beratung unterwegs, coacht und begleitet Fach- und Führungskräfte. Ina hat viel erlebt, was im Personalwesen passieren kann und ist gespannt auf das, was sie noch nicht erlebt hat. Über ihre Erfahrungen berichtete sie auch hier auf dem Bewerberblog.

7 Kommentare

  • Eröffnungsveranstaltungen sind langweilig und oft nur eine Beweihräucherung der teilnehmenden Personen, die Anwesenden werden als Gruppe wahrgenommen, die Einzelperson findet kaum Beachtung.
    Nach individueller Kosten-Nutzen-Analyse meide ich solche Veranstaltungen auch.

  • @Kai: ich kann deinen Gedankengang verstehen. Dennoch ist es doch so, dass die Anmeldung zu einer Akademie ein grundsätzliches Interesse an der Veranstaltung voraussetzt. Da finde ich auch, es gehört dazu, eben der Abschlussveranstaltung (zu der die Leute ja meistens nur gehen, weil sie ihre Zertifikate bekommen) auch zur Auftaktveranstaltung zu gehen. Es ist in diesem Fall ja nicht mal nur, dass die Referenten umsonst gekommen sind und Arbeit in die Vorbereitung gesteckt haben. Nein vielmehr ist es für die einzelne Studentin, die offenbar wirkliches Interesse hat, total blöd, dass sie am Ende dort allein saß und genau so Zeit vertrödelt hat, weil man für sie alleine keine 1.5h Veranstaltung aufzieht. Ein bisschen mehr Grundinteresse und angemessenes Verhalten sollte auch zu Studienzeiten vorausgesetzt werden. Später im Beruf muss man das ja auch an den Tag legen.

  • Auftaktveranstaltung klingt sehr nach steifen Begruessungen, Zeremonien, Blumen und Beweihraeucherungen – also nach einem sehr offizielles Treiben bei denen Studenten fehl am Platz sind – da haette mich damals als Student auch keiner hinbekommen.

    Haette man das ganze Einfuehrung, Vorbereitung oder aehnliches statt Auftakt genannt und somit dem ganzen einen weniger offiziellen, dafuer aber akademischeren Klang gegeben, dann kann ich mir gut vorstellen, dass mehr Studenten gekommen waehren.

  • Ich hätte dazu zwei Anmerkungen.

    Zum einen finde ich, es wirft überhaupt kein gutes Licht auf die Fachhochschule, wenn diese eine Vorlesung nicht gehalten wird weil nicht genügend Zuhörer dort sind. Es sollte nicht der Ansporn des Sprechers sein vor Leuten zu sprechen, sondern den Zuhörenden etwas vermitteln zu wollen. Ob das tausend oder nur eine Person ist sollte dabei egal sein.

    Die andere Sache ist, haben sie die eine Studentin gefragt woher sie von der Veranstaltung wusste?
    Ich halte es keineswegs für plausibel, nur weil sie die Information über diese Veranstaltung erhalten/bekommen/sich selbst angeeignet hat, dass die Veranstaltung genügend „beworben“ wurde.
    Theoretisch stand die Veranstaltung sicherlich irgendwo, wenn man davon aber nichts weiß, dann wird sich auch niemand drum kümmern zu erfahren wann und wo.

  • Zu dem (völlig überflüssigen) Rant der Autorin folgende Anmerkung.
    Das mag hart klingen, aber es gibt in der Wirtschaft keinen „Respekt“ für Arbeit. Es gibt nur „Respekt“ für Erfolg. Und bei allem Respekt: ihr habt es vergeigt.
    Das fällt unter die Werbestrategie von „P.G.H. Schuhtechnik“ : „Pech-Ge-Habt wenn’s nicht läuft“.
    Doch: wenn der Kunde nicht kauft, ist nicht der Kunde schuld. Und deshalb ist der Rant verständlich, aber überflüssig.
    Etwas mehr Selbstkritik und weniger Konsumenten-/Studentenbeschimpfung hätte hier gut getan.

    Sein wir doch mal ehrlich zu uns selbst:
    Eröffnungen (um 9 Uhr morgens) sind Selbstbeweiräucherungsveranstaltungen bei denen ein Direktor oder sonstiger Redner dem aus Höflichkeit (wohl eher nicht aus Interesse) anwesenden Restpublikum (bestehend aus Leuten, die keine Wahl haben) ein 3-maliges „Hoch“ auf die „geleistete Arbeit“ zuruft, um höflichen Beifall zu kassieren und anschließend die Sponsoren der Veranstaltung vorzustellen.
    Gefolgt von einem -nur in fernen Paralleluniversen- „wissenschaftlichen“ Eröffnungsbeitrag, über hochgradig interessante Themen, wie das Paarungsverhalten von Nacktschnecken in Südusbekistan. Eröffnungsvorträge bleiben obendrein grundsätzlich (manchmal auch Gott-sei-Dank?) an der Oberfläche des Themas und vermitteln selten etwas Hörenswertes. Ähnlich wie eine lange, zähe Vorbereitung auf einen Witz, dessen Pointe nie kommt.

    Und wenn die „Impulsreferate“ dann auch noch „Chancenreicher durch Softskills“ heißen, erklärt bereits die Überschrift warum keiner aufgetaucht ist. Das klingt 1:1 nach dem üblichen Schlangenöl der Consulting-Branche. Wie ein Preview für ein Motivationsseminar, verbunden mit einer Kaffeefahrt nach Kleinbuxtehude.
    Man sucht instinktiv nach dem Frühbucherrabatt, um die Veranstaltung der verhassten Marketingabteilung empfehlen zu können.

    Bei uns nannte man das übrigens nicht „Impulsreferate“ sondern „Stand-Up-Comedy ohne (freiwillige) Lacher“.

    Das dort als Vortragender ausgerechnet „towerCONSULT“ steht, dient auch nicht umbedingt dazu, den Eindruck einer Consulting-Agentur, die um 9 Uhr in der Früh über ein Movitationsseminar referiert, zu relativieren. Die Studenten kennen euch schließlich (noch) nicht.
    Und während man sich 15 Minuten vielleicht noch – auch auf die Gefahr hin gelangweilt zu sein – angetan hätte, sind 2x 30 Minuten obendrein auch deutlich zu lang für ein „Impulsreferat“, um 9 Uhr morgens ohne frischen Kaffee.

    Sorry, aber ich kann die Studenten völlig verstehen. Ich wäre dort auch nicht hingegangen.

    Man sollte sich an die eigene Nase fassen: „Chancenreicher durch Softskills“ klingt wie „Gesünder durch Lebertran“.
    Diese Überschrift „targetet“ die Zielgruppe der Führungskräfte, welche ihre Angestellten dafür bestrafen wollen, dass sie das Weiterbildungsbudget nicht aufgebraucht haben. Studenten lockt man mit „Mehr Freizeit durch Teamarbeit“.
    Kriegt mal euer Wording geordnet für eure Marketing Strategy – so liefert man keinen Buy-Impulse und triggert keine Sales-Decision! Da bleibt es am Ende bei Zero Market Penetration!

    Ich glaube, es ist gescheitert an schlechtem Marketing. Nicht an den Studenten.
    Die Studenten haben, nach den spärlichen Informationen die man ihnen gegeben hat, völlig richtig und vorhersehbar gehandelt.

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