(Neue) Arbeitswelt

Berufseinstieg nach dem BWL-Studium: Über Xing (2)

Wie bereits in meinem letzten Artikel geschrieben, möchte ich, als zukünftiger Absolvent mit BWL-Master-Abschluss hier ein wenig über meine Erfahrungen mit meiner Bewerbung und dem Berufseinstieg berichten.

Kürzlich hat mir ein Kollege den Kontakt zu einer Führungsperson aus einem Unternehmen vermittelt, das auf meiner Hitliste der attraktivsten Arbeitgeber weit oben steht. Nach der anfänglichen Freude darüber fragte ich mich, was ich nun damit anfangen sollte.

Für eine klassische Bewerbung schien es mir ein wenig zu früh, da ich ja noch gar nicht weiß, auf was für eine Stelle ich mich bewerben sollte und mein Ansprechpartner dort auch gar nicht dafür zuständig wäre, Bewerbungen zu bearbeiten.

Da ich in meinem Studium einige freiwillige Spezialisierungen gemacht habe (Risikomanagement, Innovationsmanagement) und Praktika, die eher in Richtung Investment-Support gingen, beschloss ich zunächst einmal nachzufragen, an welchen dieser Punkte man am besten anknüpfen könnte und in welchem Unternehmensbereich mein Ansprechpartner eine Bewerbung für sinnvoll hält.

Schließlich – so dachte ich mir – weiß ich am besten was ich kann und derjenige weiß am besten, was sein Unternehmen macht und wen es sucht.

Also flott eine Xing-Nachricht formuliert und abgesendet? Nun ja, als unsicherer Bewerber stellt man sich natürlich die Frage, wie man so eine Nachricht schreibt. „Sehr geehrter Herr…“, so wie man es in einer Bewerbung machen würde? „Hallo Wolfgang …“, weil wir ja gelernt haben, dass man im Internet immer duzt (Wikipedia dazu: „In der Kommunikation per Computer (DFÜ) ist es zumeist selbstverständlich, sich zu duzen…“).

Mein Gefühl sagte mir, dass beides eher absurd wirkt und ich habe mich für „Hallo Herr…“ entschieden und dann relativ knapp und ohne „gestelzte Bewerbungssprache“ geschildert, wie ich auf ihn komme und was ich will. So ähnlich würde man es auch am Telefon oder auf einer Jobmesse machen – denn eine solche Kontaktaufnahme stellt natürlich noch keine vollständige Bewerbung dar.

Wenn man Glück hat, dann findet man jedoch teilweise schon Stellenausschreibungen auf Xing, die (theoretisch zumindest) eine Komplettabwicklung der schriftlichen Bewerbung über das Netzwerk erlauben. Sieht man unter einer Stellenanzeige den Button „Interesse bekunden“, so kann man sich mit einem Klick ins Rennen um die ausgeschriebene Stelle begeben. Meistens zumindest. Denn leider erhält man daraufhin viel zu häufig eine standardisierte Mail mit der Bitte, man möge doch eine komplette schriftliche Bewerbung senden.

Aus Sicht der Pricipal-Agent-Theory ist das, was mit einer solchen schriftlichen Bewerbung bezweckt wird „Signalling“. Dabei geht es darum, gute von schlechten Vertragspartnern zu unterscheiden, wenn man diese nicht auf den ersten Blick erkennen kann. In diesem Fall also Bewerber, die wirklich in dem Unternehmen arbeiten wollen von solchen zu unterscheiden, die nur auf gut Glück und ohne besonderes Interesse einen Button drücken. Dafür müssen die guten Bewerber Signale senden, die von Schlechten nicht imitiert werden können.

Hier: Sich einige Stunden an den Rechner setzen, um eine Bewerbung zu formulieren, die auf das Unternehmen abgestimmt ist und weder Rechtschreib- noch Formfehler enthält.

Wenn der Arbeitsmarkt ein Nachfragermarkt ist (viele Bewerber, wenige Stellen), dann macht so ein Vorgehen natürlich Sinn. Bei einem Anbietermarkt, bei dem die Unternehmen um Arbeitskräfte konkurrieren, sollte es den Bewerbern so einfach wie möglich gemacht werden weil im Zweifelsfall sonst die Konkurrenz schneller ist. In solchen Branchen also ein klares Plädoyer für den „Interesse bekunden“-Button.

Auf meine eigene informelle Xing-Anfrage habe ich ein paar Tage später eine Antwort bekommen. Mein Ansprechpartner wolle sich in seinem Unternehmen mal umhören und mit den entsprechenden Abteilungen Kontakt aufnehmen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

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2 Kommentare

  • Hi, ich denke du hast genau die richtige Ansprache gewählt. Übertriebene Förmlichkeit in sozialen Netzwerken ist genauso unpassend wie ein zu lässiger Umgangston. Immerhin spricht man eventuell mit dem neuen Arbeitgeber. 😉 Allgemein ist Xing ein gute Möglichkeit sich zu präsentieren und auch auf der Suche nach potenziellen Arbeitgebern eine gute Ergänzung zu üblichen Wegen der Jobsuche. Auf jeden Fall viel Erfolg bei deiner Suche, hoffentlich hältst du uns auf dem Laufenden 😉

  • Networking spielt heutzutage eine besondere Rolle und da ist Xing eine geeignete Plattform, um die wichtigsten Kontakte ausfindig zu machen. Aber ich lege auch sehr viel Wert auf Firmenmessen und Berufsberatungsstände.

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